Zweiter Pfarreibesuch in der Diözese Rom: Benedikt XVI. zitiert Worte Johannes Pauls II., die dieser nicht mehr aussprechen konnte

"Wie sehr hat es die Welt nötig, die göttliche Barmherzigkeit zu begreifen und anzunehmen"

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ROM, 27. März 2006 (ZENIT.org).- Bei seinem insgesamt zweiten Besuch einer römischen Pfarrei erinnerte Benedikt XVI. am Sonntagvormittag an den Kern der kirchlichen Verkündigung, den er in seiner Enzyklika "Deus caritas est" herausgearbeitet hat: dass der christliche Glaube keine Ideologie ist, sondern die Begegnung mit einer Person, mit Christus.



In der vom amerikanischen Architekten Richard Meier errichteten Vorstadtkirche von Tor Tre Teste erklärte der Heilige Vater: "Heute wie damals erinnert uns der Evangelist daran, dass das einzige 'Zeichen' der am Kreuz erhöhte Jesus ist: Der gestorbene und auferstandene Jesus ist das absolut ausreichende Zeichen. In ihm können wir die Wahrheit des Lebens begreifen und das Heil erlangen. Das ist die zentrale Botschaft der Kirche, die über die Jahrhunderte hinweg unverändert bleibt. Der christliche Glaube ist somit keine Ideologie, sondern das persönliche Zusammentreffen mit dem gestorbenen und auferstandenen Christus. Aus dieser Erfahrung heraus, die persönlich und gemeinschaftlich ist, entspringt dann eine neue Weise des Denkens und des Handelns; es beginnt, wie die Heiligen bezeugen, eine von der Liebe geprägte Existenz." Dieses Geheimnis trete in der Pfarrei, "die 'Gott Vater dem Barmherzigen' geweiht ist", besonders deutlich hervor, fuhr Benedikt XVI. fort.

Die Pfarrkirche im römischen Viertel Tor Tre Teste habe Johannes Paul II. "zum Andenken an das Große Jubiläumsjahr 2000" errichten lassen – "auf dass sie in wirksamer Weise die Bedeutung jenes außerordentlichen geistlichen Ereignisses verdichte. Wenn ich über die Barmherzigkeit des Herrn nachdenke, die sich ganz und definitiv im Geheimnis des Kreuzes offenbart hat, kommt mir wieder jener Text in den Sinn, den Johannes Paul II. für sein Treffen mit den Gläubigen am 3. April, dem Weißen Sonntag letzten Jahres, vorbereitet hatte." Benedikt XVI. bezog sich auf jenes Manuskript, das Karol Wojtyla für die Angelus-Ansprache am Barmherzigkeitssonntag vorbereitet hatte und selbst nicht mehr vortragen konnte, da er am Vorabend zu diesem Fest gestorben war. Der Text wurde am 4. April 2005 in der italienischsprachigen Version des "Osservatore Romano" veröffentlicht.

Papst Benedikt XVI. sagte in diesem Zusammenhang: "Im göttlichen Plan stand geschrieben, dass er [Papst Johannes Paul II., Anm. d. Übers.] uns gerade an der Vigil jenes Tages, am 2. April, verlassen sollte – wir alle erinnern uns gut daran –, und deshalb konnte er jene Worte nicht mehr aussprechen, die ich euch, liebe Brüder und Schwestern, jetzt gerne vorlege. Der Papst hatte Folgendes geschrieben: 'Der Menschheit, die bisweilen verloren und von der Macht des Übels, des Egoismus und der Angst beherrscht scheint, möge der auferstandene Herr das Geschenk seiner Liebe schenken – der Liebe, die vergibt, versöhnt und das Gemüt für die Hoffnung öffnet. Es ist die Liebe, die die Herzen bekehrt und Frieden schenkt.' Der Papst fügte in diesem letzten Text, der wie ein Testament ist, hinzu: 'Wie sehr hat es die Welt nötig, die göttliche Barmherzigkeit zu begreifen und anzunehmen!'"