Zweite und dritte Station der Deutschlandreise

Erfurt und Freiburg

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BERLIN, 22. September 2011 (ZENIT.org). - Die zweite Station seiner Apostolischen Reise wird Papst Benedikt XVI. in das ostdeutsche Bistum Erfurt führen. Hier wird der Papst sowohl die Bischofsstadt Erfurt wie auch den marianischen Wallfahrtsort Etzelsbach besuchen. Das Bistum Erfurt, das nach dem Fall der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland erst 1994 errichtet wurde, wird seit dieser Zeit durch Bischof Dr. Joachim Wanke geleitet. Im Jahr 742 wurde schon einmal ein Bistum Erfurt durch den heiligen Bonifatius gründet, das jedoch nur wenige Jahre Bestand hatte.

Heute umfasst das Bistum das Thüringer Stammgebiet mit dem Thüringer Wald im Süden und dem Eichsfeld im Westen. Nach Osten begrenzen Saale und Unstrut, nach Norden Helme und Harz das Bistum. Um 755 wurde das erste Bistum Erfurt wieder aufgelöst und in das Bistum Mainz eingegliedert. Diesem gehörte es 1000 Jahre an. 1929/30 wurden mit der Neuordnung durch das Preußische Konkordat thüringische Teilgebiete den Bistümern Fulda und Würzburg zugeordnet. Mit dem Jahr 1953 wurden Formen kirchlicher Organisation auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik aufgebaut, und seit 1974 wurde die katholische Kirche im Thüringer Raum von einem Apostolischen Administrator des Bischöfl ichen Amtes Erfurt-Meiningen geleitet. Am 8. Juli 1994 wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zum Bistum Erfurt erhoben. Patronin des Bistums Erfurt ist die heilige Elisabeth von Thüringen und Mitpatrone sind der heilige Bonifatius und der heilige Kilian. Der St. Marien Dom auf dem Domberg in Erfurt ist heute die Bischofskirche.

Zum Bistum Erfurt gehört auch der kleine Marienwallfahrtsort Etzelsbach. Er liegt zwischen den Gemeinden Steinbach und Hundeshagen im thüringischen Eichsfeld. Wohl seit dem 15. Jahrhundert befindet sich in Etzelsbach ein Gotteshaus, in dem eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Pietà als Gnadenbild verehrt wird.

Eine besondere Bedeutung während der Apostolischen Reise des Papstes kommt auf eigenen Wunsch Benedikts XVI. dem Besuch des evangelischen Augustinerklosters in Erfurt zu und damit der Begegnung mit den evangelischen Christen in Deutschland. Seit dem Jahr 1266 gibt es an der Stelle des heutigen Augustinerklosters, das 1277 errichtet wurde, eine Niederlassung der Augustiner-Eremiten. Bedeutsam wurde das Kloster durch die zu ihm gehörende Schule und ab dem 14. Jahrhundert durch den Aufbau der klostereigenen Bibliothek. In den Jahren von 1505 bis 1511 gehörte der Mönch und spätere Reformator Martin Luther dem Konvent an. 1507 wurde er in Erfurt zum Priester geweiht und zelebrierte am 2. Mai 1507 seine erste heilige Messe am Altar der Augustinerkirche. 1525 wurde das Kloster in den Auseinandersetzungen der Reformation durch die evangelische St. Johannesgemeinde in Besitz genommen. Seit 1994 ist das Augustinerkloster Dienstsitz der Propstei Erfurt-Nordhausen. Heute wird das Gebäude als geistliches Bildungs- und Begegnungszentrum genutzt.

Im Kapitelsaal des Augustinerklosters trifft der Heilige Vater mit Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zu einem geistlichen Gedankenaustausch zusammen und steht im Anschluss daran zusammen mit dem Vorsitzenden des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, einem ökumenischen Gottesdienst in der zum Kloster gehörenden Augustinerkirche vor.

Die dritte und letzte Station seiner Apostolischen Reise führt Papst Benedikt XVI. in das Erzbistum Freiburg. Dieses wird seit dem Jahr 2003 durch Erzbischof Dr. Robert Zollitsch geleitet, der seit dem Jahr 2008 zugleich auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Bereits im 6./7. Jahrhundert kamen die Mönche Fridolin, Landolin, Trudpert und Gallus als erste Glaubensboten zu den Alemannen an den Rhein und den Bodensee. Die Klöster Säckingen und Schuttern sind wohl die frühesten Gründungen auf dem Gebiet des heutigen Erzbistums. Zu diesen bedeutenden Stätten muss auch die Klostergründung des Wanderbischofs Pirmin hinzugezählt werden, die um das Jahr 724 auf der Bodenseeinsel Reichenau vorgenommen wurde. Ebenfalls im 6. Jahrhundert wurde das Bistum Konstanz gegründet. Es erstreckte sich über ein Gebiet, das vom St. Gotthard bis zum mittleren Neckar und vom Rhein bis an die Iller reicht. Konstanz war in den Jahren 1414 bis 1418 Zentrum der Kirche, als auf dem dortigen Konzil mit der Wahl Papst Martins V. das Abendländische Schisma beendet wurde.

Im 7./8. Jahrhundert kam das Christentum auch in die mainfränkischen Gebiete der heutigen Erzdiözese. Dort waren es insbesondere der heilige Kilian und der heilige Bonifatius mit ihren Helfern, die den Boden für die Kirche bereiteten. Eine große Ausstrahlung gewann in dieser Zeit das Benediktinerinnenkloster in Tauberbischofsheim, das durch die heilige Lioba geleitet wurde.

Einen sich bis heute auswirkenden grundlegenden Umbruch brachten die Napoleonische Zeit und die Säkularisation 1802/1803. Mit der politischen Neuordnung im Südwesten Deutschlands ging auch eine Neuordnung der kirchlichen Gebiete einher, in deren Folge das zwölf Jahrhunderte lang bestehende Bistum Konstanz aufgelöst wurde. 1821 errichtete Papst Pius VII. mit der Bulle „Provida solersque“ die Oberrheinische Kirchenprovinz mit ihren Bistümern Freiburg, Fulda, Mainz, Limburg und Rottenburg und bestimmte Freiburg als Metropolitansitz.

Die eigentliche Geschichte des Erzbistums Freiburg beginnt jedoch erst am 21. Oktober 1827 mit der Weihe des ersten Erzbischofs Bernhard Boll. Die Erzdiözese Freiburg besteht aus Teilen der ehemaligen Bistümer Konstanz und Worms und Gebieten der heute angrenzenden Diözesen Speyer, Mainz, Straßburg, und Würzburg. Seit dem Preußischen Konkordat von 1929, in dem die Suffragane Fulda und Limburg abgetrennt wurden, umfasst die Oberrheinische Kirchenprovinz noch die (Erz-)Bistümer Freiburg, Mainz und Rottenburg-Stuttgart. Patrone des Erzbistums Freiburg sind die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria und der heilige Bischof Konrad von Konstanz. Das Münster „Unserer Lieben Frau“ in Freiburg ist heute die Bischofskirche.