Zilda Arns Neumann
In diesem Sinne, indem wir die Bindungen stärken, die uns als Gemeinschaft einen, können wir Lösungen finden für die schweren sozialen Probleme der armen Familien.
Den Vögeln gleich, die ihre Kinder beschützen, indem sie ihnen ein Nest hoch in den Bäumen und auf Bergen, weit weg von Raubtieren, Bedrohungen und Gefahren und näher bei Gott machen, so sollen wir unsere Kinder als ein heiliges Gut schützen. Indem wir ihre Rechte achten und sie schützen. Danke! Gott sei mit euch allen!"Die Brasilianische Bischofskonferenz hat heute die letzte Rede von Zilda Arns Neumann, die sie in Port au Prince/Haiti am Dienstag vor den Mitgliedern der Ordensoberenkonferenz der Karibik auf Spanisch halten sollte veröffentlicht.Am Dienstag hatten die Ordensleute gerade den Eröffnungsgottesdienst mit dem Apostolischen Nuntius auf Haiti gefeiert. Zilda Arns hatte im Zentrum der Ordensleute in Lilavois einen ersten Vortrag für die Studenten des „Centro Intercongregacional de Formación Religiosa“ (CIFOR) gehalten.
Diese Rede konnte sie nicht mehr halten, weil sie noch in der Kirche von Steinbrocken getroffen, als Opfer dieser Naturkatastrophe starb.
ZENIT veröffentlicht diese Ansprache der berühmten Kinderäztin und Spezialistin für Öffentliche Gesundheit in einer eigenen Übersetzung in zwei Teilen.
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Ich bedanke mich für die ehrenvolle Einladung, die mich erreicht hat. Ich möchte meiner Freude Ausdruck verleihen, hier mit euch allen in Port-au-Prince, Haiti, an der Versammlung der Ordensleute teilnehmen zu können. Als Schwester von zwei Franziskanern und drei Ordensfrauen der Kongregation der „Armen Schulschwestern“, bin sehr glücklich darüber und danke Gott für diesen Moment.In der Tat sind wir alle hier bei dieser Begegnung, weil wir in unserem Inneren einen starken Ruf zur Verbreitung der Frohen Botschaft Jesu in der ganzen Welt spüren. Die gute Nachricht wird immer dann, wenn sie in konkrete Aktivitäten umgesetzt wird, zu Licht und Hoffnung, die dem Aufbau des Friedens in den Familien und unter den Völkern dient.
Der Aufbau des Friedens beginnt im Herzen der Menschen und gründet in der Liebe, die ihre Wurzeln in der Schwangerschaft und der frühen Kindheit hat. Sie verwandelt sich zur Geschwisterlichkeit und sozialen Verantwortung.
Der Friede ist eine kollektive Errungenschaft. Er geschieht, wenn wir die Menschen ermutigen, kulturelle und ethische Werte, die Einstellungen und Verhaltensweisen auf der der Suche dem Gemeinwohl von unserem Meister Jesus zu lernen: "Ich bin gekommen, damit alle das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10, 10).
Es ist zu hoffen, dass die Sozialpartner weiterhin neben ihren ethischen und moralischen Maßstäben unsere Kirche heranziehen und wie diese Lehrer werden, die Familien und Gemeinschaften leiten lernen und dies insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Menschenrechte. Auf diese Weise können wir ein wichtiger Sauerteig in den christlichen Gemeinden und anderen Religionen werden; dies zum Schutz von Kindern von der Empfängnis an. In Ausnahmefällen für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr und auch für Jugendliche.
Wir müssen danach streben, dass unsere Gesetzgeber Gesetze erlassen und eine öffentliche Politik treiben, durch die Qualität in einer umfassenden Bildung gefördert wird, die dem Kind und der Gesundheit absolute Priorität verleiht.
Die Menschen folgten Jesus, weil er Worte der Hoffnung hatte. So sind wir aufgerufen, positive Erfahrungen und Wege bekannt zu machen, die alle Gemeinschaften, Familien und das ganze Land dazu bringen, gerechter und geschwisterlicher miteinander umzugehen. Als Jünger und Missionare sind wir eingeladen zu evangelisieren. Wir wissen, dass die treibende Kraft des sozialen Wandels in der Praxis des größten aller Gebote Gottes besteht: der Liebe, die sich in einer geschwisterlichen Solidarität ausdrückt, die Berge versetzen kann."Gott über alles zu lieben und den Nächsten uns selbst." Das heißt, für die soziale Eingliederung zu arbeiten, die Frucht der Gerechtigkeit ist. Es bedeutet, keine Vorurteile zu hegen. Es heißt, unsere besten Talente für das Leben in Fülle zu geben, vorrangig für all jene, die es am dringendsten benötigen. Kräfte zu bündeln, um diese Ziele zu erreichen, in Demut und Barmherzigkeit zu dienen, ohne die eigene Identität zu verlieren.
