Zwei Hoffnungen: Kardinal Zen über den Brief des Papstes an die Katholiken in China

Erklärung des Bischofs von Hongkong

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HONGKONG, 5. Juli 2007 (ZENIT.org).- Der Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Zi-kiun, kommentierte in einem offenen Schreiben den Brief von Papst Benedikt XVI. an die Katholiken in China, der am 30.Juni veröffentlicht wurde.



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Der lang erwartete Brief des Heiligen Vaters hat nun das Licht der Welt erblickt. Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. hat einen Brief an die Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubigen in China geschrieben, genauso wie er es im vergangenen Januar versprochen hatte.

In der Tat ist es eine historische „Premiere“, dass der Papst einer katholischen Gemeinde in einer bestimmten Region einen Brief geschrieben hat. Der Grund ist – das liegt auf der Hand –, dass diese Gemeinde in den letzten Jahrzehnten so großes Leid erfahren hat, so dass der Heilige Vater gerade diesen seinen Kindern seiner besonderen Fürsorger versichern und ihnen in diesem offenbar entscheidenden historischen Augenblick einige Richtlinien geben wollte, damit sie sich aus ihrer unglücklichen misslichen Lage befreien können (…).

Nach einem flüchtigen Überblick über den ziemlich langen Brief, möchte ich mit den Medien meinen Eindruck und meine beiden Hoffnungen teilen.

Der Eindruck: Ich bewundere die wunderbare Ausgeglichenheit, die der Heilige Vater zwischen seiner Leidenschaft für die Wahrheit und seiner Liebe zu seinen Kindern erreicht hat. Nur ein hervorragender Theologe und liebevoller Vater kann gleichzeitig den Forderungen der Wahrheit und der Liebe zu den Menschen gerecht werden. Gott sei dafür gepriesen, dass er uns einen solchen Hirten gegeben hat!

Was die Hoffnung angeht: Bei der Lehre, die von Benedikt XVI. sehr sorgfältig dargelegt wird, handelt es sich um nichts anderes als um die ganz traditionellen und allgemein akzeptierten katholischen Prinzipien, die in den Bereich des Religiösen gehören, ohne geheimes politisches Programm und noch weniger mit der Absicht, irgendjemanden anzugreifen. Meine Hoffnung ist, dass die Regierenden unseres Landes den Brief des Papstes von dieser Perspektive her lesen und die wahre, unveränderbare Natur der katholischen Kirche verstehen.

Eine zweite Hoffnung: Oft wird verhindert, dass die Stimme unserer Bischöfe und Priester in China unsere Regierenden erreicht. Jetzt können sich unsere Bischöfe und Priester, da sich der Brief des Papstes in den Händen der Regierenden befindet, direkt auf ihn als gemeinsame Ausgangsbasis für den Dialog beziehen.

Der Papst beharrt darauf, dass die Bischöfe die Regierenden der Kirche sind und dass sie nicht vom Römischen Pontifex zu trennen sind. Meine Hoffnung ist, dass unsere Bischöfe und Priester vereint zum Heiligen Vater stehen.

Möge unsere Kirche in China wirklich die katholische Kirche sein, die vom Rest der Welt anerkannt und geachtet wird, und möge sie unserem Land auf der Bühne der Weltkirche Ehre und Ruhm einbringen.

Joseph Kardinal Zen Ze-kiun

[Zenit-Übersetzung des englischen Originals]