Yad Vashem ändert den Text über Pius XII.

Kustos des Heiligen Landes, Pater Pierbattista Pizzaballa, begrüßt Entscheidung

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Von Sergio Mora

ROM, 2. Juli 2012 (ZENIT.org). - Die Leitung des Holocaust-Museums in Jerusalem (Yad Vashem) hat gestern beschlossen, die Tafel, auf der das Handeln von Papst Pius XII. kritisiert wurde, zu korrigieren.

Der Text, der dem Papst und der katholischen Kirche vorwarf, die Judenverfolgung durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg widerspruchslos hingenommen zu haben, hatte im April 2007 zu einem diplomatischen Zwischenfall geführt.

Wegen des Wortlauts dieser Tafel hatte der Apostolische Nuntius in Israel, Msgr. Antonio Franco, sich geweigert, an der Gedenkfeier für den Holocaust teilzunehmen.

Pater Peter Gumpel, Postulator im Seligsprechungsprozess für Pius XII., hatte darauf hingewiesen, dass sogar der jüdische Historiker Sir Martin Gilbert, der größte Kenner des Holocausts, die Entfernung der Tafel mit dem Text gegen den Papst gefordert hatte.

Msgr. Antonio Franco hatte dann doch noch an der Gedenkfeier teilgenommen, nachdem der Direktor des Museums, Avner Shalev, versprochen hatte, den fraglichen Text abzuändern.

Darin wurde behauptet, der Diener Gottes Pius XII. habe nie gegen Rassismus und Antisemitismus Stellung bezogen, habe nie gegen die Nazis protestiert und sei untätig geblieben, als die Nazis die Razzia in Rom durchführten.

Der neue Text hingegen weist darauf hin, dass der Papst schon in seiner im Radio übertragenen Weihnachtsbotschaft für das Jahr 1942 die „Hunderttausende von Menschen“ erwähnte, „die ohne jegliche eigene Schuld, manchmal nur wegen ihrer Nationalität oder Abstammung, dem Tod oder dem langsamen Verfall ausgeliefert sind.“

Der neue Text listet auch eine große Zahl von Hilfsaktionen der katholischen Kirche zur Rettung der Juden auf. Ganz besonders wird darauf hingewiesen, dass Papst Pius XII. selbst oft diese Hilfs- und Schutzaktionen ermutigte.

Von ZENIT befragt, kommentierte der Franziskanerpater Pierbattista Pizzaballa, Kustos des Heiligen Landes, diese Nachricht mit den Worten: „Das ist eine gute Nachricht, auch wenn sie Pius XII. deswegen nicht von heute auf morgen als Heiligen betrachten werden. Aber die Lage hat sich gewiss gebessert. Jetzt wird über den Papst wenigstens gesagt, sein Handeln sei noch immer Gegenstand großer Debatten“.

Die Nachricht von der Korrektur des Textes findet sich in der Tageszeitung Haaretz.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]