CONAKRY/GUINEA, 1. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Die Zahl der Opfer der gewaltsamen Unterdrückung der Kundgebung in Conakry, der Hauptstadt von Guinea, steigt auf 158. Zugleich aber verhängte Guineas Militärmachthaber, Hauptmann Camara, der sich bei den Wahlen im kommenden Januar als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen will, ein landesweites Versammlungs- und Demonstrationsverbot.
„Seine Gegner sollen keine Chance haben, sich seinem Machtstreben zu widersetzen“ urteilt die Weltpresse über den Diktator. Die nicht genehmigte Kundgebung der Oppositionellen des afrikanischen Staates, sollte den Protest gegen die Militärjunta zum Ausdruck bringen, die mit einem Staatsstreich vor 9 Monaten die Macht übernommen hatte. Anfangs wurde von 58 Todesopfern berichtet.
Der Fidesdienst sprach mit Beobachtern aus der Ortskirche des westafrikanischen Landes, die aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden wollen. „Es gibt Augenzeugen, die davon berichten, dass sie in den beiden Krankenhäusern von Conakry über 30 Leichen gesehen haben. Die Ärzte berichteten, davon, dass viele Leichen direkt zum Militärcamp Alpha Yaga gebracht wurde. Unter den Verletzten sind auch die guineanischen Oppositionsführer Diahlen Diallo und Sidia Toure, die zudem festgenommen wurden. Die Wohnungen der Oppositionsführer wurden geplündert“.„Der UN-Sicherheitsrat hat die Tötung von Demonstranten durch Soldaten in Guinea scharf verurteilt und eine unabhängige Untersuchung des Massakers gefordert. In einer in New York verbreiteten Erklärung des höchsten UN-Gremiums wird die Militärregierung des westafrikanischen Staates zudem aufgefordert, alle politischen Gefangenen freizulassen“, meldete die Deutsche Welle.
„Bereits in der vergangenen Woche wurden Auseinandersetzungen befürchtet“, so der Beobachter weiter, „nachdem sich die politische Debatte verschärft hatte. Die ehemaligen Regierungschefs (unter der Diktatur Conte) verurteilten die Kandidatur Dadis' bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Januar. Es wurden Parteien und eine Koalition (die „Lebendigen Kräfte“) gegründet und man hatte in Paris, Brüssel, New York vorgesprochen. Die neuen Parteien betrachten die Kandidatur Dadis’ als ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg der eigenen Machtübernahme. Nun zeigte Dadis beim ersten Anlass das wahre Gesicht seines Militärregimes.
Im Vorfeld der Kundgebung, die am 28. September blutig unterdrückt wurde, hatten die Bischöfe an das Verantwortungsbewusstsein aller appelliert und um Gewaltlosigkeit gebeten: „Als Hirten der katholischen Kirche appellieren wir an das Gewissen aller und jedes Einzelnen, damit diese Kundgebung friedlich verlaufen möge“,und baten, „jede Form von unverhältnismäßiger Unterdrückung und sinnlose Gewalt zu vermeiden“.
Die Bischöfe erinnern an die jüngsten tragischen Ereignisse in der Geschichte des Landes und fragen sich: „Wie viele Familien unseres Landes trauern bereits um einen oder mehrere Angehörige, die durch menschliche Gewalt starben? Wie viele Familien warten noch darauf, dass das tragische und unmenschliche Sterben so vieler Bürger des Landes aufgeklärt wird? Wurde auf dem Boden unseres Landes nicht bereits zu viel unschuldiges Blut vergossen?“
Auslöser der Unruhen war eine Kundgebung im Fußballstadion bei der tausende Menschen gegen die Kandidatur Dadis’ protestierten. Dadis hatte versucht die Kundgebung zu verhindern, indem er einen nationalen Feiertag ausrief (zur Erinnerung an die Weigerung von Sekou Touré, der Communauté Francaise beizutreten, wie es die Verfassung der V. Republik De Gaulle 1958 vorsah, was Auslöser für den Unabhängigkeitskampf des Landes war).
Die Kundgebung im Fußballstadion war zwar von der Militärjunta verboten worden, doch die Demonstranten hatten die Eingangstore niedergerissen. Im Stadion setzte die Polizei Tränengas ein und begann auf die Demonstranten zu schießen. Hier gab es die meisten Toten.
Augenzeugen berichten auch von der Anwesenheit von Sondereinheiten mit Gesichtsmasken. In der Nähe des Stadions überfielen die Demonstranten im Stadtviertel Belle Vue ein Polizeikommissariat, dabei wurde ein Polizist bei lebendigem Leib verbrannt und zahlreiche Waffen entwendet. Die Unruhen wurden am Stadtrand fortgesetzt, wo vor allem Peul (Bambeto, Hamdalay) wohnen. Die Kundgebung der „Lebendigen Kräfte“ wurde von den Gewerkschaften nicht unterstützt.
Die muslimische Gemeinde und die katholische und anglikanische Kirche hatten zuletzt am 25. September in Verlautbarungen die Menschen darum gebeten, zu Hause zu bleiben und von Gewalt abzusehen. Die „Lebendigen Kräfte“ warfen den Kirchen und der muslimischen Gemeinde darauf hin vor, sie stünden auf der Seite der Regierung und hätten keinen Bezug zur Geschichte“.
Während aus Conakry von weiteren Schießereien berichtet wird, haben die Vereinten Nationen, die Afrikanischen Union, die Europäische Union und mehrer Länder, darunter Frankreich und die Vereinigten Staaten, den Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten verurteilt.
















