Wünsche für den nächsten Papst

Spekulationen über den Nachfolger Benedikts XVI. häufen sich: ein junger Asiate oder ein Übergangspapst?

Rom, (ZENIT.org) Antonio Gaspari | 1127 klicks

Je näher das Konklave rückt, desto zahlreicher werden die Spekulationen darüber, wer der nächste Papst sein könnte.

Die Wünsche der Gläubigen sind eindeutig. Aus den Meinungsumfragen wie aus der Durchsicht der Blogs und des Gedankenaustauschs auf Facebook und Twitter geht hervor, dass eine große Sehnsucht nach einer Gestalt wie Johannes Paul II. herrscht. Ein demütiger, gütiger Papst, der zugleich auch die Gabe der Kommunikation besitzt; der in alle Welt reist, um die Menschen zu treffen; der es versteht, die Jugend zu gewinnen; der überall, wo er hinkommt, die Plätze füllt.

Nach der jüngst abgeschlossenen Erfahrung des Pontifikats Benedikts XVI. wünschen sich die Gläubigen aber auch einen Papst, der dieselbe Festigkeit und doktrinäre Klarheit in seinem Lehramt besitzt, an die wir uns in den letzten acht Jahren gewöhnt haben. Ideal wäre eine Mischung aus der Begeisterung und Fröhlichkeit eines Johannes Paul II. und einem jungen Joseph Ratzinger.

Was aber aus allen Meinungsumfragen am deutlichsten hervorgeht ist, dass die Gläubigen den Heiligen Geist darum bitten, uns einen körperlich und geistig jungen Papst zu schenken. Die qualvollen letzten Lebensjahre von Johannes Paul II. und der Rücktritt Benedikts XVI. haben uns zu viel Leid gezeigt.

Das Volk der Gläubigen ist geduldig und hat Vertrauen in das Wirken des Heiligen Geistes. Es wird jubeln und dem Herrn danken, sobald ein neuer Papst gewählt ist. Trotzdem würde sich auch ein Tropfen Enttäuschung in die Freude mischen, wenn der Neugewählte ein Übergangspapst wäre.

Aus welchem Land wird der neue Papst kommen? Die Dekadenz und die Skandale, die Europa und andere Länder mit alter christlicher Tradition heute kennzeichnen, legt den Gedanken nahe, dass die Zeit vielleicht reif ist für einen außereuropäischen Papst. Im Alten Kontinent herrscht Mangel an Jugend und an Berufungen, die es hingegen in Lateinamerika, Afrika und Asien reichlich gibt.

Der Kontinent mit der höchsten Anzahl an Berufungen und Taufen, wo es viel Jugend gibt und das Christentum große Anhängerzahlen aufweisen kann, ist Asien.

Zugleich ist Asien ein Kontinent, der dabei ist, zur weltweit führenden Wirtschaftsmacht aufzusteigen. Das Christentum könnte der hemmungslosen Gewinnsucht und einem Materialismus, der die Menschen entwürdigt und solche Ungeheuer gebiert wie eine Bevölkerungspolitik, die zur Tötung der neugeborenen Mädchen führt, menschlichere Alternativen entgegenstellen, die vom Geist der Nächstenliebe getragen werden.

Ein asiatischer Papst könnte vielleicht auch für die schwierigen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China eine Lösung finden. Ganz sicher wäre eine Papstwahl die in diese Richtung ginge ein Akt großen Muts, der als solcher sehr zu würdigen wäre. Etwas Ähnliches geschah ja auch mit der Wahl Karol Wojtylas, des polnischen Papstes, der der Kirche und der Welt so viel Gutes getan hat.

Ein asiatischer Papst würde zahlreiche Bekehrungen auf diesem großen Kontinent zur Folge haben. In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass der meistbesuchte Weltjugendtag der in Manila war, an dem fünf Millionen Jugendliche teilnahmen, und dass die Philippinen an dritter Stelle in der Liste der Länder mit der größten Anzahl an Katholiken stehen. Weniger als Mexiko oder Brasilien, aber mehr als beispielsweise die Vereinigten Staaten oder Italien.

Es stimmt zwar, dass es sich um ein epochales Ereignis handeln würde; aber ist nicht der Rücktritt Benedikts XVI. ein Bruch mit der Tradition zugunsten einer Beschleunigung im Prozess der Neuevangelisierung?