ZG08051301 - 13.05.2008
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Was der Papst in den USA den Frauen sagte


Interview mit Karen Hurley, Präsidentin des Weltverbands katholischer Frauenvereinigungen


ROM, 13. Mai 2008 (ZENIT.org). – Die Präsidentin des Weltverbands katholischer Frauenvereinigungen (World Union of Catholic Women’s Organisations, WUCWO), Karen Hurley, betont gegenüber ZENIT, dass die starke Betonung der Menschenrechte durch Papst Benedikt bei dessen USA-Besuch direkte Konsequenzen für die Frauen mit sich bringt.

Der Verband, den Hurley leitet, setzt sich für die Präsenz, Partizipation und Mitverantwortung katholischer Frauen in Gesellschaft und Kirche ein.

Im vorliegenden Interview blickt Hurley auf den Papstbesuch in den USA zurück und erklärt, warum diese Reise im vergangenen Monat derartig positive Reaktionen hervorgerufen hat.

ZENIT: Was ist Ihr ganz persönlicher Eindruck von der Reise Benedikts XVI. in die USA?

Hurley: Wir schwelgen noch immer. Für mich war es eine große Freude, den Heiligen Vater in meiner Heimat zu Besuch zu haben.

Durch meinen Dienst in der weltweiten Vereinigung katholischer Frauenorganisationen wurde mir die große Freude zuteil, sowohl Papst Johannes Paul II. als auch Papst Benedikt XVI. zu begrüßen –in Rom, aber auch in Castel Gandolfo. Aber die meisten Amerikaner sehen den Heiligen Vater nur aus großer Distanz, durch die Medien. Die Menschen kamen aus allen US-Bundesstaaten nach Washington DC und New York, um wenigstens einen kurzen Blick auf den Heiligen Vater zu werfen.

Es stellten sich große Begeisterung und ein anhaltender Friede ein, wenn jemand den Papst sah. Menschen, die ihre Fotoapparate umklammert hatten, vergaßen plötzlich, ein Foto zu machen, weil sie den Papst anlächelten und ihm zuwinkten. Ganze Stadien voller Kirchengängern waren förmlich von einer Stille „gepackt“, so dass jeder die Worte des Heiligen Vaters – jedes einzelne – hören konnte.

Beginnend mit dem sonnigen Nachmittag, an dem der Heilige Vater aus dem Flugzeug stieg und von Präsident Bush begrüßt wurde, vertieften sich die geistigen und emotionalen Bande. Und sie hielten nicht nur sechs Tage und Nächte lang, sondern waren auch noch da, als der Papst vom Apostolischen Nuntius Erzbischof Sambi, dem US-Vizepräsident und Frau Cheney am Flughafen verabschiedet wurde.

Das Ganze war ein gewaltiges Glaubenszeugnis! Die Überzeugung, dass Christus unsere Hoffnung ist, wurde gestärkt, und man spürte ein Ausströmen von Liebe seitens aller, deren Leben von dieser Reise berührt wurde.

ZENIT: Der Papst selbst gab zu, dass er sehr viel über die katholischen US-Amerikaner gelernt habe. Ist das für Sie ermutigend?

Hurley: Ja, es ist sehr ermutigend, weil ich daran glaube, dass der Heilige Vater Amerikaner getroffen hat, die sich inmitten einer säkularen Kultur der Verkündigung und des Lebens unseres katholischen Glaubens verpflichtet haben. Die Worte von Benedikt XVI. spiegelten seine Kenntnisse über die Geschichte unserer Nation und über die Veränderungen und Möglichkeiten wider, die uns heute betreffen.

Es ist dem Heiligen Vater in seinem ruhigen, umsorgenden Auftreten gelungen, die Menschen dort „abzuholen“, wo sie sind: Kleriker und Laien, Frauen und Männer, Jugendliche, Kinder mit Behinderungen, Vertreter anderer Religionen und – auf sehr ergreifende Weise – Opfer sexuellen Missbrauchs.

Nach seinen eigenen Worten kam er als „Verkündiger des Evangeliums“. Aber er verbrachte seine Zeit in erster Linie hörend, verkündend, lernend und lehrend, betend. Er war ein Zeichen für Heilung und für den Frieden Christi – für alle, deren Leben er berührte.