All dies erfordert fortlaufend Kommunikation, um unsere Mission des Glaubens und Lebens zu beleuchten, zu fördern, zu stärken und zu demokratisieren. Wir glauben, dass dieser soziale Wandel den höchsten Einsatz von Bemühungen für die ganzheitliche Entwicklung der Kinder erfordert. Diese Entwicklung beginnt, wenn das Kind sich noch im heiligen Schoß seiner Mutter befindet. Wenn Kinder gut behütet werden, entwickeln sie sich zu Samen für Frieden und Hoffnung. Es gibt keinen vollkommeneren, gerechteren und solidarischen Menschen, der schlichtweg keine Vorurteile hegt, als kleine Kinder.
Deshalb erklärt Jesus:“Wenn ihr nicht werdet, wie diese Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich gelangen” (Mt 18, 3). Und: "Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich" (Lk 18, 16).
Heute werde ich mit Ihnen eine wahre Geschichte von Liebe und göttlicher Inspiration teilen, von einem Traum, der wahr wurde. Es war so, wie es den Jüngern von Emmaus erging (Lk 24, 13-35), „Jesus ging mit die ganze Zeit mit ihnen. Sie erkannten ihn beim Brechen des Brotes“. An anderer Stelle, als das Boot im See Genezareth dabei war zu sinken, mitten in den Wellen von Gewalt, war Jesus bei ihnen, um den Sturm zu beruhigen. (Mk 4, 35-41).
Voll Freude möchte ich ihnen deshalb erzählen:“Was ich gesehen und gehört habe und was ich erlebt habe". Es sind nun mehr als 26 Jahre seit der Gründung der „Pastoral da Criança“ im September 1983 vergangen.
Das, was als ein Samenkorn in dem Dorf Florestópolis im Bundesstaat Paraná, in Brasilien begann, hat sich in eine Einrichtung für soziales Engagement der Nationalen brasilianischen Bischofskonferenz entwickelt, die in insgesamt 42.000 Gemeinden und 7.000 armen Pfarreien in allen Bistümern in ganz Brasilien präsent ist.
Auf Grund der geschwisterlichen Solidarität konnte ein Netzwerk von 260.000 Freiwilligen, von denen 141.000 Führungskräfte sind, die in armen Gemeinschaften leben aufgebaut werden. Davon sind 92 Prozent Frauen, die sich dauerhaft am Aufbau einer besseren, gerechteren und brüderlichen Welt beteiligen und sich für den Dienst am Leben und der Hoffnung bereithalten. Jeder Freiwillige widmet so durchschnittlich 24 Stunden pro Monat für diese Mission der Veränderung, die bestrebt ist, Mütter und arme Familien auszubilden und das Brot der Geschwisterlichkeit und des Wissens um den sozialen Wandel miteinander zu teilen.
Das Ziel der „Pastoral da Criança“ besteht darin, die Unterernährung und Kindersterblichkeit zu verringern und eine Förderung der ganzheitlichen Entwicklung der Kinder von der Empfängnis an bis zum sechsten Lebensjahr zu unterstützen. Die frühe Kindheit ist ein entscheidender Abschnitt in Richtung Gesundheit, Bildung, Stärkung der kulturellen Werte, Entwicklung des Glaubens und des sozialen, staatsbürgerlichen Denkens, das tief greifende Auswirkungen für das ganze Leben hat.
Ein wenig Geschichte:
Ich bin der Zwölfte von 13 Kindern, fünf von ihnen sind Ordensleute. Drei Ordensfrauen und zwei Franziskanerpriester. Einer von ihnen ist Kardinal Paulo Evaristo Arns, Erzbischof von Sao Paulo, der für seinen Kampf für die Menschenrechte bekannt ist. Vor allem während der zwanzig Jahre Militärdiktatur in Brasilien. Im Mai 1982, nach der Rückkehr von einem Treffen der Organisation der Vereinten Nationen (UNO), in Genf rief Dom Paulo mich in der Nacht an. Während dieser Sitzung hatte ihm der Generaldirektor des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF, James Grant, sehr eindringlich über das Thema „Orales Serum“ berichtet.Es wird als die größte Weiterentwicklung der Medizin des letzten Jahrhunderts erachtet, dass durch dieses Serum Millionen von Kindern vor dem sicheren Tod gerettet werden konnten, der durch Austrocknung bei Durchfall eintritt. Er ist einer der Hauptursachen der Kindersterblichkeit in Brasilien und der Welt. James Grant konnte Dom Paulo überzeugen, innerhalb der katholischen Kirche Mütter auszubilden, die vorbereitet genug waren, dies orale Serum zu verwalten. Dies könnte Tausende von Leben retten.
Ich war damals seit fünf Jahren Witwe. In der historischen Nacht des Telefonanrufs hatte ich fünf Kinder im Alter zwischen neun und neunzehn Jahren. Er erzählte mir, was er erlebt hatte und bat mich, darüber nachzudenken.
Wie konnte das Angebot der Kirche sich für die Verringerung der Kindersterblichkeit zu engagieren umgesetzt werden? Ich fühlte mich mit dieser neuen Herausforderung selten glücklich. Es war genau das, was ich mir am meisten wünschte: zur Ausbildung der Kinder , der Mütter und Familien beizutragen, damit sie ihren Kindern eine bessere Pflege bieten könnten!
