Zu dem beten, der das Leben gegeben hat

Papstworte in der heutigen Messe in Santa Marta

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 425 klicks

Papst Franziskus unterstrich, dass wir an einen Gott glauben, der Vater sei, der uns nah sei und nicht anonym, er sei kein „kosmischer“ Gott. An der Messe, die er unter anderen gemeinsam mit Kardinal Zenon Grocholewski zelebrierte, nahmen Mitarbeiter der Vatikanischen Museen teil.

Ein Gebet sei keine Magie, sondern ein Anvertrauen in die Arme des Vaters. Das Thema der heutigen Messe war das Vaterunser, das Jesu seine Jüngern in der heutigen Lesung lehrt. Papst Franziskus verwies darauf, dass Jesu den Jüngern gleich einen Rat mit auf den Weg gebe, nämlich keine Worte zu verschwenden, keinen Lärm zu machen. Er unterstrich, dass das Gebet kein Wunder sei; man vollbringe keine Wunder mit einem Gebet. Wenn man zu einem Wunderheiler gehe, würde dieser viele Worte verwenden, um zu heilen. Aber das sei heidnisch. Jesu hingegen sage uns, wir müssten nicht mit vielen Worten vor Gott treten, da er schon alles wisse. Der Schlüssel für das Gebet sei das erste Wort: Vater. Ohne dieses Wort zu sagen, ohne dieses Wort zu hören, könne man nicht beten.

„An wen richte ich mein Gebet? An Gott den Allmächtigen? Zu weit weg. Den spüre ich nicht. Auch Jesus spürte ihn nicht. An wen richte ich mein Gebet? An einen kosmischen Gott? Schon fast an der Tagesordnung heutzutage, nicht wahr? Diese polytheistische Art und Weise, die mit der Kultur „light“ einhergeht… Du musst dein Gebet an den Vater richten! Das ist ein starkes Wort, ‚Vater‘. Du musst zu dem beten, der dir das Leben gegeben hat. Nicht an alle: an alle ist zu anonym. An dich. An mich. Und auch derjenige, der dich auf deinem Weg begleitet, der dein ganzes Leben kennt. Alles: das, was gut ist, und das, was weniger gut ist. Er kennt alles. Wenn wir das Gebet nicht mit diesem Wort beginnen, nicht mit den Lippen, sondern mit dem Herzen, können wir nicht „christlich“ beten.“

Das Wort „Vater“ öffne die Türen. „Vater, ich habe gesündigt“ sei der Schlüssel eines jeden Gebets, wiederholte der Pontifex, das einem das Gefühl gebe, geliebt zu werden.

„Wir haben einen Vater. In nächster Nähe, der uns umarmt… All diese Ängste, die Sorgen, die wir haben, überlassen wir sie dem Vater: Er weiß, was wir brauchen. Aber welcher Vater? Mein Vater? Nein: unserVater! Denn ich bin kein Einzelkind, niemand von uns, und wenn ich es nicht schaffe, ein Bruder zu sein, ist es schwierig ein Sohn dieses Vaters zu sein, denn er ist ein Vater von allen. Meiner ganz sicher, aber auch der der anderen, meiner Brüder. Und wenn ich nicht in Frieden mit meinen Brüdern lebe, kann ich ihn nicht ‚Vater‘ nennen.“

Und so, fügte Papst Franziskus hinzu, erkläre sich, warum Jesus, nachdem er seinen Jüngern das Vaterunser beigebracht habe, unterstreiche, dass, wenn wir nicht den anderen verzeihen, auch der Vater uns unsere Schuld nicht vergeben könne. Es sei sehr schwer, den anderen zu verzeihen, weil wir immer diesen Kummer in uns trügen.

„Nein, man kann nicht mit Feinden im Herzen beten, mit Brüdern und Feinden im Herzen: man kann nicht beten. Das ist schwer, sehr schwer. ‚Vater‘, ich kann nicht ‚Vater‘ sagen. Das stimmt, das kann ich verstehen. ‚Ich kann nicht unser sagen, weil der und der mir das angetan hat und der und der das und das ist…‘. Das kann man nicht. ‚Die müssten zur Hölle gehen, nicht? Sie gehören nicht zu den Meinen.‘ Es stimmt, es fällt uns nicht leicht. Aber Jesus hat uns den Heiligen Geist versprochen: Er ist es, der es uns lehrt, von Innen heraus, von Herzen, ‚Vater‘ zu sagen, ‚unser‘. Bitten wir heute den Heiligen Geist, dass er uns lehre, ‚Vater‘ und ‚unser‘ zu sagen, in dem wir Frieden mit unseren Feinden schließen.“