ZG09122502 - 25.12.2009
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Lateinischer Patriarch von Jerusalem beschwört den Sieg der Liebe


Bei der Mitternachtsmesse in der Geburtskirche in Bethlehem


BETHLEHEM, 25. Dezember 2009 (ZENIT.org).- In Bethlehem fanden sich in der Mitternachtsmette Tausende von Christen aus aller Welt zu den traditionellen Feierlichkeiten ein. "Friede und Gewaltlosigkeit sollten Hass, Krieg und Gewalt ersetzen", so die Botschaft der Predigt des lateinischen Patriarchen von Jerusalem. Bei der Mitternachtsmesse in der Geburtskirche in Bethlehem bezeichnete Erzbischof Fouad Twal die finanziellen Probleme der Welt von heute als Folge, dass man "die Armen vergisst".

"Weihnachten wird immer ein Schrei sein, der das Gewissen dieser materialistischen Welt stört, deren Grundsätze der grenzenlose Konkurrenzkampf und ein Wettlauf um Bereicherung auf Kosten der Armen sind".

Tausende Touristen und Pilger aus aller Welt waren zu den Feierlichkeiten nach Bethlehem geströmt.

Wir veröffentlichen den vollständigen Wortlaut der Predigt!

* * *

Liebe Brüder und Schwestern,

“Als Joseph und Maria in Bethlehem waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“ (Vgl. Luk 2, 6-7)

Im Namen des Kindes von Bethlehem, das in einer armen Grotte geboren wurde, und im Namen derer, die ihm gleichen, den vielen Kindern, die bei ihrer Geburt kein Obdach hatten und den Kindern in den Flüchtlingslagern, heiße ich euch mit den Worten des Engels an die Hirten herzlich willkommen: „Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Luk 2, 10-12) Wir wünschen, dass sich dieses Heil im Heute Gottes aufs Neue verwirklicht, ausgehend von dieser Stadt, dieser Grotte und dieser Krippe, zu der wir das göttliche Kind gleich in einer Prozession tragen werden.

“Heute ist uns der Retter geboren.“ (Luk 2, 11); „Kommt, lasst uns anbeten“ (Psalm 95,6). Heute ist uns ein Retter geboren.“… Das Wort heute, das der Himmel vor 2000 Jahren an die Erde gerichtet hat, ist unser Heute und das Heute aller Menschen aller Zeiten, denn „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Heb 13,8) Die Zeit des Menschen ist ein vergängliches Geschenk, während die Zeit Gottes ein andauerndes Geschenk ist, denn der Herr ist das Sein an sich, er ist „der der ist“ (Vgl. Ex 3, 14). Auch Christus, das Wort Gottes, ist der „der ist und der war und der kommt“ (Off 1,8). Heute wird unser Herr noch einmal mitten unter uns geboren.

Die Geburt Jesu fordert eine radikale Änderung im Leben des Menschen: „ein Licht strahlt auf“ um uns zu leuchten, die wir „in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ (Jes 9, 1 und Luk 1, 79). Dieses Licht ist das Licht der allumfassenden Liebe. Unsere Herzen neigen dazu, die Liebe nur für diejenigen aufzusparen, die uns am nächsten stehen: die Liebe der Eltern für ihre Kindern oder die Liebe von Ordensmitgliedern füreinander. Diese Liebe muss auf die Welt hin ausgeweitet werden, denn das Maß der Liebe ist es, maßlos zu lieben.