Die Amerikaner lernten auch sehr viel über Papst Benedikt XVI., den sie mit seinem geliebten Vorgänger verglichen, Johannes Paul II. Es ist augenscheinlich, dass sie zwei grundlegend verschiedene Charaktere mit den gleichen Gaben sind, die der Herr in seinen Dienst gerufen hat.

Jede irrige Vorstellung über Kardinal Ratzinger in seiner früheren Rolle als Präfekt der Glaubenskongregation haben wir während dieser persönlichen Begegnungen über Bord geworfen. Wir haben einen leidenschaftlichen Papst Benedikt XVI. erlebt, dessen Pastoral die Glaubenswahrheiten zum Ausdruck gebracht hat.

ZENIT: Gab es während dieser apostolischen Reise eine besondere Botschaft für die Sendung der Frauen, die Sie sich mitnehmen konnten?

Hurley: Der Heilige Vater sprach klar über die Würde jedes Menschen, geschaffen nach dem Abbild Gottes. Seine Worte waren ein Widerhall der Worte von Papst Johannes Paul II., die im Apostolischen Schreiben „Mulieris Dignitantem“ zu finden sind, das vor genau 20 Jahren veröffentlicht worden ist. In diesem Schreiben geht es um die Würde und Berufung der Frau.

Mit Blick auf den 60. Gedenktag der Verkündigung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrecht und die Rolle der USA in der internationalen Gemeinschaft ermutigte Papst Benedikt XVI. die Bemühungen, eine Welt zu schaffen, in der die Gott gegebene Würde und die Rechte von Männern, Frauen und Kindern in Ehren gehalten, geschützt und sinnvoll erweitert werden.

Für die Mitglieder des Weltverbands katholischer Frauenvereinigungen umfasst das unsere Mission, für die Menschenrechte zu arbeiten, beginnend mit dem grundlegenden Recht auf Leben, dem Recht auf Bildung, der Sorge für die Armen, Kranken und Fremden…

Vor seiner Wahl hatte Kardinal Ratzinger in einem Brief an die Bischöfe der katholischen Kirchen „zur Mitarbeit von Männern und Frauen in Kirche und Welt“ aufgerufen.

„Am Ende sind es Frauen, die in jeder aussichtlosen Situation, wie es von der Geschichte und der Gegenwart bezeugt wird, eine eigene Kapazität aufbringen, weiterzumachen, um das Leben auch in den extremen Situationen weiterzuleben, sich hartnäckig an die Zukunft zu halten und sich schlussendlich mit Tränen an den Wert jedes Menschen zu erinnern.“

Der Heilige Vater erinnerte alle Frauen und Männer an die Gott gegebene Würde. Zur Würde der Frau gehört die „Kapazität für die anderen“, die das Leben gewissermaßen „herauslockt“ und zum Wachstum und zum Schutz aller beiträgt, die uns anvertraut sind.
 
ZENIT: Es scheint, dass jeder über diese Reise glücklich ist. Warum war sie gerade jetzt so wichtig?

Hurley: So viele Menschen suchen heute nach Sinn und Grund in ihrem Leben. Manche sind in ihrem Glauben lau geworden, andere suchen nach einer noch innigeren Vereinigung mit Jesus Christus, unserem Herrn und Erlöser.

Papst Benedikt kam in die USA, um die Botschaft des Evangeliums zu verkünden: „Christus ist unsere Hoffnung.“ Das war die Botschaft an alle Menschen jeden Alters und in jeder Situation, die es zu hören gilt und auf die wir antworten sollten.

Der Besuch des Heiligen Vaters bedeutete für alle Menschen guten Willens eine einmalige Gelegenheit, eine persönliche Begegnung mit dem Herrn zu machen. Es ist eine solche Begegnung, die uns dazu antreibt, die Frohe Botschaft mit anderen zu teilen, so wie die Samariterin am Brunnen.

Tatsächlich teilen die Menschen ihren Glauben, ihre Hoffnung und ihre Liebe nun mit neuer Begeisterung. Mit der Gnade Gottes werden die Früchte dieser Reise über die Jahre hinweg aufgehen – wie das Weizenkorn, das gesät wurde und jetzt wächst.

[Von Miriam Díez i Bosch; Übertragung ins Deutsche durch Juliana Abado und Dominik Hartig]

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