ZG09032605 - 26.03.2009
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Für ein vielfältigeres kirchliches Leben


Griechisch-orthodoxer Theologe plädiert für die Wiederbelebung des Frauendiakonats


ROM, 26. März 2009 (ZENIT.org).- Für eine Wiederbelebung des Frauendiakonats in der Kirche hat der griechisch-orthodoxe Theologe Evangelos Theodorou plädiert. Theodorou befindet sich derzeit auf Einladung der Stiftung „Pro Oriente" in Österreich, wo er eine Reihe von Vorträgen über den geistlichen Stand der Diakoninnen hält.

Aufsehen erregte der heute 88-jährige Athener Liturgiewissenschaftler erstmals 1954, als er an seiner Dissertation über die Weihe von Frauen zu Diakoninnen in der alten Kirche des Ostens arbeitete. Darin wies er nach, dass diese Weihe sakramentalen Charakter hatte und mit jener für Männer vergleichbar war.

Im Gespräch mit Kathpress am Mittwoch, 18. März 2009, ging Theodorou auf einige seiner Argumente ein. So sei der Altarraum Ort der Weihe gewesen, und die Weihe habe innerhalb der Eucharistiefeier stattgefunden. "Die Beweise sind eindeutig", erklärt Theodorou. Zu den vielfältigen Verantwortungsbereichen der Diakoninnen gehörte an

erster Stelle die karitative Arbeit. Darüber hinaus hatten sie aber auch zahlreiche katechetische und liturgische Aufgaben inne. In besonderer Weise waren sie für die Frauenkatechese zuständig.

Nicht nur im Osten, sondern auch in der westlichen Kirche habe es vom 5. bis zum 11. Jahrhundert Diakoninnen gegeben, wenn auch in weit geringerem Ausmaß. Theodoruo nannte unter anderem die Heilige Radegunde, Frau des Frankenkönigs Chlothar I., die im 6. Jahrhundert zur Diakonin geweiht wurde. Belegt seien aus dem 11.Jahrhundert auch Briefe dreier Päpste an Bischöfe, wonach diese Frauen zu Diakoninnen ordinieren durften.

Überreste des Frauendiakonats hätten sich bis heute erhalten und zwar sowohl in der orthodoxen wie auch der lateinischen Kirche. Für den Osten nannte er das Nonnenkloster Agia Triada auf der griechischen Insel Ägina, für den Westen Klöster der Karthäuserinnen in Oberitalien und Südfrankreich, in denen einige Ordensschwestern ordiniert seien, allerdings nur im internen Bereich wirken würden.

2004 sprach sich die Synode der orthodoxen Kirche in Griechenland - nicht zuletzt auf Basis der Vorarbeiten von Theodorou - für die Wiederbelebung des Diakonats für Frauen aus und stellte es jedem Bischof frei, dies in seiner Diözese in die Praxis umzusetzen. „Die Beweise für das Frauendiakonat im ersten Jahrtausend sind eindeutig", so Theodorou.

Zur Frage, was letztlich dazu führte, dass das Frauendiakonat ab dem 11. Jahrhundert im Westen und mit dem Ende des oströmischen Reiches im 15. Jahrhundert auch im Osten so gut wie verschwand, führte der griechische Liturgiewissenschaftler an erster Stelle den Verfall des kirchlichen Lebens an - bedingt etwa auch durch Kreuzzüge oder die Herrschaft der Osmanen.

Dazu sei vielerorts eine wachsende Diskriminierung der Frau gekommen. Der Diakonat der Frauen sei eng verbunden gewesen mit der „Blüte des pastoralen Lebens", wie Theodorou sagte. Mit dem Ende dieser Blütezeit sei auch das weibliche Weiheamt in Vergessenheit geraten.

In diesem Zusammenhang sah der Theologe auch die wesentliche Voraussetzung für eine Wiederbelebung des Frauendiakonats - sowohl im Osten wie im Westen - in einem vielfältigeren kirchlichen Leben. Der Diakonat als eigenständiger Weihestand - auch für Männer - müsse wieder stärker betont werden und dürfe nicht nur als Durchgangsform zum Priesteramt gesehen werden.

Hier sah Theodorou sogar im Westen mit der Wiederbelebung des Ständigen Diakonats teils größere Fortschritte als im Osten.

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