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ZG08042205 - 22.04.2008
Permalink: http://www.zenit.org/article-14961?l=german

„Haben katholische Krankenhäuser Zukunft?“


Plädoyer für katholisch geprägtes unternehmerisches Handeln im Gesundheitswesen


ROM, 22 April 2008 (ZENIT.org).- Katholische Krankenhäuser dürften nicht einfach aufgegeben werden; vielmehr sollten sie Stätten sein, an denen das christliche Menschenbild für den Pflegedienst bestimmmend sei, hob P. Aurelio Mazzetta bei einer Tagung des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst in Rom hervor.

Die Tagung zum Thema „Haben katholische Krankenhäuser Zukunft?“ wertete die Ergebnisse des letzten internationalen Kongresses zum Thema „Verbesserung der Pastoral in katholischen Krankenhäusern“ aus. Der Weltkongress der Internationalen Vereinigung Katholischer Gesundheitseinrichtungen (AISAC) hatte vom 3. bis zum 5. Mai 2007 im Vatikan stattgefunden.

Der Rückzug der Orden als verantwortliche Träger von Institutionen im Gesundheitswesen und die Aufgabe von unternehmerischem Handeln der Kirche im Bereich Pflegedienst sei alarmierend, mahnte der Gesundheitsexperte in seinem Referat. Die Kapitulation von Katholiken bei der Gestaltung des Gesundheitswesens entspreche kaum dem Profil eines „Apostels der Liebe“, bekräftigte P. Mazzetta unter Verweis auf das Vorbild der großen Gründergestalten von katholischen Orden, die im Gesundheitswesen institutionelle Pionierarbeit geleistet hätten.

Es gebe einen „christlichen Mehrwert, den man auf dem Markt anbieten kann", ermutigte P. Mozzetta. Es sei typisch für die katholische Gesundheitspflege, „einen besonderen Gottesdienst anzubieten und eine bewusste Praxis der Aufnahme des Patienten, die einer expliziten ‚christlichen Gesundheitsphilosophie' entspricht".

„Wir wollen nicht denen zugeordnet werden, die aus der Gesundheit eine Ware machen", fügte der Priester hinzu. Bei der Gleichstellung von Leistungen, die dem freien Wettbewerb unterliegen, sollte sich katholische Gesundheitspflege durch ihr Bild vom Menschen und vom kranken Menschen auszeichnen.

Kompetenz und Qualität der katholischen Krankenhäuser seien unverzichtbar, „aber was die Achtung der Religionsfreiheit und der Freiheit des Denkens angeht, so kann niemand von uns verlangen, dass wir auf unsere Vorstellung von Mensch und Gott verzichten", so P. Mazzetta. „Also widersprechen wir weder unserer christlichen Identität noch der kirchlichen Praxis, und wir verweigern uns jeder Form von Abtreibung und Euthanasie."

Was den Zusammenhang zwischen Gesundheitswesen und katholische Orden angeht, bemühte sich P. Mozzetta um die Klärung der Konzepte: Die Ordensgemeinschaften wirkten im Einklang mit den Werken der Kirche. „Wir, die wir uns um die Kranken kümmern, können das tun, weil die Kirche uns die Mittel zur Verfügung stellt, um weiterzuarbeiten. Gemäß dem Vorbild der Gründer jeder Gemeinschaft kümmern wir uns nicht nur um die Pflege der Kranken, sondern wir verdienen mit unserem Wirken auch unseren Lebensunterhalt."

Angesichts der komplexen Situation heute neigten Ordensleute dazu, ihren direkten Einsatz im Gesundheitswesen zurückzuschrauben, um sich auf die Seelsorge zu beschränken. „Dadurch bezeugen sie die eigene Unfähigkeit, sich mit den wettbewerbsorientierten Arbeitsbedingungen auseinanderzusetzen, da sie behaupten, dass der Markt nichts für sie ist und dass sie nichts für den Markt sind", kritisierte der Gesundheitsexperte. „Die katholischen Institutionen verlieren allmählich die Fähigkeit, im Geschäft zu bleiben. Deshalb überlassen sie der Privatwirtschaft alle Strukturen."

Als „Hüter des Mandats" von Gesundheitspflege komme es aber gerade den kirchlichen Trägern zu, als „Apostel der Nächstenliebe" zu fungieren und „die Nähe zu den Patienten" aktiv zu suchen. Die Kirche müsse die seelische Betreuung genauso neu fördern wie „die Vorbereitung, die Professionalität, das Management, die Verwaltung, die wissenschaftliche Forschung und die Herstellung von Arzneimitteln, das Engagement für die Kultur und die Präsenz in der Gesundheitspolitik".

Die „Förderung einer neuen Kultur der Gesundheit" sei deshalb als ganzheitliches Anliegen eine besondere Verantwortung der Orden. Die Zusammenlegung von Leitungsfunktionen in denverschiedenen Werke würde Synergieeffekte freisetzen und „mehr Verhandlungsspielraum gegenüber Behörden, Kredit- und Arbeitnehmerverbänden" erlauben. Außerdem würde eine solche Maßnahme „eine effizientere Organisation der Arbeit und Dienstleistungen" ermöglichen sowie eine offene und „katholische" Prägung dieser Einrichtungen erlauben.

Nach aktuellen Zahlen des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst gibt es weltweit 22.000 katholische Gesundheitseinrichtungen. 37 Prozent werden von Ordensleuten geführt und 19 Prozent stehen unter diözesaner Leitung. Die übrigen 44 Prozent sind der Obhut anderer katholischer Organisationen anvertraut.

Von Marta Lago. Übersezung aus dem Spanischen von Angela Reddemann


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