Zwangsbekehrungen in Indien

Bischöfe verurteilen „völlig unmenschliche Handlungen“

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ROM, 4. September 2008 (ZENIT.org).- Die Christen von Orissa (Indien) erleben eine neue Situation des Zwangs und der Gewalt. Nach den Ausschreitungen der letzten Tage gegen die christlichen Gemeinden des Bundesstaates zwingen jetzt radikalisierte Hindus die Christen, sich zum Hinduismus zu bekehren, damit sie dann ihre ehemaligen Kirchen angreifen. Diesen Zustand neuer Gewalt beklagte die „Catholic Bishops’ Conference of India“. Der Sprecher der Konferenz, P. Joseph Babu Karakombil, bezeichnete diese Akte gegen die Menschenwürde als „völlig unmenschliche Handlungen“, die eine offensichtliche Verletzung der Grundrechte darstellten.



Auch wenn die Sicherheitskräfte der speziellen Einsatztruppen nun im Distrikt Kandhamal gegenwärtig sind, fahren außer Kontrolle geratene Gruppen fort, die Kirchen anzugreifen und die katholischen Institute zu plündern. Die indischen Bischöfe verbergen diesbezüglich ihre Sorge nicht: „Wir sind äußerst verängstigt, wenn wir feststellen, dass trotz der Versicherungen des Premierministers von Orissa, Shri Naveen Patnaik, gegenüber dem Premierminister der Föderation, Manmohan Singh, dass die Gewalt in Kandhamal niedergeschlagen wird, wir keine Verbesserung feststellen können.“ Laut den Bischöfen fahren die Extremisten damit fort, die Christen und ihre Einrichtungen anzugreifen. „Wir appellieren an den Premierminister von Orissa, damit er gegen diejenigen vorgeht, die das Gesetz zu ihren Zwecken missbrauchen, und die Christen, ihre Häuser und Einrichtungen schützt, die ununterbrochen von fundamentalistischen Gruppen angegriffen werden.“

Darüber hinaus forderten die Bischöfe die lokale Regierung dazu auf, dem Problem der Zwangsbekehrungen ihre Aufmerksam zuteil werden zu lassen. Dabei handle es sich eine offensichtliche Verletzung des von der Verfassung geschützten Rechts der Christen, in ihrem Land ohne Angst zu leben.

Der Sprecher der Indischen Bischofskonferenz erklärte gestern, dass die Angriffe gegen die christlichen Gemeinden das Ergebnis einer Strategie seien, die darauf abziele, ein Terrorregime zu errichten. Die Extremisten haben laut P. Babu versucht, alle Gläubigen, christlichen Orte und Symbole zu treffen und die Spuren des Christentums in der Gegend auszulöschen.

Insgesamt wurden seit Ausbruch der Gewalttätigkeiten 50 Kirchen angegriffen; zehn Geschäftsanlagen, vier Konvente, fünf Wohnheime und sechs Ordensinstitute wurden zerstört. Zahlreiche Priester erlitten Verletzungen, und von den 26 ermordeten Opfern kann noch nicht gesagt werden, welcher christlichen Gemeinde oder Konfession sie angehörten.


Für den Sprecher der Bischofskonferenz ist es klar, dass es sich nicht um ein isoliertes Vorkommnis handelte, sondern um eine gut organisierte und geplante Operation. P. Babu bat im Namen der indischen Bischöfe um eine internationale Mobilisierung zugunsten der Christen.