"Zeigen, dass der Libanon nicht sterben wird": Bischöfe appellieren an die Christen, auszuharren anstatt auszuwandern

Hilferuf um internationale Unterstützung vor dem Winter

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BEIRUT, 28. August 2006 (ZENIT.org).- Die maronitischen Bischöfe im Libanon bitten dringend um internationale Hilfe, um die Auswanderung der Christen aus ihrem Land zu stoppen.



Der Libanon, der als einziger Zufluchtsort der Christen im Nahen Osten und als Brücke zwischen dem "islamischen" Osten und dem "christlichen" Westen gilt, stehe vor der Gefahr, seine christliche Bevölkerung vollständig einzubüßen, berichtete vor kurzem "AsiaNews".

Weihbischof Guy-Paul Noujaim von Antiochien erklärte, der jüngste Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz sowie der stetig zunehmende islamische Fundamentalismus vertrieben eine große Anzahl von Christen aus dem Libanon. Um der gegenwärtigen Lage entgegenzuwirken, hat der Bischof in seiner Diözese ein Krisenzentrum eingerichtet. Ein großes Problem sei die unzureichende medizinische Versorgung der alten und kranken Menschen, betonte er. Des Weiteren könnten trotz Wiedereröffnung der Schulen rund 50 Prozent der libanesischen Bevölkerung ihre Kinder nicht zur Schule schicken, da die finanziellen Mittel für Privatschulen fehlten und die öffentlichen Schulen aufgrund des gebotenen geringen Bildungsniveaus besser vermieden werden sollten.

Erzbischof Paul Matar von Beirut appellierte an internationale Organisationen, rasch zu handeln, um seinem Volk noch vor Einbruch des Winters Hilfe zu bringen. Gegenüber "AsiaNews" sprach der Erzbischof über die Gefahr der Massenflucht der Christen, die zuallererst durch die unsicheren Zukunftsperspektiven ausgelöst werden könnte. Es sei daher dringend erforderlich, schnellstens mit dem Wiederaufbau des durch heftige, wochenlange Bombardements so zerstörten Landes zu beginnen. Außerdem gelte es, die Christen, aber auch die Moslems zu überzeugen, auszuharren.

Während des jüngsten Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hisbollah hat Bischof Georges Bakouni, Metropolit von Tyrus, seine Diözese im Südlibanon ungeachtet schwerer Luftangriffe von israelischer Seite, bei denen mindestens 15 Kirchen völlig zerstört wurden, niemals verlassen. Der Metropolit der Gläubigen des griechisch-melchitischen Ritus rief die Christen, die sich aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zur Flucht gezwungen sahen, dazu auf, "nach Hause zurück zu kehren und zu zeigen, dass der Libanon nicht sterben wird". Er bekräftigte: "Wir werden den Libanon niemals Israel oder den Moslems überlassen. Wir waren lange vor ihnen hier und wollen mit allen zusammenleben."

Der letzten offiziellen Volkszählung von 1932 zufolge bestand die Bevölkerung zu 63 Prozent aus Christen, zu 35 Prozent aus Moslems und zu 2 Prozent aus Andersgläubigen. Nach aktuellen Schätzung liegt der Anteil der Christen an der libanesischen Gesamtbevölkerung lediglich bei 32 Prozent.