Ich glaube, dass mich Gott irgendwie für diese Aufgabe vorbereitet hatte. Aufgrund meiner Erfahrung als Kinderärztin und Spezialistin für das öffentliche Gesundheitswesen und in den vielen Jahren der Verwaltungsführung der öffentlichen Dienste für Mütter- und Kind Gesundheit stellte ich fest, dass neben der Verbesserung der Qualität der öffentlichen Dienstleistungen und dem sicheren Zugang von Müttern und Kindern zu solchen Diensten schlichtweg das Wissen und die geschwisterliche Solidarität bei den armen Müttern fehlte.Nur so konnten einige grundlegende Maßnahmen zur Umsetzung auf einfache Weise vermittelt und sie in die Lage versetzt werden, ihre Kinder vor Unterernährung und Tod zu bewahren. Ebenso konnte eine Erziehung über Lebensmittel und Ernährung für schwangere Frauen und ihre Kinder, das Stillen, Impfstoffe, Seren und die Vermittlung von Ernährungs-Management sowie Kenntnisse über Anzeichen und Symptome von Erkrankungen der Atemwege, ihre Prävention und Heilung vermittelt werden.
Mir kam dann die Methode in den Sinn, die Jesus verwendet hat, um die Hungrigen zu speisen. Die Jünger erklärten Jesus, dass es am besten sei, sie nach Hause zu schicken, aber Jesus gebot: "Gebt ihr ihnen zu essen." Der Apostel Philippus sagt Jesus gegenüber nicht Nein. Sie hatten kein Geld, um Essen für so viele Menschen zu kaufen. Andreas der Bruder des Simon, sprach von einem Kind, das zwei Fische und fünf Brote hatte. Und Jesus befahl ihnen, sich in Gruppen von fünfzig bis hundert Personen (in kleinen Gemeinden) niederzulassen.
Dann dachte ich: Warum sterben Millionen von Kindern, sterben sie aus Gründen, die sich leicht vermeiden lassen? Oder, was macht sich sie als Jugendliche zu Gewalttätern?
Ich erinnerte mich der Anfang meiner Karriere als Ärztin, als ich mir selbst die Frage nach der Verringerung der Kindersterblichkeit und Unterernährung gestellt hatte. Tausende von Müttern kamen mir da in den Sinn, die von Muttermilch auf eine Schnullerflasche mit verdünntem schmutzigem Wasser umgestiegen waren. Andere Mütter brachten ihre Kinder nicht zur Impfung, weil es noch kein kostenloses Basisangebot im Gesundheitszentrum gab.
Andere Mütter wischten die Nasen ihrer Kinder alle mit dem gleichen Tuch ab oder demütigten ihre Kinder, wenn sie ins Bett machten. Und noch trauriger war es, wenn der Vater betrunken nach Hause kam.
Hörte er die Schreie seiner Kinder nach Hunger und Liebe, wurden sie geschlagen, auch wenn sie noch sehr klein waren. Es ist auf Grund der Forschungsergebnisse der WHO bekannt – ich durfte die Veröffentlichung im Jahr 1994 begleiten - , dass misshandelte Kinder im Alter von einem Jahr eine signifikante Tendenz zur Gewalt und oft zu Verbrechern zeigen, noch bevor sie das 25. Lebensjahr vollendet haben.
Ich war mir sicher, das man der Methode Jesu folgen sollte: Das Volk musste in kleinen Gemeinschaften organisiert werden; Führungspersönlichkeiten und Familien mit schwangere Frauen und Kinder unter sechs Jahren mussten ermittelt werden. Die Führungskräfte, die sich freiwillig für diesen Auftrag zur Verfügung stellten, Leben zu retten, mussten im Geist des Glaubens und des Lebens unterwiesen, technisch geschult und wissenschaftlich vorbereitet werden. Sie sollten ja grundlegende Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung und Bürgerschaft ergreifen lernen. Sie würden bei ihrer Aufgabe begleitet werden, so dass sie sich bei ihrer Arbeit nicht entmutigen lassen würden. Sie würden den Auftrag haben, gemeinsam mit den Familien der Solidarität, Geschwisterlichkeit, Liebe, dem Wissen über die Pflege und Begleitung schwangerer Frauen und Kinder derart zu wachen, dass sie gesund und glücklich würden.
So wie Jesus ihnen gebot, darauf zu achten, dass alle zufrieden waren, sollten wir die Umsetzung durch eine Informationssystem wagen, das mit einigen wenigen Anweisungen starten könnte, die ganz leicht auch von Analphabeten oder gering ausgebildeten Führungspersönlichkeiten verstanden werden könnten. Und ich sah schon vor meinen Augen viele Körbe, gefüllt mit Weisheit und Liebe.
[Übersetzung des Spanischen Originals von Angela Reddemann]















