Zukunftsweisende Option bayrischer Katholiken: „Für eine Kultur der Gesundheit“

Der Wert von Gesundheit: Wir leben nicht, um gesund zu sein, sondern wir wollen gesund sein, um zu leben

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MÜNCHEN, 11. März 2009 (ZENIT.org).- Die Gesundheitspolitik brauche einen Richtungswechsel, stellte eine Expertenrunde heute in München fest. Weg von einem Ansatz, der sich hauptsächlich mit Reparaturleistungen am Kranken begnüge, müsse die Erhaltung der Gesundheit eines jeden Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden. Eine präventiv orientierte Politik und entsprechende Maßnahmen vermöchten nach der Ansicht der Experten die steigenden Krankheitskosten einzudämmen, soziale Ungerechtigkeiten in Bezug auf Gesundheit zu beheben und Anreize für einen gesunden Lebensstil zu schaffen.

Mit der heutigen Vorstellung ihrer neuen Publikation Für eine Kultur der Gesundheit hat das Landeskomitee der Katholiken in Bayern innovative ethische Grundlagen für eine Gesundheitspolitik vorgelegt, die weit über den Ego-Wellness-Hype hinausweisen.

„Im Gesundheitszustand der Deutschen sind möglicherweise die größten schlafenden Ressourcen der Volkswirtschaft zu mobilisieren“, heißt es in der neuen Broschüre. „Deswegen muss die Gesundheitspolitik zukünftig mehr in die Gesunderhaltung der Gesunden investieren. Das benötigt ein verändertes Bewusstsein und zum Beispiel einen neuen Rechtsrahmen und wirft viele Fragen auf, die wir als Gesellschaft zu klären haben“.

Damit fordert das Landeskomitee unter der Führung seines Vorsitzenden Helmut Mangold, dass ein verantwortlicher Lebensstil, Gesundheitsbildung sowie die sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit im Mittelpunkt von Reformen des Gesundheitswesens stehen sollten. „Christliche Lebenskunst im Umgang mit Gesundheit und Krankheit“, so die Autoren, „schließt ebenso die verantwortliche Sorge für Gesunderhaltung und Heilung ein, wie Gelassenheit und Demut angesichts der unvermeidlichen Grenzsituationen von Krankheit und Tod“.

Vielen Politiker und Verantwortlichen für das Gesundheitswesen gehe es nur um eine Verteilung knapper finanzieller Mittel, bedauert Erik Händeler, Zukunftsforscher und Buchautor, nun schon seit Jahren in seinen Vorträgen und Publikationen. Ein gesunder Lebensstil sei die größte „schlafende Ressource“ für Einsparungen im Gesundheitssystem und für eine dauerhafte produktive Arbeitsfähigkeit der Menschen, betont er und seine Kollegen heute. Das Landeskomitee der bayrischen Katholiken dankte Händeler „ausdrücklich für die wichtige Initiative zu diesem Thema“.

„Das heutige Gesundheitssystem ist so gestrickt, dass die Leistungsanbieter ein starkes wirtschaftliches Interesse daran haben, dass es möglichst viele Kranke gibt (soweit sie kaufkräftig sind), mit denen man noch eine Behandlung abrechnen oder denen man noch ein Medikament verkaufen kann“, erklärt das Landeskommittee. „Notwendig ist eine ‚persönliche Gesundheitsreform’ jedes Einzelnen“. Und dabei gehe es nicht um zeitraubende Sportarten, „sondern um Dinge wie ein ‚bewegtes’ Alltagsleben, also die Treppe zu nehmen statt den Lift, oder das Fahrrad statt das Auto bei Erledigungen in der näheren Umgebung. Es geht um Zeit für und Lust an Bewegung, häufiger, entspannter und in der je angemessenen Form“.

Mit der zusätzlichen Beauftragung von Markus Vogt, Professor für Sozialethik an der Ludwigs-Maximilians-Universität München, für eine gemeinsame Endredaktion der Positionen des Sachausschusses „Arbeit-Wirtschaft-Umwelt“ des Landeskomitees der Katholiken konnte schließlich ein Thesenpapier für eine zukunftsweisende Gesundheitspolitik erarbeitet werden.

Die Lösung für eine staatlich geförderte Reform der präventiven Gesundheitspflege „kann auch keine Gesundheitsdiktatur sein“, bekräftigen die Experten. Deshalb gehe es um die Übernahme von „Eigenverantwortung“, und zwar durch „die Aktivierung und Einübung intrinsischer Motivation auf Seiten der Patienten, um Widerstände gegen gesundes Verhalten bewusst zu machen und zu bewältigen“.

Während der Einzelne stärker selbstverantwortlicher Agent für die eigene Gesundheit werden sollte, „müssen Erwartungen und soziale Normen, die bisweilen den individuellen Bedürfnissen für gesundes Handeln entgegenstehen, bewusst gemacht werden. Eine gerichtete Selbstwahrnehmung im Blick auf die Auslöser und Ursachen von gesundheitsbelastendem oder -förderndem Verhalten muss eingeübt werden“.

Mit diesen Impulsen wird die Vertretung von über einer Million Katholiken in Räten und Verbänden in Bayern nachhaltig neue Ansätze in die Diskussion um zukünftige Gesundheitsreformen einbringen.