Zypern: Kirche für Austritt aus der EU

Die orthodoxe Landeskirche ist eine der Hauptgegner und Kritiker des Sanierungsprojekts des scheidenden Ministers Michalis Sarris

Rom, (ZENIT.org) Tanja Schultz | 778 klicks

Heute hat der zypriotische Finanzminister Michalis Sarris seinen Rücktritt angekündigt. Dem ehemaligen Chef der Laiki-Bank wurde von den Landsleuten schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Zwar wurde der anfängliche Plan der Zwangsabgabe für Kleinanleger nach heftigen Protesten aufgegeben. Doch soll einigen Unternehmen Kredite komplett erlassen worden sein, während andere Personen über die bevorstehenden Kapitalverkehrskontrollen angeblich informiert wurden. Die Rede ist von 700 Millionen Euro, die außer Landes geschafft worden sein sollen.

Die Laiki-Bank ist die zweitgrößte Bankgruppe in Zypern, heute zu 84 Prozent in staatlichem Besitz. Montag letzte Woche wurde auf einem Sondergipfel der EU-Finanzminister im Rahmen einer Umstrukturierung des Finanzsektors die Zerschlagung der Bank beschlossen. Eine der Hauptgegner und Kritiker des Sanierungsprojekts des scheidenden Ministers Sarris ist die orthodoxe Landeskirche. Durch die von dem europäischen Kreditgeber erzwungene Restrukturierung der zwei größten Inselbanken, der Cyprus Bank und der Laiki Bank, würden der Kirche in Zypern selbst mehr als 100 Millionen Euro verloren gehen, klagte das Kirchenoberhaupt, Patriarch Chrysostomos II. vor zwei Tagen. „Es wird noch viele mehr Schwierigkeiten geben, einige werden ihre Arbeit verlieren, es wird mehr Arme geben und die Kirche wird sich um mehr Bedürftige kümmern müssen“, äußerte Chrysostomos besorgt.

Die orthodoxe Kirche gilt als größter Immobilienbesitzer der Mittelmeerinsel, auch soll sie neben anderen Kapitaleinlagen 30 Prozent eines großen Getränkekonzerns besitzen. Es gibt zwar keine genaue Aufstellungen der kirchlichen Besitzungen. Doch hatte die zypriotische Kirche, als die Verhandlungen mit der Troika auf Hochtouren liefen, angeboten, ihre Güter als Sicherheit für Darlehen zur Verfügung zu stellen, um der Regierung so in der schweren Schuldenkrise zu helfen. Bereits letzten September hatte die Kirche bei den ersten Anzeichen der Krise die Initiative ergriffen und die Gehälter (über 1500 Euro) ihrer Angestellten, einschließlich der Bischöfe und Priester, um bis zu 25 Prozent gekürzt. Der Patriarch plädiert seit einiger Zeit für den Austritt Zyperns aus der EU.