„Zeugnis geben vom Gott mit uns“ – Die Gemeinschaft Emmanuel

Interview mit Michael Hagemann

| 1581 klicks

ROM, 12. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die drei Säulen, auf denen das geistliche Gebäude der katholischen Gemeinschaft Emmanuel ruht, sind „die Anbetung, das Mitleiden und die Evangelisation“, erklärt Michael Hagemann.



Der Verantwortliche der Gemeinschaft für die Jugendarbeit in Deutschland gibt im vorliegenden ZENIT-Interview einen Einblick in die Geschichte, das Charisma und die Ziele der Gründung des Filmkritikers Pierre Goursat (1925 - 1991) und der Ärztin Martine Catta.

Das geistliche Herz der Gemeinschaft Emmanuel schlägt heute im französischen Paray le Monial, wo jährlich mehr als 20.000 Menschen zu internationalen Einkehrtagen zusammenkommen.

Die Gemeinschaft ist auf allen Kontinenten und in über 70 Nationen vertreten. In Deutschland gehören ihr rund 300 Personen an.

ZENIT: Zu welchem Zweck wurde die Gemeinschaft Emmanuel gegründet? Welche Aspekte waren den Gründern besonders wichtig?


Hagemann: Die Gemeinschaft Emmanuel entstand aus einer kleinen Gruppe von Leuten, die jeder für sich die Erfahrung der Geistausgießung gemacht hat, also der Erfahrung, die meint, dass Gott wirklich lebendig ist und etwas mit meinem Leben zu tun hat. Unser Gründer, Pierre Goursat, hatte nicht die Absicht, eine Gemeinschaft zu gründen; aber es kamen immer mehr Leute innerhalb kürzester Zeit zu einer Gebetsgruppe dazu, so dass sich die Frage nach mehr Verbindlichkeit stellte.

Pierre Goursat war ein Mann, der viele Stunden vor dem Allerheiligsten verbrachte. Eine Frage des heiligen Dominikus beschäftigte ihn besonders: Herr, was wird aus den Sündern? Gedrängt von dieser Frage, war es ihm ein großes Anliegen, die frohe Botschaft von Gottes großer Barmherzigkeit zu verkünden. So sind die drei Säulen der Gemeinschaft Emmanuel entstanden: die Anbetung, das Mitleiden und die Evangelisation.

ZENIT: Welche besonderen Akzente setzt Ihre Gemeinschaft bei der Verbreitung des Evangeliums?


Hagemann: Wichtig ist uns, dass wir in der Welt leben. Wir wollen uns den gleichen Herausforderungen der heutigen Zeit stellen wie unsere Arbeitskollegen und unsere Nachbarn, und so auch ihre Nöte und Sorgen teilen. Dort wollen wir von unserer Hoffnung Zeugnis geben: von Emmanuel - dem Gott mit uns.

Außerdem gibt es verschiedene Angebote wie zum Beispiel das Forum für Teenies, junge Erwachsene und Familien, das jedes Jahr über 5 Tage in Altötting stattfindet. Wir wollen dort Menschen ermöglichen, Gott zu entdecken oder ihn näher kennen zu lernen.

Als Erstes geht es uns darum, dass wir den Menschen helfen, eine lebendige Beziehung zu Gott aufzubauen. Für uns alle ist existenziell wichtig geworden, dass Gott ein barmherziger Gott ist, der voller Liebe für jeden einzelnen ist. Diese Erfahrung wollen wir auch anderen ermöglichen, indem wir davon erzählen und sie ermutigen, sich auch darauf einzulassen – zum Beispiel durch das Sakrament der Versöhnung.

Auch Pfarrmissionen, die Internationalen Kongresse für eine neue Evangelisation oder Glaubenskurse, Eheseminare... gehören zu unserem Angebot.

ZENIT: Was hat Sie persönlich dazu motiviert, sich der Gemeinschaft Emmanuel anzuschließen?

Hagemann: Mich hat fasziniert, dass die alte Botschaft des Evangeliums so zeitgemäß und modern verkündet werden kann. Ich entdecke bei Emmanuel eine echte Botschaft der Freude und Hoffnung. Auch die Liturgie, die Gebetsformen, die Mission und die Botschaft der Barmherzigkeit waren für mich von Anfang an wichtig.

ZENIT: Papst Benedikt XVI. hat die Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen wiederholt gebeten, die Kirche vor Ort nach Kräften zu unterstützen. Wie setzen Sie das um?

Hagemann: Die Priester der Gemeinschaft Emmanuel sind inkardiniert in Diözesen, das heißt sie arbeiten für die Kirche vor Ort. Die Laien der Gemeinschaft Emmanuel - Ehepaare, Singles, geweihte Schwestern und Brüder – arbeiten mit ihnen zusammen, um sie in diesem Dienst zu unterstützen.

Abhängig von den Fähigkeiten unterstützen sie bei Glaubenskursen, in der musikalischen Gestaltung der Liturgie, in der Messdienerarbeit, bei Gebetsabenden für junge Leute, bei Hausbesuchen und natürlich im Gebet. Unabhängig davon leben wir ja alle in der Welt, und das ist ja nach „Evangelii nuntiandi“ die eigentliche Art, wie die Kirche in der Welt präsent sein muss.

ZENIT: Welche Initiativen und Apostolate sind für Sie mit Blick auf die Jugend heute besonders wichtig?

Hagemann: Zum Weltjugendtag in Sydney haben wir schon 120 definitive Anmeldungen aus Deutschland. Wir haben auf ganz Deutschland verteilt viele Ausbildungs-, Gebets-, und Exerzitienangebote. Über Allerheiligen waren beispielsweise 60 Jugendliche in Kevelaer.

Wir wollen den Jugendlichen helfen, verantwortungsvolle, entscheidungsfreudige und entschiedene Christen zu werden und sich so beherzt und mutig für die Anliegen der Kirche und Welt – in der Welt – einzusetzen.

[Das Interview führte Angela Reddemann]