Zeitungsente: P. Lombardi weist Manipulationsvorwurf zurück

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ROM, 17. August 2007 (ZENIT.org).- Seit gestern Abend zirkuliert die Nachricht, die freie Internet-Enzyklopedie „Wikipedia“ werde in ihren Inhalten unter anderem vom amerikanischen Geheimdienst CIA und vom Vatikan manipuliert.



Prinzip des „universalen Wissens“ von „Wikipedia“ ist es, dass jeder Wahrung der Anonymität zu einem Autor des Lexikons werden kann. Dies bringt Gefahren mit sich: Beiträge können verändert und sogar verfälscht oder Interessen entsprechend „korrigiert“ werden.

Diesem Schild der Anonymität der Vielzahl von redaktionellen Eingriffen soll jetzt ein Ende gesetzt worden sein: Virgil Griffith, IT-Spezialist aus Kalifornien, hat laut Meldungen eine Software entwickelt, die nicht nur die IP-Adresse der Schreiber ausfindig machen, sondern die Identifikationsnummer des Internetzugangs gewissen Institutionen zuordnen kann.

Dies habe ergeben, dass neben Großkonzernen auch Geheimdienste und natürlich der Vatikan Lexikoneinträge nach eigenem Interesse zurechtbiegen würden. Gerade von einem Computer des Vatikans aus, so der britische Fernsehsender BBC, soll der Artikel über den nordirisch-katholischen Politiker Gerry Adams von „Sinn Fein“ manipuliert worden sein.

Der Direktor des Pressesaales des Heiligen Stuhls, P. Federico Lombardi SJ, meinte dazu, dass es sich dabei um eine „typische Sommernachricht“ handle. Die in der internationalen Presse verbreiteten Anschuldigungen entbehrten jeglichen Ernstes und jeglicher Logik.

„Es ist absurd“, so Lombardi, „sich auch nur vorzustellen, dass eine derartige Initiative in Betracht gezogen werden könnte“. Nach Ansicht von P. Lombardi reiche eine einfache journalistische Verifizierung, um zu erkennen, dass die Veränderung im Lexikoneintrag von „Wikipedia“ nichts mit dem Heiligen Stuhl zu tun habe.

P. Lombardi sprach von einer „typischen Nachricht eines 16. August“, die mit „sommerlichem Nachdruck von vielen Medien“ aufgegriffen worden sei. Und er fügte hinzu: Sollte die von der BBC verbreitete Nachricht Bestätigung finden, so sei der Tatsache Rechnung zu tragen, dass im Vatikan über 1.000 Menschen arbeiten, es viele vernetzte Computer gibt, von denen ein Teil allgemein zugänglich ist. Es sei somit durchaus möglich, dass eine Privatperson auf „Wikipedia“ zugegriffen habe. „Der Heilige Stuhl hat damit klarerweise nichts zu tun.“