ZG09112803 - 28.11.2009
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Dieter Hattrup: „Ertrag eines Jubiläumjahres: Darwin als Kirchenvater?“


Der Zufall als Garant der Freiheit des Schöpfergottes


Sandra Lobnig

WIEN, 28. November 2009 (ZENIT.org).- Dem Atheismus könne mit Charles Darwin argumentativ der Rang abgelaufen werden, erklärte der Dogmatiker und Naturwissenschaftler Prof. Dieter Hattrup aus Paderborn am Mittwochabend bei einem Vortrag in der Katholischen Hochschulgemeinde Wien (http://www.khg.or.at/). „Ertrag eines Jubiläumjahres: Darwin als Kirchenvater?“ lautete der Titel des Vortrags, der im Rahmen des Darwin-Jahres von der KHG und der Wiener Katholischen Akademie gemeinsam organisiert worden war. Die These Hattrups: Darwin durchbricht mit seiner Evolutionslehre das Lieblingsdenkmuster der Naturwissenschaft, wonach in der Natur alle Prozesse mit vorhersagbarer Notwendigkeit ablaufen. Darwin führt den unerhört neuen Faktor „Variation und Selektion“ in die Wissenschaft ein und damit auch den Zufall: Das Leben steht für ihn auf den beiden Prinzipien Zufall und Notwendigkeit.

Im März war es Kardinal Schönborn, der angesichts der Frage nach Evolution und Wandel in der Welt einen hermeneutischen Rahmen für die christliche Reflexion dieser Fragestellung geliefert hat: „Die Evolutionsforschung kann nur fragen, wie die Formen des Lebens sich entwickelt haben. Aber warum der Mensch da ist, was das Ziel seines Daseins ist, das kann keine Naturwissenschaft beantworten, und wenn sie es zu tun beansprucht, verlässt sie den Boden ihrer Wissenschaftlichkeit und wird zur Weltanschauung."

„Darwin war ein Augenzeuge. Er hat etwas gesehen, was andere nicht gesehen haben. Aber er konnte es nicht richtig deuten“, so Hattrup. Darwin habe in der Natur Mutation und Selektion beobachtet und dies ausgehend von einer rein mechanisch geprägten Naturauffassung her interpretiert, die allein ein materielles Prinzip der Wirkursächlichkeit gelten lässt“.

Dieter Hattrup ist ein Forscher, der Darwin konsequent weiter denkt. Schon in seinem Buch Darwins Zufall oder Wie Gott die Welt erschuf vertiefte er den Blick in Darwins Welt mit Zufall und Notwendigkeit als Bausteinen der Natur. Hattrup geht es darum, das Kausalprinzip nicht auf Wirkursächlichkeit zu reduzieren.

Welche Konsequenzen das für die Naturwissenschaften und für die christliche Schöpfungslehre hat, ist klar: Eine Wissenschaft, die die Natur rein mit Gesetzen erklärt, führt notwendigerweise in den Atheismus.

Laut Hattrup liegt der Schlüssel zur Freiheit und damit zum freien Schöpferhandeln Gottes in der Möglichkeit des „Zufalls“. Bei seinen Beobachtungen habe Darwin die Bedeutung des Zufalls nicht vertieft.

Würde man die Welt, so wie es lange geschehen sei, nur durch Naturgesetze erklären, also durch Notwendigkeit, bliebe für Freiheit und damit für ein freies Schöpferhandeln Gottes kein Platz. Der Zufall in der Natur erlaube es jedoch, Freiheit zu denken. Er sei „das trojanische Pferd in der Stadt des totalitären Atheismus“, so der Theologe. Denn: Nur wenn Freiheit möglich ist, seien Gott und der Mensch möglich. Freiheit sei zwar nicht beweisbar, man könne aber – aufgrund des Zufalls – auf sie schließen, erklärt Hattrup.

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