Zwei libanesische Jugendliche schreiben Text für Via Crucis im Kolosseum

Aufforderung an die ganze Kirche, für den Nahen Osten zu beten

Rom, (ZENIT.org) | 885 klicks

Zwei Jugendliche aus dem Libanon haben die Meditationen für die Kreuzwegandacht geschrieben, die der Papst am Karfreitag im Kolosseum leiten wird.

Im Januar beauftragte Papst Benedikt XVI. durch das vatikanische Staatssekretariat den maronitischen Patriarchen von Antiochia, Kardinal Béchara Boutros Raï, mit der Verfassung der Meditationen. Unter der Aufsicht des Patriarchen wurden zwei Jugendliche ausgesucht, um die Texte zu schreiben.

Diese Wahl Papst Benedikts wurde in Erinnerung an seine Libanonreise (14.-16. September 2012) getroffen und ist als Aufforderung an die ganze Kirche gemeint, für den Nahen Osten zu beten.

„Im flavischen Amphitheater wird die Christenheit von der Ungerechtigkeit, von den Trennungen zwischen Christen, vom Fundamentalismus und der Gewalt hören, die die Völker der südlichen Länder quälen; aber auch vom Leiden der gesamten Menschheit“, meldete Radio Vatikan.

Die Texte, die der Vatikan demnächst in ihrer vollständigen Fassung veröffentlichen wird, sind ein Aufruf an alle, die wie Pilatus „ihre Autorität in den Dienst der Ungerechtigkeit stellen und die Würde des Menschen und sein Recht auf Leben mit den Füßen treten“; an jene Menschen, die glauben, dass sie „an Gottes Stelle treten und selbst entscheiden können, was Gut und Böse ist“ und dies „im Namen des Verstandes, der Macht und des Geldes“ tun.

Auch der „blinde Säkularismus“ wird erwähnt, „der die Werte des Glaubens und der Moral erstickt und dabei vorgibt, dies für die Freiheit des Menschen zu tun“, genauso wie der „gewalttätige Fundamentalismus, für den die Verteidigung religiöser Werte nur ein Vorwand ist.“

Es folgt eine Aufforderung an alle, auf Christus zu schauen, der sich selbst mit den Schwachen identifizierte, ohne dabei die gedemütigten, leidenden Menschen zu vergessen, „besonders die Völker des gemarterten Nahen Ostens, die in Christus die Kraft finden können, ihr eigenes Kreuz in Hoffnung zu tragen.“

Die Meditation zur 12. Station, in der des Todes Christi am Kreuz gedacht wird, preist das Leben in Christus und fordert die Kirche dazu auf, für die Befürworter von Abtreibung und Euthanasie zu beten, „damit sie sich dazu bekehren mögen, an der Errichtung der Kultur des Lebens und der Liebe mitzuwirken.“

Ein besonderer Aufruf gilt der Achtung der Religionsfreiheit, damit „die verschiedenen Religionen sich begegnen mögen, um dem Wohl aller Menschen zu dienen und zur persönlichen Entfaltung jedes Einzelnen im Aufbau der Gesellschaft beizutragen.“

Und in den Frauen Jerusalems werden wir die Frauen von heute erkennen, die in ihrer Würde verletzt sind und unter Gewalt und Diskriminierung zu leiden haben.

Die drei Stürze Jesu unter der Last des Kreuzes erinnern an die Teilungen innerhalb der Kirche. Und die Kreuzabnahme Jesu wird zum Symbol für die große Hoffnung vor allem derer, die nach dem Sinn des Lebens suchen und denen sich im Glauben, dass Christus den Tod und die Sünde besiegt hat, eine neue Perspektive auftut.