Friede und Gewaltlosigkeit sollten Hass, Krieg und Gewalt ersetzen; Der Geist sollte über die Materie siegen; Offenheit, Gastfreundschaft und die Verfügbarkeit für andere sollten die Mauer der Trennung und der Isolation niederreißen, damit „Gott in der Höhe“ verherrlicht werde und „Friede auf Erden“ werde „bei den Menschen, die ihn lieben“. (Luk 2, 14)

“Und das Wort ist Fleisch geworden” (Joh 1, 14). Das ist das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit: Das Wort Gottes wurde Mensch „als die Zeit erfüllt war“ (Gal 4,4). Gott hat ein menschliches Antlitz angenommen; er ist Mensch geworden, um den Menschen zu erhöhen und an sich zu ziehen! Das Geheimnis der Inkarnation, das den menschlichen Geist bei weitem übersteigt, steht im Zentrum unseres christlichen Glaubens. Es gehört zum Plan Gottes für das Heil und die Errettung des Menschen. Die Apostel und Jünger waren angesichts dieses Geheimnisses von Bewunderung ergriffen. Sie haben es kraftvoll durch ihr Wort verkündigt und mit ihrem Blut besiegelt.

Die Demut des menschgewordenen Wortes Gottes steht uns beständig als Beispiel vor Augen und ist ein Heilmittel gegen den Stolz. Das ewige Wort hat sich erniedrigt und auf seine göttlichen Vorrechte verzichtet, um als armes Kind in einer Krippe geboren zu werden. Wenn Gott in seiner göttlichen Herrlichkeit erschienen wäre, hätte Er uns geblendet und wir hätten ihn nicht als einen der Unseren betrachtet, als Mitglied der menschlichen Familie. Seine schlichte Geburt ist uns ein Beispiel. Wenn Gott der Ärmste unter den Armen geworden ist, der Bedürftigste unter den Bedürftigen, dann heißt das, dass es keinen anderen Weg zum ewigen Glück gibt, als unseren Stolz zu besiegen und demütig und einfach zu leben. Das Beispiel dessen „der reich war und unseretwegen arm wurde, um uns durch seine Armut reich zu machen“ (Vgl. 2 Kor 8,9) macht uns Mut. Damit hat Er die Prinzipien des Teilens und der Solidarität grundgelegt. Die finanziellen Probleme der Welt von heute rühren daher, dass sie die Armen vergisst. Weihnachten wird immer ein Schrei sein, der das Gewissen dieser materialistischen Welt stört, deren Grundsätze der grenzenlose Konkurrenzkampf und ein Wettlauf um Bereicherung auf Kosten der Armen sind.

Wenn der Mensch sich weigert, die Güter dieser Welt in einem Geist der Solidarität zu teilen, dann wird das Geld zu einem Idol, und er wird den Preis für seine Trennung von Gott zahlen müssen. Angesichts der jüngsten Rezession der Weltwirtschaft ist es an der Zeit, dass die Welt erkennt, dass die Werte der Mäßigung und des Teilens Vorrang haben. Diese Werte allein können die Weltwirtschaft wieder in Schwung bringen. In der Tat: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Mt 16, 26)

Jesus Christus in seiner Heimat

Im Namen aller Gläubigen der Pfarreien von Jordanien, Palästina, Israel und Zypern und im Namen der Gläubigen von Bethlehem, Mitbürgern Jesu, richte ich mich an die Gläubigen in der ganzen Welt und bitte sie um ihr Gebet für das Heilige Land. Es ist ein Land, das leidet und hofft. Seine Einwohner leben als verfeindete Brüder. Wann werden wir verstehen, dass ein Land die Bezeichnung „heilig“ nur dann verdient, wenn die Menschen, die in ihm wohnen, heilig werden? Dieses Land wird es wahrhaftig nur dann verdienen, heilig genannt zu werden, wenn in ihm Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe, Versöhnung, Frieden und Sicherheit wohnen.

Wie können wir uns an Weihnachten erfreuen, wenn wir sehen, wie sich das Drama, das die Geburt Jesu begleitet hat, in der Geschichte wiederholt? Christus hatte kein Haus in Bethlehem, und auch heute sind viele unserer Mitbürger aufgrund menschlicher Ungerechtigkeit obdachlos; Hunderttausende sind schon wegen der Schwierigkeiten und der Unsicherheit ausgewandert, um woanders eine bessere Lebensqualität zu suchen; andere versuchen, das Land ihrer Vorfahren zu verlassen, das Land, das durch die Menschwerdung Gottes geheiligt wurde.

