Zum Schutz der Christen, für den Frieden im Heiligen Land

Die Kaiserliche Orthodoxe Gesellschaft von Palästina, zur Zarenzeit als älteste russische Zivilorganisation gegründet, engagiert sich an vorderster Front für die Christen im Nahen Osten. Vor kurzem fand ein Treffen mit dem Papst statt

Rom, (ZENIT.org) Dario Citati | 339 klicks

Bei der Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft (IPPO) handelt es sich um die älteste Zivilorganisation der russischen Geschichte. Im Jahre1882, zehn Jahre nachdem er eine ergreifende Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen hatte, gründete Staatssekretär Vasilij Chitrovo diesen Verein von christlich-orthodoxen Laien mit dem Ziel der Aufrechterhaltung der kulturellen und religiösen Verbindungen des Reichs mit den Orthodoxen im Heiligen Land. Die Kaiserliche Orthodoxe Palästina-Gesellschaft wurde von Zar Alexander III. per Dekret anerkannt, wobei die Mitglieder und die Finanzierung damals vor allem von der russischen Aristokratie bereitgestellt wurden. Der erste Präsident war Großfürst Sergej Aleksandrovič Romanov, der bis zu seiner Ermordung durch ein Terrorattentat im Jahre 1905 das Amt des Generalgouverneurs von Moskau innehatte. Nach seinem Tod  legte die Witwe Elizaveta Fëdorovna (vor ihrer Heirat die deutsche Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt) das Ordensgelübde ab und trat in das Kloster der Heiligen Marta und Maria in Moskau ein, an dessen Gründung sie sich selbst beteiligt hatte. Gemeinsam mit weiteren Vertretern des russischen Adels investierte Elizaveta Fëdorovna hohe Geldsummen in die Erhaltung der karitativen- und Fürsorgedienste Russlands im Heiligen Land. Diese philanthropische Mission war von Beginn an durch den Bau von Kirchen, Herbergen, Gästehäusern für die Pilger, Schulen und Krankenhäusern gekennzeichnet.

Vom Zeitpunkt der Gründung im Jahre 1882 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete die Kaiserliche Orthodoxe Palästina-Gesellschaft allein in Syrien mehr als 80 Bildungseinrichtungen für arabische Christen, denen kostenloser Unterricht zur Verfügung gestellt wurde. Darüber hinaus überstand die IPPO die mit der Oktoberrevolution begonnene und sich in den Jahrzehnten des sowjetischen Atheismus fortsetzende Entchristlichung. Die Aktivität der Organisation hat sich trotz Problemen und sehr schwierigen Phasen von ihrer Entstehung bis in die Gegenwart ununterbrochen fortgesetzt. Rechtlich genießt die IPPO derzeit den Status einer international anerkannten NGO mit einer Vertretung bei den Vereinten Nationen. Die unter Leitung es früheren Ministers in verschiedenen Regierungen der russischen Föderation Sergej Stepašin stehende Gesellschaft besteht aus einem aus Ehrenmitgliedern zusammengesetzten Komitee. Dieses wird per Statut vom Patriarchen Moskaus und ganz Russlands geleitet und umfasst zahlreiche ranghohe Vertreter des kulturellen und institutionellen Lebens.

Parallel zur Wiederentdeckung der religiösen Werte der russischen Föderation erfuhr die Aktivität der Organisation in den vergangenen Jahren eine bedeutende Verstärkung. Damit gingen eine noch tiefere Verwurzelung der Präsenz im Heiligen Land und eine Ausweitung des Hilfs- und philanthropischen Einsatzes einher. Im Dezember 2009 erstattete der israelische Staat der Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft den im Zentrum Jerusalems gelegenen und von der Gesellschaft selbst im Jahr 1890 errichteten Palast der „Mission des heiligen Sergej“ zurück. 2010 erfolgte der letzte Bau eines Museums-Parks in der Stadt Jericho. Zwei Jahre später wurde in Betlehem am dortigen Standort der Gesellschaft ein russisches Zentrum für Wissenschaft und Kultur eingeweiht.

Die Arbeit der IPPO ist in bedeutendem Maße gekennzeichnet durch die guten Beziehungen zur katholischen Gemeinschaft, insbesondere zum Lateinischen Patriarchen von Jerusalem sowie dem Maronitischen Patriarchen von Antiochia im Libanon. Ferner weilte eine offizielle Delegation vom 24. bis zum 27. Februar 2014 anlässlich einer Audienz mit Papst Franziskus in Rom: Das Gespräch erwies sich als historisches Ereignis. Zum ersten Mal in der Geschichte kam es zu einer Begegnung zwischen dem Papst und der Kaiserlichen Gesellschaft. Präsident Sergej Stepašin zeigte sich mit den Positionen des Papstes zu Syrien zur Gänze einverstanden und bekundete sowohl bezüglich der Unterstützungsmaßnahmen für die verfolgten Christen als auch für die Verteidigung der traditionellen moralischen Werte vor der Europa erfassenden Säkularisierungswelle seine volle Kooperationsbereitschaft (1).

Daher wird der für den 25. Mai geplante Besuch des Papstes im Heiligen Land bei der lokalen Vertretung der IPPO sicherlich großen Anklang finden. In den vergangenen Wochen verbreiteten sich neue Nachrichten über Christen, die aufgrund ihrer Weigerung, sich von ihrem Glauben abzuwenden, von islamischen Terroristen ermordet und gekreuzigt wurden. Die Bilder bewegten den römischen Papst: Genau vor einem Jahr erfolgte die kanonische Anerkennung der Märtyrer von Otranto, die sich im Jahre 1480 ebenso geweigert hatten, vor den Muslimen von ihrem Glauben abzufallen. Das Blutsopfer für das Glaubenszeugnis ist seit jeher ein kennzeichnendes Merkmal des christlichen Martyriums: daraus entstammt die Kraft für das Erreichen dieses authentischen Friedens. Dieser ist kein rhetorischer Aufruf zur passiven Irenik, sondern verwirklicht sich am Ende der Verfolgung und im Sieg über die Unterdrücker, gleich der in Trümmern liegenden Stadt Otranto, die 1481 von den christlichen Heeren zurückerobert wurde. In seiner morgendlichen Predigt vom 6. Mai 2014 hat Papst Franziskus einmal mehr daran erinnert, dass das Martyrium die höchste Stufe der christlichen Glaubensbezeugung darstellt: „Sanguinis martyrum, semen christianorum“, denn das wahre Zeugnis muss dazu fähig sein, „zur Hingabe des eigenen Lebens zu führen“ (2).

Dario Citati ist der Leiter des Forschungsprogramms „Eurasia“ des „Istituto di Alti Studi di Geopolitica e Scienze Ausiliarie (IsAG)“ (Instituts für höhere geopolitische Studien und Hilfswissenschaften) [www.istituto-geopolitica.eu] und Redakteur der Zeitschrift „Geopolitica“ [www.geopolitica-rivista.org].

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FUSSNOTEN

1) Für die Aktivitäten der Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft klicken Sie auf den folgenden Link: www.ippo.ru/

2) Radio Vatikan