Zöllner und Dirnen

Kommentar zum Evangelium am 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 16. September 2011 (ZENIT.org). - Dieser Sonntag ist aktuell geprägt durch den Besuch des Papstes in Deutschland, seine zeitlose Prägung erfährt er als 26. Sonntag im Jahreskreis durch das Evangelium, das aber zufällig in gewissem Sinne zum aktuellen Anlass passt.

Jesus spricht diesmal zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes – sagen wir zu den Priestern und den Parlamentariern. Er bringt ein ganz einfaches Beispiel, nicht ein Gleichnis. Der Mann, der zwei Söhne hat, die in seinem Betrieb mit ihm arbeiten, sagt dem einen, er solle eine bestimmte Arbeit übernehmen. Dieser sagt zu, aber tut es nicht. Dann bittet er den anderen. Der ist von ganz anderem Schlag. Eigentlich ist er faul, sagt aber ehrlicherweise, dass er keine Lust hat. Dann aber besinnt er sich auf die Autorität des Vaters und geht doch an die Arbeit.

Jesus lässt seine Gesprächspartner selbst die Frage beantworten, welcher von den beiden den Willen des Vaters erfüllt hat.

Was Jesus dann zu ihnen sagt, scheint auf den ersten Blick nicht mit den ungleichen Brüdern zu tun zu haben: „Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.”

Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Rede vor den „Ältesten des Volkes” nicht darüber gesprochen, dass es gilt, den Willen des Vaters zu erfüllen. Soviel war sicher nicht drin, und der Bundestag wäre auch bestimmt nicht der rechte Ort dazu gewesen. Aber er hat doch – in rücksichtsvoller Sprache wie immer, aber doch klar – angemahnt, dass der Rechtspositivismus, also die grundsätzlich gottlose Sicht der Dinge, nicht ausschließlich das öffentliche Leben bestimmen darf. Wenn es keine vorgegebenen Normen gibt, die den positiven, von Menschen gemachten Gesetzen ihre Grenzen aufzeigen, dann kann sich auf die Dauer ein Staatswesen in eine Räuberbande verwandeln, wie es schon Augustinus formuliert hat.

Der älteste Sohn, der sich scheinbar folgsam verhält, ist so ein Positivist, er sagt sich: ich halte mich nicht an vorgegebene Bedingungen. Er zeigt eine anständige Fassade, ist aber in Wirklichkeit ein haltloser Oportunist. Er und seinesgleichen verdienen den harten Tadel des Herrn. Der zweite Sohn dagegen nimmt es hin, dass er eine schlechte Figur macht, aber es ist ihm klar, dass man sich an bestimmte Normen halten muss.

„Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und nicht geglaubt”, so das Resümee des Herrn.

Dieses Wort gilt in unserem Zusammenhang natürlich nicht nur den Parlamentariern, sondern uns allen. Dass Positivismus nicht ausreicht, dass es also so etwas wie Naturrecht geben muss – auch wenn manche diesen Begriff am liebsten ganz streichen möchten – sollte uns alle veranlassen, uns verstärkt über die Arbeit der Parlamentarier Gedanken zu machen.

Ein sattsam bekanntes Beispiel für eine abzulehnende positive Gesetzgebung ist die Abtreibungregelung, wo von Staats wegen etwas gebilligt und sogar finanziert wird, was gegen eine objektive Norm, in diesem Fall das Recht auf Leben, verstößt.

Die Abgeordneten, die in diesen und ähnlichen Fragen in Kauf nehmen, eine schlechte Figur zu machen, wenn sie sich für das objektive Recht einsetzen, sollte man unbedingt unterstützen.

Irgendwo hat das schließlich auch mit dem Himmelreich zu tun.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.