Zusammenhang von niedriger Geburtenrate und geringem Wirtschaftswachstum

Die Bedeutung von Ehe und Familie

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Von P. John Flynn, LC

ROM, 18. Oktober 2011 (Zenit.org). - Der Rückgang der Kinderzahl und der verheirateten Paare haben einen signifikanten Einfluss auf das wirtschaftliche Wachstum und die Nachhaltigkeit der politischen und sozialen Sicherheit.

Dies ist die Warnung in einem kürzlich erschienenen Bericht mit dem Titel: „ The Sustainable Demographic Dividend: What Do Marrige & Fertility Have to Do With the Economy?“ („Die Nachhaltigkeit der demographischen Dividende: Was haben Ehe und Fruchtbarkeit mit der Wirtschaft zu tun?“) Das Dokument wurde vom „Social Trends Institut“ („Institut Sozialer Trends“), veröffentlicht und finanziert, das von einer Reihe von Familienorganisationen und Universitäten unterstützt wird.

Das „Social Trends Institut“ ist eine gemeinnützige Forschungsorganisation mit Sitz in New York und Barcelona, Spanien. Vier Themenkomplexe werden untersucht: Familie, Bioethik, Kultur und Lebensstil sowie gesellschaftliche Verwaltung. Der Wohlstand der Volkswirtschaften werde sich entsprechend der Situation der Familien erhöhen oder verringern, so der Bericht. Es gebe in der Tat zwei große Trends, die zur Sorge Anlass böten. Der erste: die Zahl älterer und abhängiger Menschen steigt, während gleichzeitig der Anteil der produktiven Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in vielen entwickelten Ländern stagniert oder sogar rückläufig ist.

Der zweite Trend: Die Zahl der Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen die Eltern verheiratet und die sozusagen gesund sind, reduziert sich stark.

Der Begriff des Artikels „Demografische Dividende“, wurde von einigen Ökonomen verwendet, die mit ihm die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in asiatischen Ländern erklärten, in denen kaum ein demografisches Wachstum vorhanden war. Die „demografische Bremse“ hätte Ressourcen freigesetzt, die zur Stimulation des Wirtschaftswachstums genutzt worden seien.

Diese Dividende sei aber in der Tat vielmehr ein Darlehen, das zurückgezahlt werden müsse. Laut Bericht beruhe die wirtschaftliche Stagnation, die Japan in den letzten Jahren erfahren habe, zum Teil auf der niedrigen Geburtenrate, die seit den siebziger Jahren registriert werde.

Die japanische Erfahrung sei eine Warnung an China, so die Autoren, wo in den neunziger Jahren die Geburtenrate unter die notwendige Reproduktionsrate gefallen sei.

In China wird sich in den kommenden Jahrzehnten höchstwahrscheinlich ein Rückgang des Wirtschaftswachstums aufgrund der Reduzierung der Arbeitskräfte bewahrheiten.

Ersatzrate

In mehr als 75 Ländern sei die Fertilitätsrate derzeit unter das Niveau der Substitution – 2,1 Kinder pro Frau – gesunken, das zur Aufrechterhaltung eines stabilen Bevölkerungsniveaus notwendig sei.

Eine Frau in einem entwickelten Land bekomme jetzt in ihrem Leben nur noch durchschnittlich 1,66 Kinder, heißt es weiter in dem Bericht. Schon heute gebe es in der entwickelten Welt 60,6 Millionen weniger Kinder im Alter von null bis vierzehn Jahren als im Jahr 1965.

Die niedrige Geburtenrate sei auch in vielen weniger entwickelten Ländern eine Realität, unterstreicht der Bericht. Die Zahl der Geburten pro Frau sei in einer einzigen Generation in Ländern wie dem Iran, Libanon, Chile, Kuba, Thailand, China, Taiwan und Südkorea von sechs oder mehr auf zwei gesunken.

Insgesamt steige die Weltbevölkerung weiter an und die Prognosen der Vereinten Nationen sprächen davon, dass sie die Zehn-Milliarden Grenze - derzeit sieben Milliarden – erreichen könnte.

Aber es werde eine ganz andere Art des Bevölkerungswachstums sein als in der Vergangenheit, erklärt der Bericht. Bis vor kurzem sei die Population aufgrund des Zuwachses junger Menschen angewachsen.

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte erfolge dagegen ein 53prozentiger Anstieg des demographischen Wachstums durch die 60 jährigen und Älteren, so die Berechnungen der UNO, nur 7 Prozent erfolgten durch junge Menschen unter 30 Jahren.

Zwischen 1990 und 2010 sei die Zahl der zwischen 15- und  64-Jährigen um 1,3 Milliarden angestiegen. Durch den Rückgang der Geburtenzahlen werde sich diese Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nach den Prognosen zwischen 2010 und 2030 nur um circa 900 Millionen erhöhen. In vielen europäischen Ländern und in Ost-Asien werde sich die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Wirklichkeit reduzieren.

In Westeuropa zum Beispiel werde es in den nächsten zwei Jahrzehnten einen Rückgang von vier Prozent in der Altersgruppe der 15- bis  64-Jährigen geben und dies unter der Berücksichtigung des erwarteten Anstiegs der zugewanderten Bevölkerung um 20 Millionen. Auf jeden Fall werde die Bevölkerungsrate der über 65-Jährigen um voraussichtlich 40 Prozent ansteigen.

