Yad Vashem: Studientagung über Papst Pius XII.

Gemeinsame Initiative der Holocaust-Gedenkstätte und der Salesianer

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JERUSALEM, 6. März 2009 (ZENIT.org).- Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und das katholische Forschungsinstitut Studium Theologicum Salesianum in Jerusalem wollen gemeinsam die Rolle von Pius XII. in der NS-Zeit erörtern. Zu einer gemeinsamen Historikertagung am Sonntag und Montag (8. und 9. März) seien zu diesem Zweck sowohl Kritiker als auch Verteidiger des Pacelli-Papstes eingeladen worden, berichtet der Dekan der Ordens-Hochschule, Roberto Spataro. Der Dekan sprach von einem „Schritt vorwärts" in der historischen Rekonstruktion dieses Aspekts der Amtszeit von Pius XII. Es seien noch viele Dokumente aus der fraglichen Zeit zu studieren. „Der Weg ist noch weit", so der Salesianer.

Das Treffen sei auch im Hinblick auf Papst Benedikts bevorstehenden Besuch in Yad Vashem zu sehen, berichtet der Salesianer Francesco De Ruvo gegenüber ZENIT. In Yad Vashem gebe es eine Bildunterschrift zu Pius XII., auf der dem Papst „Schweigen und Fehlen von Leitlinien" während des Holocausts zugeschrieben werden - eine Behauptung, die von vielen Historikern, darunter auch jüdischen, als völlig falsch zurückgewiesen wird.

„In den letzten Jahren wurden zahlreiche Bücher und neue Artikel veröffentlicht", erklärt De Ruvo. „Nun liegt neues Material vor, das es erlaubt, neue Aspekte ans Licht zu bringen, die man sich  anschauen und zusammenfassen soll, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt und manches korrigiert werden soll." Die Zeitspanne vor dem Pontifikat Pius XII., die Beziehungen zu den deutschen Bischöfen, Pius II. und der Holocaust, die Situation in Italien während des Holocausts und die Zeit nach dem Holocaust gehören zu den zu erörternden Themen. Unter den Teilnehmern befinden sich Sergio Minerbi, Paul O'Shea, Michael Phayer, Susan Zuccotti, Thomas Brechenmacher, Jean-Dominique Durand, Grazia Loparco, Matteo Luigi Napolitano und Andrea Tornielli.

„Für einige ist Pius XII. ein indifferenter Beobachter des Holocausts gewesen, der im Stillen zum Komplizen der gewaltigen Tragödie wurde", erzählt De Ruvo. „Andere Forscher und Historiker haben für einige Zeit eine völlig andere These vertreten, die eine positive Beurteilung des Wirkens von Papst Pius XII. bedeutet: Er bemühte sich demnach, mit allen möglichen Mitteln die Auswirkungen des Holocausts zu verringern, manchmal mit wirksamen Resultaten." Die zweite Position stütze sich auf historische Dokumente sowie auf schriftliche und mündliche Zeugenaussagen. Sie werde von verschiedenen, auch jüdischen Historikern vertreten, unabhängig von der jeweiligen religiösen Zugehörigkeit.

Francesco de Ruvo meinte, dass „bislang ein Klima des freundlichen und respektvollen Zuhörens zwischen den Einrichtungen, die in diese Initiative involviert sind, gepflegt wurde, die, wie wir hoffen, zu einer Übereinkunft bezüglich des jetzigen Texts in Yad Vashem führen wird".