Zweiter Teil der Jesus-Biographie Benedikts XVI. erscheint im Frühjahr 2010

Der Papst war zu seinem Jesus-Buch „lange innerlich unterwegs“

| 2376 klicks

ROM, 22. September 2009 (ZENIT.org).- Der zweite Teil von Papst Benedikts Werk „Jesus von Nazareth“ wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 erscheinen. Wie der Leiter des Presseamts des Heiligen Stuhls, P. Federico Lombardi SJ, vor kurzem bekannt gab, soll der nächste Teil des Bestsellers in wenigen Monaten fertig sein.



Der erste Teil von „Jesus von Nazareth“ erschien im April 2007. Papst Benedikt analysierte in zehn Kapiteln das öffentliche Wirken Jesu: von seiner Taufe bis zum Petrusbekenntnis und zu seiner Verklärung. Am zweiten Teil der Abhandlung arbeitete der Heilige Vater während seiner Sommerurlaube. In diesem Sommer konnte er die Arbeit gut voranbringen, obwohl er sich sein rechtes Handgelenk gebrochen hatte.

Der zweite Teil wird Kindheitserzählungen sowie Leiden und Auferstehung Jesu Christi beinhalten. Diese Stationen im Leben Jesu stellte der Papst im ersten Band zurück, „weil es mir vor allem vordringlich schien, Gestalt und Botschaft Jesu in seinem öffentlichen Wirken darzustellen und dazu zu helfen, dass lebendige Beziehung zu ihm wachsen kann“.

Wie der Papst im Vorwort des ersten Bandes betonte, ist „dieses Buch in keiner Weise ein lehramtlicher Akt, sondern einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens ‚nach dem Angesicht des Herrn’ (Ps 27,8). Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt“.

Im Vorwort hält der Heilige Vater zudem fest, dass er zu dem Jesus-Buch „lange innerlich unterwegs gewesen“ sei. Als zentralen „Konstruktionspunkt“ seines Werks nennt er die Verankerung der Person Jesu in Gott: „Es sieht Jesus von seiner Gemeinschaft mit dem Vater her, die die eigentliche Mitte seiner Persönlichkeit ist, ohne die man nichts verstehen kann und von der her er uns auch heute gegenwärtig wird.“

Wesentlich angetrieben zur Arbeit hat den Papst eine dramatische Situation des christlichen Glaubens heute, zu der die historisch-kritische Forschung wesentlich beigetragen hat: Das Auseinanderbrechen zwischen dem „historischen Jesus“ und dem „Christus des Glaubens“. Dies zeigt sich laut Benedikt XVI. im heute allgemein verbreiteten Eindruck, „dass wir jedenfalls wenig Sicheres über Jesus wissen und dass der Glaube an seine Gottheit erst nachträglich sein Bild geformt habe. Dieser Eindruck ist inzwischen weit ins allgemeine Bewusstsein der Christenheit vorgedrungen. Eine solche Situation ist dramatisch für den Glauben, weil sein eigentlicher Bezugspunkt unsicher ist: Die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt, droht ins Leere zu greifen.“

Doch anstatt den vielleicht nahe liegenden Schluss zu fällen, die historisch-kritische Methode zu kritisieren und zurückzuweisen, will sich der Papst gerade auf deren Erkenntnisse stützen und sie sich zu Eigen machen: „Ich hoffe, dass den Lesern aber deutlich wird, dass dieses Buch nicht gegen die moderne Exegese geschrieben ist, sondern in großer Dankbarkeit für das viele, das sie uns geschenkt hat und schenkt“. Mehr noch: Trotz der gravierenden Probleme, die die moderne Exegese verursacht hat, hält Benedikt XVI. die Methoden der historisch-kritischen Forschung sogar für notwendig: „Die historisch-kritische Methode bleibt von der Struktur des christlichen Glaubens her unverzichtbar“.

Der Grund für ihre Notwendigkeit liegt – wie der Heilige Vater hervorhebt – im christlichen Glauben selbst: „Et incarnatus est – mit diesem Wort bekennen wir uns zu dem tatsächlichen Hereintreten Gottes in die reale Geschichte. Wenn wir diese Geschichte wegschieben, wird der christliche Glaube als solcher aufgehoben und in eine andere Religionsform umgeschmolzen.“ Weil sich der christliche Glaube auf ein geschichtliches Ereignis stützt und dieses ernst nehmen muss, müsse auch die Theologie die historische Methode ernst nehmen: „Da gilt zunächst, dass die historische Methode – gerade vom inneren Wesen der Theologie und des Glaubens her – eine unverzichtbare Dimension der exegetischen Arbeit ist und bleibt. Denn für den biblischen Glauben ist es wesentlich, dass er sich auf wirklich historisches Geschehen bezieht. … Das Factum historicum ist für ihn nicht eine auswechselbare symbolische Chiffre, sondern konstitutiver Grund“.

Im Zentrum des Buchs steht das Bemühen, die historisch-kritische Methode anzuwenden, aber immer nur eingebettet in den christlichen Glauben. Dadurch soll der scheinbare Widerspruch zwischen dem „historischen Jesus“ und dem „Christus des Glaubens“ aufgehoben werden: „Ich wollte den Versuch machen, einmal den Jesus der Evangelien als den wirklichen Jesus, als den ‚historischen Jesus’ im eigentlichen Sinn darstellen“.

Entscheidend für dieses Unterfangen sei, „dass die Grenzen der historisch-kritischen Methode selbst erkannt werden“. Denn: Zu „glauben, dass er wirklich als Mensch Gott war und dies in Gleichnissen verhüllt und doch immer unmissverständlicher zu erkennen gab, überschreitet die Möglichkeiten der historischen Methode. Umgekehrt – wenn man von dieser Glaubensüberzeugung her die Texte mit historischer Methode und ihrer inneren Offenheit für Größeres liest, öffnen sie sich, und es zeigt sich ein Weg und eine Gestalt, die glaub-würdig sind“.

Dies sei der Weg, sich dem Jesus der Evangelien, auf den sich der christliche Glaube stützt, und der sich als Sohn Gottes zu erkennen gibt, unter Anwendung der Mittel der historischen Methode zu nähern: „Ich bin überzeugt und hoffe, auch die Leser können sehen, dass diese Gestalt viel logischer und auch historisch betrachtet viel verständlicher ist als die Rekonstruktionen, mit denen wir in den letzten Jahrzehnten konfrontiert wurden. Ich denke, dass gerade dieser Jesus – der der Evangelien – eine historisch sinnvolle und stimmige Figur ist. Nur wenn Außergewöhnliches geschehen war, wenn die Gestalt und Worte Jesu das Durchschnittliche aller Hoffnungen und Erwartungen radikal überschritten, erklärt sich seine Kreuzigung und erklärt sich seine Wirkung.“