Zeichen der Hoffnung in Afrika (I)

Interview mit Monsignore Judas Thaddäus Okolo

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ROM, 10. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Für den Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Bischof Giampaolo Crepaldi, ist die Lösung der Probleme Afrikas eine wesentliche Frage für Kirche und Welt.

Aber wie können Unterentwicklung, Armut und Krankheit überwunden werden? Wie kann eine solche hoffnugsvolle Revolution eingeleitet werden. Wie kann man junge Menschen unterstützen und ihnen eine Hoffnung schenken, die sie davon überzeugt, nicht zu emigrieren? Wie soll man sich in Bezug auf den Islam verhalten? Was sind die Probleme der Kirche in Afrika und die Wege zu treffen, um Lösungen zu finden?

All diese Fragen werden in der Sonderversamlung der Bischofssynode für Afrika behandelt, die am kommenden Sonntag in Rom eröffnet wird.

ZENIT hat mit Monsignore Judas Thaddäus Okolo, dem Apostolischen Nuntius im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik darüber gesprochen.

ZENIT: In Afrika arbeitet mehr als 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft, dennoch leiden Hunderte von Millionen von Menschen an Hunger. Woran liegt das?

--Mgr Okolo: Es ist wahr, dass Afrika über große Gebiete mit Ackerland verfügt und ein großer Teil der Bevölkerung hat auch Zugang zu Ackerboden und ist in der Landwirtschaft tätig. Mit dem Mittel, die zur Verfügung stehen, sollte der afrikanische Kontinent in der Lage sein, alle Kinder zu ernähren.

Es gib eine Produktionskapazität, die richtig genutzt, ihren eigenen Landwirtschaftsmarkt garantieren könnte und damit die Überwindung der Ernährungsunsicherheit. Trotz allem, leiden viele an Hunger. Wir könnten dieses Phänomen mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen erklären, die es dort gibt und derer es vieler. 

Zuerst müssen wir anerkennen, dass einige afrikanische Länder erhebliche Fortschritte in der Landwirtschaft gemacht haben. Das Beispiel und die Erfahrung einer Notlage wird oft dazu benutzt, den gesamten Kontinent negativ zu berurteilen. Die Realitäten sind unterschiedlich: die Einstellung sind oft grundverschieden und von beeindruckender Vielfalt; es gibt große Unterschiede zwischen den politischen Regimen, die kulturellen und religiösen Kontexten variieren, die historischen Erfahrungen sind nicht alle gleich, und die wirtschaftspolitischen Leitlinien könnten unterschiedlicher nicht sein.

Es gibt auch eine signifikante Verbesserung der Verantwortungsträger in der Regierung und in der wirtschaftlichen Entwicklung, die ein überdurchschnittliches Niveau erreicht hat. Im Bereich der Landwirtschaft, ändert sich das Panorama Landschaft von einem Ort zum anderen, und dass selbst innerhalb eines Landes. So können wir über die Entwicklung der Landwirtschaft als Ganze nur dann sprechen, wenn wir diese Unterschiede unberücksichtigt lassen.

ZENIT: Was ist für sie mit Blick auf Afrika die Prioritätenliste?

--Msgr. Okolo: Für viele Regierungen und politische Entscheidungsträger ist es nicht die Landwirtschaft, sondern der Haushalt für nationale Sicherheit, der eine herausragende Rolle spielt.

Was also notwendig ist, um überzeugend zu arbeiten, ist eine vernünftige und klare Richtung bei der die landwirtschaftliche Entwicklung eine Priorität hat. Wenn es um die Entwicklung der Landwirtschaft geht, müssen wir mit Sicherheit darüber reden, wie sich das Afrkanische Volk in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung durch Bodennutzung und verantwortungsvollen Nutzung der Natur neu zu orientieren vermag.

Il faut une nouvelle prise de conscience et un développement positif de la mentalité indigène. Wir brauchen ein neues Bewusstsein und eine positive Entwicklung der einheimischen Mentalität. Avec les changements politiques des années soixante et soixante-dix, dans certains pays africains on pensait que le développement consistait à quitter la terre, à se mettre une cravate et un pantalon et aller travailler dans un bureau comme fonctionnaire public.

Mit den politischen Veränderungen, die in einigen afrikanischen Ländern in den sechziger und siebziger Jahren vonstatten ging, glaubte man, dass die Entwicklung dahin ginge, die Landwirtschaft zu verlassen, sich mit Krawatte und Hose zu kleiden und in einem Büro als Beamter zu arbeiten. Jeder wollte plötzlich seinen bäuerlichen Status aufgeben und zu einer kultivierten, gebildeten, emanzipierten, gebildeten Person werden. Der Trend ging dahin, der Landwirtschaft zu entfliehen und so bestand die Logik darin, das Land zu verlassen.

Aber Viele, die einmal ihren Fuß in die Akademie gesetzt haben, wollen nicht mehr aufs Land zurückkehren. Das Schwierigste ist es nun, sie davon zu überzeugen, dass Landwirtschaft immer noch ein Trend sein kann.

