Zur Lage der bedrängten Christen im Irak

Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz

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WIEN, 8. November 2008 (ZENIT.org).- Bei ihrer diesjährigen Herbst-Vollversammlung, die am Donnerstag (6. November) zu Ende ging, nahmen die österreichischen Bischöfe unter anderem die Lage der bedrängten Christen im Irak in den Blick. In einer gemeinsamen Erklärung appellieren sie an die internationale Gemeinschaft, dafür zu sorgen, „dass die Christen wie alle anderen Bürger in Mossul und im ganzen Irak wieder sicher leben können“. 

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Die Situation der Christen im Irak erfüllt die österreichischen Bischöfe mit großer Sorge. Das Christentum ist seit 2.000 Jahren im Zweistromland präsent. Große Theologen, Kirchenväter, Glaubenszeugen sind aus dieser christlichen Gemeinschaft hervorgegangen; zahllose Märtyrer haben im Lauf der Geschichte an Euphrat und Tigris ihre Treue zu Christus mit ihrem Blut bezahlt. Das Martyrium dauert bis heute an, wie die dramatischen Ereignisse in Mossul in den letzten Wochen gezeigt haben. Angesichts der bedrängenden Nachrichten aus dem Irak ist es nicht möglich, zur Tagesordnung überzugehen; das Leid der Christen, aber auch der Angehörigen anderer religiösen Minderheiten und der muslimischen Mehrheitsbevölkerung darf niemanden kalt lassen.

Es ist unerträglich, dass in einem wichtigen Land 60 Jahre nach der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die beiden grundlegenden Menschenrechte - das Recht auf Leben und das Recht auf Religionsfreiheit - mit Füßen getreten werden. Die internationale Gemeinschaft muss dafür sorgen, dass die Christen wie alle anderen Bürger in Mossul und im ganzen Irak wieder sicher leben können.

Was kann getan werden? Im Auftrag der Österreichischen Bischofskonferenz hat der Wiener Weihbischof Franz Scharl mit einer kleinen Delegation vor kurzem eine Solidaritätsreise in den nördlichen Irak, insbesondere in die autonome kurdische Region, unternommen. Die Christen und ihre Bischöfe im Nordirak sind dankbar für jedes Zeichen der Solidarität.

Diese Solidarität muss sich in dreifacher Richtung entfalten: Im Gebet, aber auch durch moralische und materielle Unterstützung. Ein Aspekt der moralischen Unterstützung ist auch das Interesse für die große Geschichte dieses Teils der Christenheit; im Bewusstsein der westlichen Christenheit ist leider weitgehend ausgeblendet, dass christliche Theologie, Liturgie, Frömmigkeit, Kunst aus dem nahöstlichen Raum kommen. Die Christen des Westens verdanken ihren zu Unrecht vergessenen Glaubensgeschwistern im Orient ungeheuer viel. Mit dem Einsatz für die verfolgten Christen von heute und für die orientalischen Christen bei uns kann ein Teil dieser Dankesschuld abgetragen werden.

[Von der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]