Wie können wir uns an Weihnachten erfreuen, wenn wir des Krieges und der Tragödie im Gazastreifen gedenken, der vor einem Jahr stattgefunden hat? Der Belagerungszustand der Stadt ist erstickend, die Freiheit von Verkehr und Transport sind eingeschränkt. Viele Familien leben getrennt.

Und dennoch, nichts kann uns daran hindern, dem Herrn zu singen und ihn anzurufen: „Oh Herr, reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge zittern vor dir.“ (Jes 63, 19) “Rorate coeli desuper et nubes pluant justum” (Katholische Adventliturgie) Herr, du bist der Emmanuel, „Gott mit uns“. Auch wir sehnen uns danach, mit dir zu sein. Mögest du die Menschen, die im Konflikt leben, durch den Stern und durch deine Gnade zu deiner Krippe führen, die Regierungschefs und die politischen Entscheidungsträger, die die Macht haben, zu entscheiden und die das Schicksal der Menschen in ihren Händen halten. Mögen sie die Weihnachtsbotschaft entdecken, diese Botschaft, die Demut lehrt und dem Menschen die Würde, Kinder Gottes zu sein, zurückgibt!

Wir wollen in dieser Weihnacht gemeinsam mit allen Menschen guten Willens für den Frieden beten. Der Friede, den wir erbitten, unterscheidet sich vom Frieden, den die Welt uns verspricht und gibt. Der Friede, den die Welt uns gibt, ist auf Kraft und Gewalt gegründet. Wir suchen den Frieden, der auf Gerechtigkeit und menschlicher Würde gegründet ist. An das Leid der Welt, die Interessenskonflikte, das Doppelspiel, das Wettrüsten und an den Besitz von Vernichtungswaffen denkend, bitten wir vereint mit allen obdachlosen Kindern, die sich in den Gassen der Flüchtlingslager selbst überlassen sind, das Kind von Bethlehem, dass über unserem Land die Sonne der Gerechtigkeit, der Liebe und des Lebens aufgehe, um das Gespenst des Todes und der Zerstörung zu verjagen. Mögen unsere Kinder und die Kinder im Gazastreifen Weihnachtsfreude erfahren, die Freude, den Weihnachtsbaum anzuzünden und zu schmücken, Zeichen des Lebens und der Hoffnung auf das Leben.

Oh, Kind aus Bethlehem, wir sind dieser Situation so müde, wir sind müde, zu warten und wir sind der Reden und Versprechen müde, der Vorträge, der Wartezeiten und Verhandlungen.

Oh Kind aus Bethlehem, schenke uns Geduld, schenke uns deine Liebe und Sanftmut! Wir bitten dich, dass sich im neuen Jahr Hände zur Versöhnung reichen, Absichten gereinigt werden, sich Herzen einander in Liebe zuwenden, Zwietracht verschwindet, Mauern fallen und stattdessen Brücken des Verstehen und der Versöhnung gebaut werden.

Liebe Brüder und liebe Kinder,

Mögen die Gnade und die Liebe Gottes für alle Menschen, unabhängig von ihrem Bekenntnis oder ihrer Nationalität, uns helfen, den Frieden mehr und mehr zu suchen. Arbeiten wir dort, wo wir sind, am Kommen des Reiches Gottes, „dem Reich der Liebe und der Gerechtigkeit“ (Aus der Präfation zum Christkönigsfest)

Mögen wir in jedem Menschen, jeder Frau und jedem Kind, das Antlitz Jesu sehen, Sohn dieses Landes, unser Mitbürger, der gesagt hat: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden!“ (Mt 5, 1-12)

Frohe Weihnachten !

† Patriarch Fuad Twal

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