Wegen der Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Wohlfahrtsstaates seien schon heute viele Regierungen in Westeuropa gezwungen, ihre Programme der sozialen Sicherheit zu beschneiden und das Mindestalter für den Ruhestand zu erhöhen.

Inzwischen hätten seit 2010 in den Vereinigten Staaten die Ausgaben des nationalen Gesundheitssystems die Einnahmen durch Arbeitnehmer überschritten.

Qualität

Die Volkswirtschaften stünden nicht nur unter dem Druck der Verringerung der Arbeitnehmerzahlen, sondern auch unter dem geringerer Arbeitsqualität. Die Zahl der Ehen sei in der ganzen Welt rückläufig, eine hohe Scheidungsrate, „lose“ zusammenlebende Paare und Alleinerziehende bewirkten, dass es einer großen Zahl von Kindern nicht möglich sei, in einer intakten Familie aufzuwachsen.

Dies sei insbesondere in vielen europäischen Ländern und in Amerika der Fall. In diesen Ländern würden mehr als 40 Prozent der Kinder von unverheirateten Eltern geboren.

Viele dieser Geburten erfolgten in Beziehungen von zusammenlebenden Paaren, die oftmals instabiler seien als die ehelichen. Der Bericht nennt als Beispiel Schweden, wo 55 Prozent der Kinder außerhalb einer Ehe geboren werden. Trotz der breiten gesellschaftlichen Akzeptanz des Zusammenlebens und der rechtlichen und wirtschaftlichen Unterstützung, die diese Paare erhielten, seien solche „Familien“ viel instabiler als die verheirateter Paare.

Mit einer 75 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit erlebten Kinder von unverheiratet zusammenlebenden Eltern vor ihrem 15. Lebensjahr eine Trennung im Vergleich zu denen von verheirateten Eltern, so eine aktuelle Studie.

Kinder aus Familien mit nur einem Elternteil entwickelten mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit psychische Probleme wie Drogenabhängigkeit, Alkohol, Suizidgefahr oder Suizid als die aus Familien mit beiden Elternteilen.

Darüber hinaus zeigten Untersuchungen, dass Kinder, die in instabilen Familien aufwachsen, vermutlich in ihrem Studium und Beruf eher eingeschränkt seien.

Gezeigt habe sich ebenso, dass verheiratete Männer, die verheiratet blieben, mehr arbeiten und mehr verdienen. Dies zeige sich in verschiedenen Kulturen und Nationen wie Israel, Italien, Mexiko und in den Vereinigten Staaten.

Laut Bericht „sind die Länder, die sich einer Kultur der Ehe erfreuen, relativ stärker – wie China, Indien und Malaysia – und können wahrscheinlich von den Dividenden auf lange Sicht profitieren.“ Leider seien nicht viele Länder in dieser glücklichen Lage.

Vorschläge

Der Bericht sei aber nicht absolut pessimistisch, er gebe auch eine Reihe von Empfehlungen zur Unterstützung der Familien:

-Eine verbesserte Unterstützung für bäuerliche Betriebe, die den Familien eine größere wirtschaftliche Sicherheit geben.

-Hilfe für junge Menschen, eine sichere und dauerhafte Beschäftigung zu erhalten, zur Vermeidung von Gelegenheitsarbeit oder Arbeit ohne Vertrag. Ein sicherer Arbeitsplatz ermögliche eine Familiengründung mit Kindern.

-Die Bereitstellung von Unterkünften zu einem vernünftigen Preis. Die hohen Preise der Immobilien seien in der Tat mit der niedrigen Geburtenrate in der ganzen Welt verknüpft.

-Flexible Arbeitszeiten für Frauen, die Familie mit Beruf vereinen wollen, ohne gezwungen zu sein, ihren Beruf entweder aufzugeben oder in Vollzeitarbeit tätig zu sein.

-Die Regierungen sollten die Ehe unterstützen und die Menschen über die Vorteile der Ehe und die Nachteile der Alleinerziehung von Kindern unterrichten.

-Die Förderung des Sparens bei jungen Menschen und größere finanzielle Unterstützung für Paare mit Kindern.

-Die Bemühung um „Reinigung“ der zeitgenössischen Kultur, die gegen die Familie sei und Promiskuität und moralische Korruption fördere.

-Die Regierungen sollten den positiven Beitrag der Religion respektieren, die diese den Familien geben könne.

Papst Benedikt XVI. sprach vor kurzem von der Bedeutung der Ehe. Während seines Besuchs in Ancona ermutigte er eine Gruppe von Verlobten, die Herausforderungen anzunehmen, die die Kultur an die eheliche Treue stellt.

„Die Stabilität eurer Verbindung im Sakrament der Ehe ermöglicht es euren Kindern, die Gott euch schenken möchte, voll Vertrauen an die Güte des Lebens aufzuwachsen“, bekräftigte der Papst.

„Treue, Unauflöslichkeit und die Weitergabe des Lebens sind die Säulen jeder Familie, für das Gemeinwohl und ein wertvolles Gut für die gesamte Gesellschaft“, fügte er hinzu.

Diese wertvollen Hinweise gelten nicht nur in religiöser Hinsicht, sondern auch in wirtschaftlicher.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Englischen]