ROM, 18. Januar 2010 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. vor dem Angelusgebet am Welttag der Migranten und Flüchtlinge gehalten hat.
Liebe Brüder und Schwestern!
Am heutigen Sonntag begehen wir den Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Die Gegenwart der Kirche an der Seite dieser Menschen ist in der Zeit unablässig gewesen und hat zu Beginn des letzten Jahrhunderts besondere Ergebnisse erreicht: Man braucht nur an die Gestalten des seligen Bischofs Giovanni Battista Scalabrini und der heiligen Francesca Cabrini zu denken. In der Botschaft anlässlich dieser Gelegenheit habe ich die Aufmerksamkeit auf die minderjährigen Migranten und Flüchtlinge gelenkt.
Jesus Christus, der als Neugeborener die dramatische Erfahrung des Flüchtlings aufgrund der Drohungen des Herodes durchlebt hat, lehrt seine Jünger, die Kinder mit großer Achtung und Liebe aufzunehmen. Auch das Kind nämlich, gleich welcher Nationalität und welcher Hautfarbe es ist ist vor allem anderen und immer als Person anzusehen, die Bild Gottes ist, und gefördert sowie gegen jede Ausgrenzung und Ausnutzung bewahrt werden muss.
Im Besonderen ist dafür zu sorgen, dass die Minderjährigen, die ein einem fremden Land leben müssen, auf gesetzlicher Ebene geschützt und vor allem in den zahllosen Problemen begleitet werden, die sie bewältigen müssen. Während ich die christliche Gemeinschaft und die Organismen, die sich im Dienst der minderjährigen Migranten und Flüchtlinge einsetzen, eindringlich ermutige, ermahnte ich alle, ihnen gegenüber nach einem echten, dem Evangelium entsprechenden Geist das erzieherische und kulturelle Empfinden lebendig zu erhalten.
Fast 24 Jahre nach dem historischen Besuch des Ehrwürdigen Dieners Gottes Johannes Paul II. werde ich mich heute Nachmittag in die große Synagoge von Rom begeben, die „Großer Tempel“ genannt wird, um der jüdischen Gemeinde der Stadt zu begegnen und einen weiteren Abschnitt auf dem Weg der Eintracht und der Freundschaft zwischen Katholiken und Juden zu setzen. Denn trotz der Probleme und Schwierigkeiten herrscht zwischen den Gläubigen der beiden Religionen eine Atmosphäre großer Achtung und des Dialogs, was Zeugnis für die große Reife der Beziehungen sowie für den gemeinsamen Einsatz zur Betonung dessen ist, was uns vereint: der Glaube an den einen Gott vor allem, aber auch der Schutz des Lebens und der Familie, das Streben nach sozialer Gerechtigkeit und Frieden.
Ich erinnere schließlich daran, dass morgen die traditionelle Gebetswoche für die Einheit der Christen beginnt. Sie bildet jedes Jahr für alle, die an Christus glauben, eine günstige Zeit, um den Geist der Ökumene zu beleben, einander zu begegnen, sich gegenseitig kennen zu lernen und gemeinsam zu beten und nachzudenken.
Das biblische Thema, das dem Evangelium des hl. Lukas entnommen ist, lässt die Worte des auferstandenen Jesus an die Apostel erklingen: „...und ihr seid Zeugen“ (Lk 24,48). Unsere Verkündigung des Evangeliums Christi wird um so glaubwürdiger und wirksamer sein, je mehr wir als wahre Brüder in seiner Liebe vereint sein werden. Ich lade daher die Pfarreien, die Ordensgemeinschaften, die kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen dazu ein, unablässig und besonders während der Eucharistiefeiern für die volle Einheit der Christen zu beten.
Empfehlen wir diese Gebetsmeinungen – die Migranten und Flüchtlinge, unsere Brüder, den religiösen Dialog mit den Juden und die Einheit der Christen – der mütterlichen Fürsprache der allerseligsten Maria, Mutter Gottes und Mutter der Kirche.
[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Papst mit folgenden Worten:]
Von Herzen heiße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache willkommen. Besonders grüße ich die Delegation aus Freising, zu deren Ehrenbürgern ich mich nun zählen darf. Mit dem Propheten Jesaja, dessen Worte wir heute in der ersten Lesung hörten, sind auch wir darum bemüht, dass alle Menschen in Recht und Würde leben können. Doch sehen wir schon an den traurigen Ereignissen dieser Tage in Haiti und vielen anderen Ländern der Erde, dass wir allein diese Welt nicht gut machen können. Bitten wir den Herrn des Lebens um eine Erneuerung und Heilung dieser Erde; empfehlen wir ihm die Opfer der Erdbebenkatastrophe an und helfen wir selbst nach Kräften mit. – Euch allen wünsche ich einen guten Aufenthalt hier in Rom.
[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2010 – Libreria Editrice Vaticana]
















