ROM, 7. September 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Sonntag, im mittelitalienischen Viterbo zum Angelusgebet gehalten hat.
Der Papst verwies auf den Sinn seines Pastoralbesuchs - „Stärke deine Brüder!“ (Lk 22,32) -, und forderte die Gläubigen auf, für ihn zu beten. Außerdem ermutigte er sie, nach einer immer volleren Einheit und brüderlicheren Gemeinschaft zu streben. Diese besondere Einheit sei Grundvoraussetzung dafür, das Evangelium wirksam bezeugen zu können.
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Liebe Brüder und Schwestern!Am Schluss dieser feierlichen Eucharistiefeier danke ich noch einmal dem Herrn dafür, dass er mir die Freude geschenkt hat, diesen Pastoralbesuch in eure Diözesangemeinde unternehmen zu dürfen. Ich bin zu euch gekommen, um euch zu ermutigen und in der Treue zu Christus zu festigen, worauf das von euch gewählte Motto sehr treffend hinweist: „Stärke deine Brüder!“ (Lk 22,32). Diese Worte hat Jesus während des letzten Abendmahls an den Apostel Petrus gerichtet und ihm damit die Aufgabe übertragen, hier auf Erden der Hirte seiner ganzen Kirche zu sein.
Seit vielen Jahrhunderten zeichnet sich eure Diözese durch ein besonderes Band der Zuneigung und der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri aus. Ich konnte mir dessen beim Besuch des Papstpalastes und besonders des „Konklavesaals“ bewusst werden. Im weiten Territorium des antiken Tusziens wurde der heilige Leo der Große geboren, der der Wahrheit in der Liebe durch die eifrige Übung des Wortes einen großen Dienst leistete, wie dies seine Predigten und Briefe bezeugen. Blera ist der Geburtsort von Papst Sabinianus, dem Nachfolger des heiligen Gregors des Großen; in Canino wurde Paul III. geboren. Viterbo wurde für die ganze zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts als Residenz der römischen Bischöfe gewählt; hier wurden fünf meiner Vorgänger gewählt, und vier von ihnen sind hier bestattet. 50 Päpste haben die Stadt besucht – zuletzt der Diener Gottes Johannes Paul II. vor nunmehr 25 Jahren. Diese Zahlen besitzen eine historische Bedeutung, in diesem Moment möchte ich jedoch vor allem ihre geistliche Bedeutung hervorheben. Viterbo wird zurecht die „Stadt der Päpste“ genannt, und dies bildet für euch einen weiteren Ansporn, den christlichen Glauben zu leben und zu bezeugen, denselben Glauben, für den die heiligen Märtyrer Valentin und Hilarius, die in der Kathedralkirche aufbewahrt werden, ihr Leben gegeben haben. Sie waren die ersten einer langen Reihe von Heiligen, Märtyrern und Seligen eures Landes.
„Stärke deine Brüder!“: Diese Aufforderung des Herrn spüre ich heute mit einer besonderen Intensität an mich gerichtet. Betet, liebe Brüder und Schwestern, damit ich den Auftrag des Hirten der ganzen Herde Christi (vgl. Joh 21,15 ff.) immer in Treue und Liebe erfüllen kann. Meinerseits sichere ich euch ein ständiges Gebetsgedenken beim Herrn für eure Diözesangemeinschaft zu, damit ihre unterschiedlichen Ausformungen – von denen ich eine symbolische Darstellung auf den neuen Türen des Domes bewundern konnte – nach einer immer volleren Einheit und brüderlicheren Gemeinschaft streben; diese nämlich sind unverzichtbare Bedingungen dafür, der Welt ein wirksames Zeugnis für das Evangelium zu bieten. Ich werde diese Gebetsmeinungen am Nachmittag der Jungfrau Maria anvertrauen, wenn ich das Heiligtum der „Madonna della Quercia“ besuchen werde. Jetzt bitten wir sie mit dem Gebet, das uns ihr Ja zur Verkündigung des Engels in Erinnerung ruft, darum, dass sie unseren Glauben immer stark und voller Freude erhalte.
Angelus Domini…
[Nach dem Mariengebet erklärte Papst Benedikt XVI.:]
Ich möchte nun einen herzlichen Gruß an die Teilnehmer des Internationalen Kongresses „Menschen und Religionen“ richten, der unter dem Leitwort „Bekenntnisse und Kulturen im Dialog“ in Krakau stattfindet. Zahlreiche Persönlichkeiten und Vertreter der verschiedenen Religionen sind auf Einladung der Erzdiözese Krakau und der Gemeinschaft „Sant’Egidio“ zusammengekommen, um 70 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges über den Frieden nachzudenken und für ihn zu beten. Es ist notwendig, dass wir der dramatischen Geschehnisse gedenken, die der Anlass zu einem der schrecklichsten Kriege der Geschichte waren, der Millionen von Toten gefordert und dem geliebten polnischen Volk viel Leid eingebracht hat; ein Krieg, der die Tragödie des Holocausts und die Vernichtung weiterer Scharen von Unschuldigen gesehen hat.
Das Gedenken an diese Ereignisse drängt uns, für die Opfer zu beten sowie für all jene, die noch an Leib und Seele verwundet sind. Außerdem sei es allen eine Mahnung, solche Barbareien nicht zu wiederholen und die Bemühungen zu intensivieren, um in unserer Zeit, die noch immer von Kriegen und Konflikten gezeichnet ist, einen dauerhaften Frieden aufzubauen und dabei vor allem den neuen Generationen eine Kultur und einen Lebensstil zu vermitteln, die von Liebe, Solidarität und Hochachtung des anderen geprägt sind. In dieser Hinsicht ist der Beitrag besonders wichtig, den die Religionen dabei leisten können und müssen, Vergebung und Versöhnung zu fördern – als Gegengewicht zu Gewalt, Rassismus, Totalitarismus und Extremismus, die das Bild des Schöpfers im Menschen entstellen, den Horizont Gottes auslöschen und folglich zur Geringschätzung des Menschen selbst führen. Der Herr helfe uns, ausgehend von Liebe und gegenseitigem Verständnis Frieden zu stiften (vgl. Caritas in veritate, 72).
[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]
















