Zuflucht im Vatikan: Die Geschichte des Römers und Halbjuden Bruno Ascoli

Hilfe in Zeiten des Nationalsozialismus

| 1877 klicks

ROM, 19. November 2007 (ZENIT.org).- Der Vatikanist Andrea Tornielli berichtete letzte Woche über die ergreifende Geschichte des Römers und Halbjuden Bruno Ascoli, der die Zeit des Nationalsozialismus mit Hilfe des Vatikans überstehen konnte.



1938 hatte der faschistische „Duce“ und Gefolgsmann Adolf Hitlers, Benito Mussolini, die so genannten die „jüdische Rasse betreffenden Gesetze“ verabschiedet. Einen Monat später empfing Bruno Ascoli die Taufe, doch es war zu spät. Nach der Ankunft der Deutschen im Oktober 1943 wollten ihn die Nationalsozialisten und Faschisten in seiner Wohnung festnehmen. Er konnte fliehen, und wurde als Hilfskraft der Palatin-Garde rekrutiert. So konnte er sich einige Monate innerhalb der Vatikanmauern aufhalten. Sein Leben war in Sicherheit. Bruno Ascoli starb 1970.

„Ich bin nicht gläubig, ich gehe nicht zur Kirche. Wäre ich jedoch vor Pius XII, so würde ich auf die Knie fallen, denn: Wenn es mich und meine Kinder gibt, so verdanken wir dies ihm.“ Das sind die Worte des Sohnes Bruno Ascolis, Silvio, der 1945 geboren wurde. In einem Gespräch mit Tornielli erzählt er die Geschichte seines Vaters „jüdischer Rasse“, den der Vatikan vor der Deportation rettete, indem er ihn in seine Garde aufnahm.

Bereits im vergangenen Juni hatte Kardinal-Staatsekretär Tarcisio Bertone berichtet: „Im Oktober 1943 gab es neben der Schweizer Garde auch die Palatin-Garde. Um den Vatikan und die extraterritorialen Gebäude zu sichern, gab es bereits 575 Palatin-Gardisten. Nun, das Staatsekretariat bat die (deutsche) Besatzungsmacht, weitere 1:425 Gardisten rekrutieren zu dürfen. Das Judenghetto befand sich in unmittelbarer Nähe…“

Der Sohn Ascolis bestätigte diesen Einsatz des Vatikans. Er gab vor dem Vatikanisten der Zeitung „Il Giornale“ an, dass die Schwester seines Vaters zusammen mit ihrem Mann nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden waren. Sein Vater hingegen sei einer jüdisch-katholischen Mischehe entsprungen und nahm daher am Leben der römischen Juden nicht teil. Sofort nach Inkrafttreten der faschistischen Rassengesetze (28. Oktober 1938) suchte er um die Taufe an. Sein Pfarrer versuchte ihm zu helfen, indem er den Faschisten schrieb, dass Bruno Ascoli bereits seit August 1938 den Katechismus besuchte, aber er war erfolglos. Ascoli war „zu spät“ getauft worden.

Bruno Ascoli und seine Familie mussten vor dem römischen Gouvernatorat ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse erklären. Zwei Jahre später heiratete er eine Katholikin; die Ehe konnte zivilrechtlich nicht anerkannt werden.

Nach dem Einmarsch der Deutschen in Rom wurde Ascoli im Oktober 1943 zu einem Verfolgten. Die Deutschen machten zusammen mit den Faschisten Jagd auf ihn. Ascoli wurde von guten Menschen versteckt. Als es für ihn zu gefährlich wurde, wurde er dank der Hilfe eines Onkels, der in den Vatikanischen Museen als Portier arbeitete, in die Palatin-Garde aufgenommen. Als Mitglied der Garde des Papstes konnte er im Vatikan wohnen. Im Dezember 1943 erhielt er den wertvollen Passierschein, der ihn als Mitglied der Ehrengarde des Papstes auswies.

Der Sohn Ascolis erklärte gegenüber „Il Giornale“, dass es im Vatikan eine Art Rotation gab, um so viele Menschen wie möglich zu retten. „In den ersten Monaten des Jahres 1944 wies der Heilige Stuhl meinem Vater ein anderes Versteck nahe den Vatikanischen Mauern in einem Holzlager zu. Dies bezeugt, dass es ein organisiertes Hilfsnetz gab. Ich habe es auch meinen Kindern gesagt“, so Silvio Ascoli.

„Wenn der Vatikan meinem Vater nicht geholfen hätte, so wäre ich jetzt nicht hier. Ich glaube, dass Papst Pacelli eine gute Wahl getroffen hat: keine öffentlichen Anklagen, die nur Vergeltungsschläge zur Folge gehabt hätten – ich wage nicht, daran zu denken, was geschehen wäre, wenn die SS jenseits des Tibers (das heißt im Vatikan) einmarschiert wäre –, sondern konkrete Hilfe für die Verfolgten.“