Zentralafrikanische Republik: Plünderungen und Überfälle

Der auferstandene Christus siegt, aber er zeigt immer den Aposteln seine Wunden

Rom, (ZENIT.orgKIN) | 531 klicks

Bischof Juan José Aguirre, Comboni-Missionar und Bischof von Bangassou im Osten der Zentralafrikanischen Republik, berichtet gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ von den traurigen Ereignissen nach dem Staatsstreich vom 24. März und der Ankunft der Rebellen in seiner Diözese:

„Die Plünderungen gehen weiter, Tag und Nacht, zu jeder beliebigen Zeit. Die entsetzten Menschen fliehen nicht, sondern weinen und versuchen das Wenige zu verteidigen, das ihnen geblieben ist. Jederzeit können Rebellen oder als Rebellen Verkleidete in ihre Häuser eindringen, um es mit der Maschinenpistole in der Hand zu rauben“, schreibt der Bischof. Die Auflistung der Gegenstände und vor allem der Fahrzeuge, die in den Ordenshäusern und den Kircheneinrichtungen entwendet wurden, sei unendlich lang. „Von den Spiritanern ist jeder in ein anderes Haus gegangen oder hat bei Freunden Zuflucht gesucht, weil sie zwei Nächte hintereinander mit Äxten und Macheten geweckt wurden. Aus den Häusern von Ordensschwestern haben sie sogar versucht, Schwestern mitzunehmen. Plünderungen sind allgemein verbreitet“. So beschreibt der Comboni-Missionar die Lage, die seit Monaten in der Zentralafrikanischen Republik herrscht, die sich am 11. März in der Diözese Bangassou mit der Ankunft der „Séléka“ jedoch verschärft hat.

Schüsse in der Kathedrale

Bischof Aguirre führt weiter aus: „Die Séléka sind entweder aus dem Tschad und Sudan oder es sind junge Männer, die in letzter Minute rekrutiert wurden, um die Truppen zu verstärken. Weder die einen, noch die anderen interessiert das Land, sie sind lediglich an Beute interessiert.“  Séléka bedeutet Allianz in der Lokalsprache Sango. Es handelt sich um einen Zusammenschluss von fünf bis sechs Rebellengruppen muslimischen Ursprungs. Sie haben die Macht an sich gerissen und am 24. März, während der Palmsonntagsfeier, in der Hauptstadt Bangui den Präsidenten Bozize abgesetzt. Bischof Aguirre hielt sich zufällig an diesem Tag in Bangui auf. Er erzählt seine Erlebnisse: „Während wir die Palmsonntagsmesse feierten, begann um 7 Uhr 55 das Feuer mit schwerem Geschütz und mit Maschinenpistolen, das drei Stunden anhielt. Wir leben neben dem Präsidentenpalast, so dass wir mitten in den Kämpfen waren. Eine Gruppe Séléka – ein Teil von verschiedenen Gruppierungen aus dem Tschad sowie ‚Janjaweeds‘ aus Sudan – drangen schwerbewaffnet in die Kathedrale von Bangui ein, als die Messe gerade zu Ende ging. Die Rebellen begannen, in die Decke zu schießen. Die Menschen warfen sich auf den Boden, auf die Palmen. Sie wurden gezwungen, die Auto- und Motorradschlüssel der draußen parkenden Fahrzeuge abzugeben... Es wurde weiterhin geschossen, bis kein einziger Schlüssel fehlte. Die Kinder weinten entsetzt.“

Alle Autos und Motorräder der Kirche entwendet

Der Bischof beschreibt ebenfalls, wie er die Karwoche in seiner Diözese Bangassou, östlich der Hauptstadt, gefeiert hat: „In Rafai war das Ostertridiuum sehr angespannt. Der auferstandene Christus siegt, aber er zeigt immer den Aposteln seine Wunden. Etwa 20 als Séléka verkleidete Banditen nahmen das Dorf und die Mission ein. Es waren keine Opfer zu beklagen. Die Muslime aus der Region intervenierten, damit diese 20 Straßenräuber gingen“. Mitten in dem Durcheinander und dem Leiden scheut die Kirche keine Mühen, um bei den Menschen zu sein: „In Tokoyo ist kein einziges Auto, kein Motorrad übrig geblieben. Dabei haben sie 40 Kapellen zu betreuen. Pater Agustín aus Bakouma ging zusammen mit einer der Ordensschwestern 60 Kilometer zu Fuß nach Zabe, um Ostern zu feiern. Solange die Sterne zu sehen sind, können wir sogar nachts zu Fuß gehen». Die Ankunft der islamistischen Séléka-Soldaten ist für den Missionar ein weiteres Kapitel in der turbulenten Geschichte der ehemaligen französischen Kolonie. Seit mehr als 20 Jahren tobt der Bürgerkrieg in einem Land, das als das zweitärmste der Welt gilt. Der Bischof schließt seine Schilderungen mit den Worten: „Wenn die Hoffnung schwindet, bleibt nur die Hoffnung, wieder Hoffnung zu gewinnen.“