Zentralafrikanische Republik: "Wir brauchen mehr internationale Schutztruppen!"

Erzbischof von Bangui, Msgr. Dieudonné Nzapalainga, im Gespräch mit "Kirche in Not"

München, (KIN) | 312 klicks

Der Erzbischof der Zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui, Dieudonné Nzapalainga, hat ein klares „Nein“ zu Hass und Rache in seinem Land gefordert. Im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ schloss er sich den Warnungen der Vereinten Nationen vor einem drohenden Völkermord in der Zentralafrikanischen Republik an. Es sei jedoch falsch, von einem interreligiösen Konflikt zu sprechen. Die Gruppierung der Anti-Balaka, die in den Medien oft als „christliche Milizen“ dargestellt würden, bezeichnete er als eine „Selbstverteidigungsbewegung, die nun die Politiker abgehängt hat“.

Erzbischof Nzapalainga berichtete, er habe kürzlich einen rund 200 Kilometer von Bangui entfernten Ort besucht, aus dem alle Muslime verschwunden seien. Als er die Anhänger der Anti-Balaka nach ihrem Verbleib gefragt habe, sei ihm geantwortet worden, die Muslime seien vertrieben worden. Der Erzbischof zweifelte an dieser Version: „Dass mehr als 200 Moslems mitsamt Kindern und alten Leuten 192 Kilometer gelaufen sein sollen, ist unmöglich.“ Er habe zwei Minister darüber informiert, dass er „Dinge gesehen hat, die an einen Völkermord denken lassen“, aber diese hätten ihm nur geantwortet, dass die Menschen vertrieben worden seien. „Wenn es niemanden gibt, der diese Hand des Teufels aufhält, wird sie ihr Ziel erreichen. Es werden viele Menschen gejagt und getötet werden“, warnte der Erzbischof.

Auch in Bohong, wo die Séléka-Rebellen die christliche Bevölkerung angegriffen hatten, habe Nzapalainga sich an den Völkermord von Ruanda erinnert gefühlt: „Als ich dort ankam, war ein Teil eines Stadtviertels vollständig niedergebrannt worden. Ich sah, dass auch Menschen verbrannt worden waren. Man sah Knochen und menschliche Köpfe. Ich hatte so etwas nur in Filmen über Ruanda gesehen, aber nicht bei uns. Ich denke, das Böse war da. Es zeigt sich in dem Wunsch zu töten, zu zerstören.“

Vor allem sei es notwendig, die Sicherheit im Lande wiederherzustellen. „Das hat absolute Priorität“, betonte der Erzbischof. Die Menschen lebten in Angst und Schrecken. Die Mentalität sei inzwischen: „Mein Nachbar ist bewaffnet, und ich habe Angst vor ihm.“ Der Erzbischof forderte die Vereinten Nationen auf, mehr Schutztruppen zu schicken, und beklagte, dass die gegenwärtige Militärpräsenz angesichts der Größe des Landes nicht ausreichend sei. Die Zentralafrikanische Republik habe fast die Fläche Frankreichs. „Hier kann man mit 4000 oder 5000 Soldaten nicht für Frieden sorgen. Selbst in der Hauptstadt Bangui ist das nicht gelungen“, erklärte er. Die Lage sei gefährlich.

Der Erzbischof bezeichnete insbesondere die katholischen Missionare als „Orientierungspunkte“ und „schützendes Bollwerk“ für die Bevölkerung. „Die Menschen sehen durch sie Gott. Sie sehen auch, dass sich in ihnen die Macht der Liebe zeigt“, sagte er und betonte, dass die Missionare nicht zum Bleiben gezwungen würden, sondern aus freiem Willen blieben. Ihre Gegenwart sei „wie ein Licht, das die Nacht erhellt.“

Das Hilfswerk „Kirche in Not“ bittet um Spenden für die Arbeit der Kirche in der Zentralafrikanischen Republik. Spenden sind auch online möglich unter www.spendenhut.de oder an:

Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
Kontonummer: 215 20 02
BLZ: 750 903 00
LIGA Bank München

IBAN: DE63750903000002152002
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Zentralafrika