Zweihundert Millionen Christen in Gefahr

Neues Buch über Christenverfolgung

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Von P. John Flynn LC

ROM, 29. November 2012 (ZENIT.org). – Mehr als Mitglieder aller anderen Religionen werden Christen verfolgt: es gibt rund zweihundert Millionen Verfolgte auf der Welt. Dies erklärt Rubert Shortt in seinem neuen Buch.

Shortt, Verantwortlicher für Religion der „Times Literary Supplement“ und Autor zahlreicher Bücher über religiöse Themen, veröffentlichte vor kurzem auf Englisch sein neues Buch „Cristianophobia“.

Lange vor den Angriffen des 11. September hätte viele Christen unter Intoleranz zu leiden gehabt, erklärt er in seinem Vorwort, im letzten Jahrzehnt habe sich die Situation dramatisch verschärft.

„Das Thema Christenverfolgung muss für die Außenpolitik der Regierungen auf der Welt im Zentrum stehen“, fordert der Autor.

Shortt hebt die verschiedenen Arten der Schwierigkeiten hervor, unter denen die Christen gerade in muslimischen Ländern zu leiden haben. Diejenigen, die zum Christentum konvertierten, riskierten harte Strafen, und es bestehe immer die Gefahr, dass christliche Kirchen aus den biblischen Ländern im Mittleren Osten ausradiert würden.

Shortt zitiert eine Umfrage von „Freedom House“ des Jahres 2008, aus der hervorginge, dass muslimische Länder mit Religionsfreiheit wie der Senegal eine Ausnahme darstellten.

„Gibt es ein Problem mit dem Islam als solchem?“, fragt Shortt. Es gebe Elemente im Islam, die Gewalt rechtfertigten, aber er betont auch, dass selektive Zitate aus dem Koran keinen wirklichen Beweis darstellten.

Im Fall des Islam sei es aber wahr, dass die Möglichkeit, die Religion zu kritisieren, viel eingeschränkter sei als im Christentum. Gleichzeitig fehle hier eine Entwicklung von Selbstkritik und der Toleranz, die das Christentum durchlebt habe.

Sein Buch, erklärt Shortt, sei nicht als Vorbote eines Zusammenpralls der Zivilisationen zu sehen und sei nicht unkritisch gegenüber den Versäumnissen von Christen in der Vergangenheit.

Der Glaube habe Millionen von Menschen dazu gebracht, für Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen und menschliches Leid zu bekämpfen. Trotzdem habe er in einigen Fällen auch zu Zivilkriegen geführt.

Arabischer Frühling

Eines der Länder, die Shortt untersucht, ist Ägypten. Er zeigt auf, dass der Sturtz des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak keine Lösung für die Situation der Christen nach sich gezogen hat.

Nach einer Dokumentation einer Vielzahl von Verfolgungen in den letzten Jahren vor dem Arabischen Frühling zeigt Shortt die verschiedenen Aspekte der anti-christlichen Agitationen auf, die dem Regierungssturz in Ägypten folgten.

In einem anderen Kapitel beschreibt Shortt die Situation im Irak und erklärt, dass wenige Christen so gelitten hätten wie diejenigen im Irak. Die Schwierigkeiten hätten zu einem Exodus der Christen geführt, deren Zahl in diesem Land von 1,2 Million auf weniger als 200.000 gesunken sei.

Es wäre falsch zu sagen, dass das Regime von Saddam Hussein die Christen unterstützt habe, argumentiert Shortt, denn die Christen hätten auch in der Vergangenheit Diskriminierung und Verfolung erlitten. Aber die Situation habe sich nach der Invasion der Amerikaner im Jahre 2003 drastisch verschlimmert. Priester und Laienchristen seien sofort von Extremisten bedroht worden. Seit 2003 bis zum Jahre 2011 seien nicht weniger als 63 Kirchen zerbombt worden.

Viele Menschen im Westen seien sich der reichen Geschichte des Christentums in dieser Region gar nicht bewusst, kommentiert Shortt. Jahrhunderte hindurch habe der Irak blühende Christengemeinschaften mit einer reichen Kultur und einer Vielzahl von Kirchen und Klöstern gehabt. Jetzt sehe die Situation der Christen dort trostlos aus.

[Übersetzung des englischen Originals von Jan Bentz]