Wulff, Tebartz - wer ist der Nächste?

Impuls zum 8. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 620 klicks

Das berühmte Commedia dell'Arte-Stück “Der Diener zweier Herren” von Goldoni greift auf die Worte Jesu zurück, die er in der Perikope des heutigen 8. Sonntags im Jahreskreis spricht: “Niemand kann zwei Herren dienen”. Dieses Wort gilt allgemein, in der Gesellschaft, in der Arbeitswelt, in der Familie. Auch in der Politik?

Die beschämende Affäre um den zu Unrecht angeklagten und nun vollständig frei gesprochenen Bundespräsidenten Christian Wulff lässt aufmerksam werden auf Vorgänge in unserer politischen Kultur. Speziell auf die Rolle der Medien, die sich längst zu einer zweiten Macht im Staate gemausert haben. Die von niemandem gewählt ist und auch niemandem Rechenschaft schuldig ist.

Was war geschehen? Aus heiterem Himmel hat man den Bundespräsidenten der Vorteilsannahme (also so einer Art Bestechung) angeklagt. Kann ja passieren, aber bevor der Vorwurf nicht bewiesen ist – sollte man meinen – ist noch gar nichts verloren. Aber weit gefehlt. Der Mann war verloren, weil die Medien ihn schon verurteilt hatten, bevor überhaupt die ersten Ermittlungen erfolgt waren.

Das aber bedeutet, wir sind inzwischen so weit, dass ein Verdacht genügt, um einen Menschen zu Fall zu bringen. Man muss nur die allmächtige Machinerie der Zeitungen, des Fernsehens und des Internets in Gang setzen. Die juristische Klärung wird länger dauern, aber bis dahin ist der Betreffende “weg vom Fenster”. Und das war offensichtlich die Absicht.

Es stellen sich zwei Fragen.

Erstens: wenn es offenbar nicht darum ging, dem Recht zur Geltung zu verhelfen, sondern vielmehr den Mann zu entfernen: wer war es, der die Parole ausgegeben hat?

Zweitens: Genauso unrühmlich die Rolle der Politiker. Kaum hatte das Medien-Orakel sein Verdikt gesprochen, zog man auf allen Ebenen die Konsequenzen aus dem nicht begründeten Schuldspruch.

“Niemand kann zwei Herren dienen……er wird zu dem einen halten und den anderen verachten” (Mt 6,24) In diesem Falle ist von beiden nichts zu halten.

Viel wäre gewonnen, wenn wir aus solchen Fehlern lernten. Aber es sieht so aus, als würde das bewährte Spiel immer weiter gespielt werden.

Leider auch in der Kirche.

Bei dem Wirbel um den Bischof von Limburg zeigte sich die gleiche Taktik. Man wollte den Mann fertig machen und häufte Anklage auf Anklage, natürlich in aller Öffentlichkeit. Da die Träger der veröffentlichten Meinung gut vernetzt sind, war es rasch die einhellige Meinung aller bedeutenden Medien, dieser Bischof ist unmöglich und muss weg. Denn er ist ein Protzbischof und hat ungebührlich viel Geld ausgegeben. Es spricht für die Wirksamkeit der Medien, dass, kaum war das – unbegründete – Urteil gesprochen, alle, auch der Mann auf der Straße, einmütig nachbeteten: verschwenderisch, selbstherrlich, untragbar.

Der Angriff auf den Bischof war im Übrigen so massiv, dass man sich ernsthaft Hoffnung gemacht hatte, dass Papst Franziskus sich beeilen würde, den unmöglichen Oberhirten zu entfernen. Den Gefallen tat der Papst ihnen allerdings nicht. Er wollte, wie zu erwarten, auf den sachlichen Bericht der Experten warten.

Da dieser nun wahrscheinlich für den Bischof entlastend ausfallen wird, wurde in den letzten Tagen eine neue Kampagne entfesselt mit Mutmaßungen über das zu erwartende negative Urteil der Expertenkommission.

Auf die Frage: wer hat hier die Parole zum Angriff ausgegeben, ergibt sich die Antwort aus dem, was der Bischof in seiner relativ kurzen Amtszeit sonst noch gemacht hat, außer Geld ausgeben. Es war einigen wenigen Leuten nicht recht, dass er in seinem Bistum – sagen wir es einmal etwas pauschal – wieder “katholische Verhältnisse” herstellen wollte.

Hier schließt sich der Kreis zu unserem Evangelium vom Sonntag. Könnte es sein, dass die eine oder andere Pfarrei oder sogar das eine oder andere Bistum nähere Untersuchungen darüber in die Wege leiten sollte, ob man dem richtigen Herrn dient. Ob man sich nach den Vorstellungen der Medien und der Politik oder aber nach den Vorgaben unseres Herrn Jesus Christus ausrichtet.

Das Problem ist durchaus nicht neu. Keiner möchte in den Augen der Welt schlecht da stehen. Da ist es sehr viel leichter, “das Reich und seine Gerechtigkeit” zu vernachlässigen als der Kritik der Medien zu widerstehen.

Und doch nur scheinbar leichter. Auf die Dauer ist es immer schief gegangen, wenn die Kirche sich der “Welt” angedient hat.

Die Geschichte der Kirche(n) im Dritten Reich bietet dafür zahlreiche Beispiele.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).