ROM, 4. Januar 2010 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. vor dem Angelusgebet am 2. Sonntag nach Weihnachten gehalten hat.
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Liebe Brüder und Schwestern!
Ich freue mich, am heutigen Sonntag – dem zweiten nach Weihnachten und dem ersten des Neuen Jahres – allen nochmals meine besten Wünsche im Herrn auszusprechen! In der Kirche und in der Welt sowie auch im täglichen Leben der Familien fehlt es nicht an Problemen. Doch Gott sei Dank basiert unsere Hoffnung weder auf ungewissen Prognosen noch auf wirtschaftlichen Voraussagen, auch wenn diese wichtig sind. Unsere Hoffnung gründet auf Gott selbst, und nicht auf einer Form von Volksfrömmigkeit oder einer mit Glauben bemäntelten Fügung des Schicksals. Wir vertrauen auf den Gott, der in Jesus Christus in vollendeter und endgültiger Art und Weise seine Entschiedenheit offenbart hat, mit dem Menschen zu sein, an seiner Geschichte teilzuhaben, um uns alle in sein Reich der Liebe und des Lebens zu führen. Und diese große Hoffnung beseelt unsere menschliche Hoffnung und berichtigt sie gelegentlich.
Von dieser Selbstoffenbarung berichten uns heute in der eucharistischen Liturgie drei biblische Lesungen von außerordentlichem Reichtum: das 24. Kapitel aus dem Buch des Jesus Sirach, das Loblied, das den Epheserbrief des heiligen Paulus einleitet sowie der Prolog des Johannesevangeliums. Diese Texte erklären, dass Gott nicht nur der Schöpfer des Universums ist – ein Aspekt, der auch in anderen Religionen verbreitet ist –, sondern dass er Vater ist, der „uns erwählt (hat) vor der Erschaffung der Welt... dazu bestimmt, seine Söhne zu werden“ (Eph 1, 4–5), und dass er aus diesem Grund bis zu dem unfassbaren Punkt gelangt ist, Mensch zu werden: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1, 14). Das Geheimnis der Fleischwerdung des Wortes Gottes ist im Alten Testament vorbereitet worden, besonders dort, wo die göttliche Weisheit mit dem mosaischen Gesetz übereinstimmt. So sagt die Weisheit: „Da gab der Schöpfer des Alls mir Befehl; er, der mich schuf, wusste für mein Zelt eine Ruhestätte. Er sprach: In Jakob sollst du wohnen, in Israel sollst du deinen Erbbesitz haben“ (Sir 24, 8). In Jesus Christus ist das Gesetz Gottes lebendiges Zeugnis geworden, eingeschrieben in das Herz eines Menschen, in dem durch das Wirken des Heiligen Geistes die ganze Fülle der Gottheit leiblich gegenwärtig ist (vgl. Kol 2, 9).
Liebe Freunde, dies ist der wahre Grund für die Hoffnung der Menschheit: Die Geschichte hat einen Sinn, da sie von der Weisheit Gottes „bewohnt“ wird. Und dennoch erfüllt sich der göttliche Plan nicht automatisch, da er ein Plan der Liebe ist und Liebe Freiheit schafft und Freiheit verlangt. Das Reich Gottes kommt gewiss, ja, es ist bereits in der Geschichte gegenwärtig und hat dank des Kommens Christi bereits die negative Kraft des Bösen besiegt. Doch jeder Mann und jede Frau ist dafür verantwortlich, dies Tag für Tag im eigenen Leben anzunehmen.
Daher wird auch das Jahr 2010 in dem Masse mehr oder weniger „gut“ werden, in dem jeder seiner Verantwortung entsprechend, mit der Gnade Gottes zusammenzuarbeiten weiß. Wenden wir uns also an die Jungfrau Maria, um von ihr diese geistliche Haltung zu lernen. Der Sohn Gottes hat nicht ohne ihre Zustimmung in ihr Fleisch angenommen. Jedes Mal, wenn der Herr gemeinsam mit uns einen Schritt nach vorne, zum „verheißenen Land“ hin machen möchte, klopft er zunächst an unser Herz. Er wartet sozusagen auf unser Ja: und dies bei kleinen Dingen aber auch bei den großen Entscheidungen. Möge Maria uns helfen, den Willen Gottes immer demütig und furchtlos anzunehmen, damit auch die Prüfungen und Leiden des Lebens dazu beitragen, das Kommen seines Reiches der Gerechtigkeit und des Friedens voranzutreiben.
[Die Pilger deutscher Sprache begrüßte der Papst mit den Worten:]
Ein herzliches Grüß Gott sage ich allen deutschsprachigen Pilgern und Besuchern. Der heutige zweite Sonntag nach Weihnachten stellt uns noch einmal das Geheimnis der Menschwerdung Gottes vor Augen: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1, 14). In Jesus Christus ist Gott wirklich der „Gott-mit-uns“. Er ist in unsere Welt eingetreten, einer von uns geworden, um uns als seine Kinder am göttlichen Leben teilhaben zu lassen. Aus diesem Geschenk der Gegenwart und Gemeinschaft Gottes wollen wir leben und auch im neuen Jahr auf dem Weg des Guten voranschreiten. Der Herr segne euch alle!
[Aus dem Italienischen übersetzt von Die Tagespost.de © Copyright 2010 – Libreria Editrice Vaticana]
















