ZG09022302 - 23.02.2009
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Der Mensch und seine Vettern, die Schimpansen


Der Jesuit Marc Leclerc über Charles Darwin


ROM, 23. Februar 2009 (ZENIT.org).- „Charles Darwin war ein großer Biologe“, meint der Jesuit Marc Leclerc. Man dürfe aber seine Erkenntnisse nicht mit theologischen Fragen vermischen, denn dann würden sie zur Ideologie. Anlässlich des 200. Geburtstags des englischen Biologen Darwin sprach Leclerc mit Zenit über dessen Evolutionstheorie. Marc Leclerc ist Professor für Naturphilosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana und Organisator des Kongresses „Biologische Evolution: Fakten und Theorien“, der von 2. bis 7. März in Rom stattfinden wird.

Laut Leclerc spielten religiöse Überzeugungen keine große Rolle für Darwins Entwicklung der Evolutionstheorie. „Es ist richtig, dass Darwin ursprünglich eine mehr theologische Ausbildung in der anglikanischen Kirche erhielt, aber er distanzierte sich später aus persönlichen Gründen von der Kirche. Vor allem der Tod seiner Tochter, der ihm als großes Unrecht erschien, führte zu seiner Entfremdung vom Glauben“. Am Ende seines Lebens habe er einen „offenen Agnostizismus“ vertreten, der sich im Unterschied zum Atheismus nicht ausdrücklich gegen Gott richtet.

Wissenschaftliches Methoden-Bewusstsein habe Darwin auch besessen; seine Theorie sei rein wissenschaftlich, sie enthalte keine Glaubensinhalte und „betrifft nicht die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes“. Erst Darwins Nachfolger hätten aus der Evolutionstheorie eine Ideologie gemacht, da sie „nicht seine Demut hatten und teils die beiden Ebene – Wissenschaft und Theologie – vermischten.“ Vor allem zwei Elemente der Theorie hätte Eingang in die Ideologie gefunden: die zufällige Beschaffenheit von Veränderung und der Mechanismus der natürlichen Selektion. Dann werde freilich „Wissenschaft zu einer falschen Philosophie, die sich nicht mit der Erklärung der Wirklichkeit verträgt. Das ist ein schwerwiegender Missbrauch von Wissenschaft“, so Leclerc.

Die Gegner des Darwinismus sollten aber nicht die gleiche Falle tappen: „Die wissenschaftliche Theorie verdient all unseren Respekt; sie sollte aber nur auf wissenschaftlicher Ebene diskutiert werden.“ Um eine Vermischung der verschiedenen wissenschaftlichen Ebenen zu verhindern und ein rechtes Verständnis von Schöpfung und Evolution zu erlangen bedarf es Leclerc zufolge der Vermittlung durch die Philosophie.

Anschaulich beschreibt Leclerc das Verhältnis des Menschen zum Affen aus biologischer Sicht: „Schimpansen sind unsere Vettern, nicht unsere Vorväter“. Schimpansen und Menschen hätten die gleichen Vorväter, entwickelten sich aber dann in der Geschichte anders.

Freilich warfen die Erkenntnisse der Evolutionstheorie in philosophischer Hinsicht noch offene Fragen auf. So herrsche heute Ungewissheit über die Frage, wann in der Evolution die Geburt der menschlichen Seele einsetzte. „Manche meinen, das begann mit dem Homo Sapiens, andere glauben es begann viel früher, etwa mit dem Homo Erectus oder dem Homo Habilis. Wir haben verschiedene Spuren, aber keinen Beweis.“ Ein wichtiges Faktum gebe es freilich: „Es scheint, dass die biologische Evolution tatsächlich im Homo Sapiens gipfelte. Die dem Menschen eigene kulturelle Revolution begann freilich bereits vor dem Auftreten des Homo Sapiens.“

An der Relevanz des Schöpfungsberichts der Genesis für den Gläubigen habe sich freilich nichts geändert. Die Genesis sage uns, wie der Mensch in Gottes Denken geschaffen wurde, wie er sich Gott nähern und sich von ihm entfremden könne. Er erzähle auch, welchen Plan Gott für den Menschen hat und dass sich der Mensch an diesen Plan halten muss. Wissenschaftliche Erklärungen werden nicht genannt. In diesem Zusammenhang zitiert Leclerc Galileo Galilei: „Die Bibel lehrt uns nicht, wie der Himmel funktioniert, sondern wie man in den Himmel kommt.“

Biologisch gesehen ist der Mensch ein Cousin des Affen, philosophisch gesehen lässt sich aber noch anderes über ihn sagen: „Der Mensch ist aus phänomenologischer Sicht der Einzige, der mit seiner Umgebung interagieren und sie gemäß seinen Wünschen verändern kann, ohne dabei verpflichtet zu sein, sich den äußeren Veränderungen der Umwelt anpassen zu müssen. Ein Beispiel: Der Mensch produzierte vor 150 Jahren ein Buch über den Ursprung der Arten. Kein Tier wurde jemals gesehen, dass übe den Ursprung der Lebewesen reflektieren kann.“

Mit dem Priester und Naturphilosophen sprach Carmen Elena Villa

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