Zwangssterilisation in den USA

Opfer des Staates North Carolina sollen Entschädigung bekommen

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Von Edith Breburda

ROM, 12. Januar 2012 (ZENIT.org). - Mehr als 30 U.S.-Staaten hatten von 1929 bis 1974 ein Gesetz, das die chirurgische Sterilisation von Frauen erlaubte. Auf Anordnung eines Arztes oder Juristen wurde mehr als 60.000 Frauen die Fähigkeit genommen, eigene Kinder zu bekommen.  „Man trampelte auf grundlegenden Menschenrechten herum", erklärte  Dr. Laura Gerald, Kinderärztin und Vorsitzende des Greminums der North Carolina Regierung für  Entschädigung für Opfer von Zwangssterilisationen. Mehr als 7.600 Frauen wurden in ihrem Staat zwangssterilisiert. Nicht nur geistig zurückgebliebene, sondern auch viele arme und „afro-amerikanische" Frauen wurden für ungeeignet erklärt, Kinder zu bekommen. Man wollte damit die Gesundheit und Intelligenz der Bevölkerung verbessern. Da Zwangsterilisation mit Nazi-Deutschland in Verbindung gebracht wurde, gab man dieses Gesetz in den USA weitgehend nach dem 2. Weltkrieg auf. Im Bundesstaat North Carolina verhielt es sich anders. Unfruchtbarkeitsoperationen gegen den Willen der Betroffenen erreichten dort in den 50erJahren ihren Höhepunkt.

2011 hat der Demokratische Gouverneur Beverly Perdue von North Carolina eine Arbeitsgruppe aus fünf Personen, bestehend aus einem Anwalt, einem Arzt, einem  ehemaligen Journalisten, einem Richter und einem Historiker, zusammengerufen, die den Geldbetrag für eine angemessene Entschädigung der Opfer festzustellen sollte. Am Dienstag, dem 10. Januar 2012, wurde bekanntgegeben, die Betroffenen mit  jeweils 50.000 Dollars zu entschädigen. 1.500 bis 2.000 Opfer sollen noch leben.  Einige haben noch lebende Verwandte. Unter ihnen ist Elaine Riddick. Die 57 Jährige wurde mit 14 Jahren zwangssterilisiert, nachdem sie einen Sohn,  der aus einer Vergewaltigung stammte, geboren hatte.

„Normalerweise zahlst du für ein Verbrechen, das du begangen hast, aber dieses Mal war ich zweimal Opfer," so Elaine. „Der Staat von North Carolina beging ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit." Elaine wischt sich Tränen aus dem Gesicht. „Alles, was ich tun kann, ist, zu akzeptieren und mein Leben weiterzuleben."

„Viele Staaten haben nicht mehr getan als sich bei den Opfern zu entschuldigen, während North Carolina nun eine klare Botschaft aussendet, die Fehler eingesteht und eine Bürokratie, die auf Menschenrechten herumtrampelte, nicht toleriert," erläuterte Dr. Laura Gerald gegenüber der Presse (M. Waggoner, The Arizona Republic, 11. Januar 2012).

In den 50iger Jahren war Margaret Sanger, die als Mutter der Pille gilt und „Planned Parenthood“ begründete, in den USA sehr einflussreich. Sie forderte eine Begrenzung der Kinderzahl der „unteren Klassen". Armut und Verbrechen waren ihrer Meinung nach durch Geburten genetisch minderwertiger Kinder bedingt. Die Welt müsse, um überleben zu können, ihr genetisches Potential verbessern. Die Pille als ein Instrument der chemischen Sterilisation sollte dazu verhelfen, dass nur erfolgreiche Menschen Kinder zeugten. (siehe auch: E. Breburda, Promises of New Biotechnologies, 294 Seiten, Paperback, ISBN-13 978-0615548289, 2011, Scivias, USA).