Wegen der Produktionsmittel, die auch heute noch in fast allen afrikanischen Ländern ist der Landwirtschaft die gleichen Werkzeuge sind, die vor sechzig Jahren benutzt werden, geschehen, hat die Produktion ihre natürliche Grenzen. Auf der anderen Seite gilt es bei allen  Problemen, die Mechanismen einer ordnungsgemäßen Wartung zu beachten: die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, die technische Kapazitäten für die örtlichen Bediensteten, und eine Wartung bei der Bedienung etc.

Der landesweite Transport von Gütern wegen des Mangels an ausreichenden Ressourcen und befestigten Straßen kann sehr teuer werden. Darüber hinaus  regnet es viel und die Erosion zerstört die wenigen Straßen, die es gibt. Die Transportkosten sind sehr hoch, wenn man sie sich überhaupt leisten kann. Andernfalls müssen Menschen Dutzende von Kilometern zu Fuß gehen, um auf ihrem eigenenKopf ihre eigenen Produkte zu transportieren.

Es mag seltsam erscheinen, aber die Bauern haben oft keine Lust ihre Situation zu verbessern: sie bleiben, wie sie sind, und wehren sich gegen jede Anstrengung, wirkliche Veränderungen zu schaffen.

Was die soziale Unsicherheit, den Drogenhandel und der illegale Handel mit Waffen angeht, so waren es bis vor einiger Zeit vor allem die europäischen Länder, die zu den größten Anbietern von Waffen in afrikanischen Ländern gehörten. Diese Waffen gelangten in die Hände der Rebellen. In den Gebieten, die von Rebellen kontrolliert werden ist keine landwirtschaftliche Tätigkeit möglich.

Es ist eine Schwierigkeit, der noch weitere hinzugefügt werden könnten: die transnationale organisierte Kriminalität der an sich verschiedenen Rebellengruppen Aktivitäten. Es fördert Waffenhandel, Schmuggel von natürlichen Ressourcen, erhöht die Gefahr von Handel und Konsum von Drogen, Menschenhandel, reduzierten Zustand der Lage, sein eigenes Territorium und Kontrolle Organisation der Bewirtschaftung von Flächen.

ZENIT: Was müssten die Afrikaner als erstes für eine grüne Revolution tun?

--Msgr. Okolo: Vielleicht kann es zu einer grünen Revolution mit Hilfe der modernen Biotechnologien kommen. In diesem Sinne sind die Bedürfnisse vieler Afrikaner sehr unterschiedlich. Aber wenn man von einem konkreten Engagement in der Landwirtschaft spricht, muss ich sagen, dass viele afrikanische Länder haben bereits ihre „grüne Revolution" organisiert haben, und die Bürger für diese Realität sensibilisiert haben. In meinem Land, war die "Grüne Revolution" ein Refrain in politischen Kampagnen der 80er Jahre.

(…) In einigen Regionen ist eine Frage des Überlebens, Maniok in großem Umfang , jeden Tag zu konsumieren. Die Produktion ist reichlich vorhanden. Aber die Vorbereitung für die Übernahme des Cyanid ist schwierig. Die Gefahr besteht also weiter. Aber die Leute davon zu überzeugen, ob auf wissenschaftliche Weise oder nicht, auf Maniok zu verzichten und stattdessen andere nahrhafte Lebensmittel zu verzeheren (Mais, Hirse, Yams, Couscous, etc..) ist nicht einfach. Das Ergebnis ist, dass das Cyanid langsam das Gehirn derjenigen zerstört, die Maniok verzehren. Dies hemmt die Fähigkeit der Selbst-Entwicklung. So ist der Mensch  dazu verdammt, in seiner Routine zu leben, ohne dies zu wissen.

Wir brauchen auch die Unterstützung von Genossenschaften. In einigen Ländern wurden in einigen Gegenden Genossenschaften, geboren, die zu einer wettbewerbsfähigen Dynamik fähig sind. Wir müssen Bauernorganisationen stärken und sie mit Mitteln aus dem Staatshaushalt unterstützen.

Es sollte faire Preise geben, damit Menschen ein faires Einkommen bekommen können. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus afrikanischen Ländern geben nicht die afrikanischen Produzenten vor, sondern Drittländer. Wir sehen den enormen Unterschied zwischen dem Geld, das an die Landwirte und Produzenten gezahlt wird und welche Verkaufspreise von den Verbrauchern im Westen gezahlt werden. Ein Damara der Zentralafrikanischen Republik, der 30 Einheiten von Grapefruit enthält ist für einen Euro erhältlich.(…)

Ein wichtiger Punkt ist die Unterstützung der Landwirtschaft durch Mikro-Finanzierung. In Bezug auf die Rückzahlung von Darlehen in das System der Mikro-Finanzierung, muß gesagt werden, dass die Mentalität der Erstattung der „Institutional Credits" in Teilen von Afrika fehlt. Vor allem dann, wenn das Darlehen aus dem Ausland kommt oder vom Staat. Es ist interessant festzustellen, dass persönliche Darlehen unter Freunden und Bekannten erstattet werden, aber nicht gegenüber den Institutionen. Diese Mentalität führt bei den Banken zu großen Problemen, die nicht bereit sind ohne Rückzahlungsgarantie Projekte zu finanzieren.

Die Fragen stellte Antonio Gaspari . Aus dem Italienischen übersetzt von Angela Reddemann.