ZG10012301 - 23.01.2010
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Damaskus: Eine göttliche Offenbarung


Kardinal Rouco gibt im Codex Pauli wesentliche Impulse für die Gebetsoktav zur Einheit der Christen


ROM, 23. Januar 2010 (ZENIT.org).-"Damaskus: Eine göttliche Offenbarung", heißt der Titel eines Beitrags im "Codex Pauli“. Am vergangenen Mittwoch wurde dieses Werk in Rom zum Auftakt der weltweiten "Ökumenischen Gebetsoktav zur Einheit der Christen" vorgestellt. Das Thema der Gebetsoktav für die Einheit der Christen 2010 lautet: "Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen."

Der Codex Pauli, der als einzigartiges Schmuckstück des Kunsthandwerkes gelten darf, enthält wertvolle, bisher unveröffentlichte Beiträge hochkarätiger Ökumenevertreter, die von der Abtei St. Paul vor den Mauern zusammengestellt worden sind. ZENIT wird in den kommenden Tagen als Hommage an den Völkerapostel und zur Stärkung der Einheit unter den Christen einige Beiträge davon exklusiv veröffentlichen.

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Damaskus

Eine göttliche Offenbarung

In der Nähe des Ortes, wo wir uns heute befinden(1), hatte Saulus von Tarsus, der strebsame Pharisäer (Apg 23,6; 26,4-5; Phil 3,5), eine Erfahrung, die sein Leben prägte. Auf geheimnisvolle und zugleich handgreifliche Weise begegnete er dem auferstandenen Jesus, dessen Anhänger er erbittert verfolgte, weil er sie als Abtrünnige des von den Vätern ererbten Glaubens(2) ansah. Mit ein paar schlichten Worten gab ihm der auferstandene Herr seine Situation zu verstehen: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg 9,5). Davor war es für Saulus menschlich unmöglich gewesen, Jesus als den Messias Israels anzuerkennen, nicht nur weil die religiösen Führer seines Volkes ihn abgelehnt hatten, sondern weil er als Verfluchter an einem Kreuze hängend gestorben war: „Denn ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter“ (Dtn 21,23). Dieser Jesus, der für Saulus bislang ein niederträchtiger toter Mann war, zeigt sich ihm nun als einer, der in Überfülle das göttliche Leben besitzt. Die Demut, mit der sich der Herr zeigt, als ein Verfolgter, der sich mit seinen verfolgten Brüdern in seinem Namen identifiziert, zieht schließlich den ihn zuvor unwissentlich Verfolgenden(3) in seinen Bann. Als Saulus „sich vom Boden erhob“ (Apg 9,8), war er bereits ein anderer Mensch. Die Begegnung mit Jesus hatte ihn verwandelt. In einem Brief an die Galater beschreibt Paulus später diese Erfahrung als eine wahre göttliche Offenbarung: „Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate;“ (Gal 1,15-16). Diese Offenbarung besteht in der Begegnung mit dem lebendigen Christus.

Damaskus: Begegnung mit der Kirche

Es ist bezeichnend, dass diese Begegnung, die ihn zum Apostel konstituierte (4), ohne seine sichtbare Eingliederung in die Kirche unvollständig geblieben wäre; die Blindheit, die erst nach seiner Taufe (Apg 9,8.18) aufhört, ist Zeichen dieser Wirklichkeit. Der Auferstandene sagte es auch ganz klar: „Steh auf, und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.“ (Apg 9,6). Es wird Hananias sein, ein angesehenes Mitglied der kleinen christlichen Gemeinde von Damaskus, der ihn annimmt und ihn tauft. Wie wichtig ist die Lehre des heiligen Paulus in Bezug auf dieses Grund-Sakrament! (5) Diese Lehre erlaubt uns, seine Erfahrung in dieser Stadt zu erahnen: hier wurde Saulus in Christus eingegliedert, hier erhielt er die Gnade der Rechtfertigung durch den Glauben, hier fing er an, die innige Vereinigung mit dem Herrn zu leben, die ihn sagen lässt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Dies erlebte Paulus, wie es auch nur sein kann, innerhalb der Kirche, die, gegründet auf den Felsen Petri, bereits begann, sich außerhalb Palästinas zu verbreiten. In aller Demut erhielt er von der Kirche Christi, die bescheiden in Damaskus wirkte, die Gabe der Taufe und das neue Leben, das sie mit sich bringt. Von nun an sind für Saulus (der bald danach Paulus, Apostel der Heiden (6), genannt wird), Christus und die Kirche untrennbar miteinander verbunden und bilden eine einzige Wirklichkeit. Die Worte des auferstandenen Herrn („Warum verfolgst du mich?“) bilden die Grundlage für seine große Lehre von der Kirche als dem Leib Christi (Röm 12,5; 1 Kor 12,27; Eph 1,22-23, Kol 1,18).

Das Paulus-Jahr: Erneuerung dieser Erfahrung für die Kirche heute

Die Feier des Paulus-Jahres, das wir an diesem durch die Anwesenheit des Apostels geheiligtem Ort heute im Namen seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. feierlich abschließen, hat eine Erneuerung des kirchlichen Lebens bedeutet, für die wir dem Herrn sehr dankbar sind. Als eine geistige Fortsetzung des großen Jubiläumsjahres 2000, in dem wir feierten, dass „als aber die Zeit erfüllt war, Gott seinen Sohn sandte, geboren von einer Frau“ (Gal 4,4), hat uns das zweitausendjährige Jubiläum der Geburt des Apostels Paulus erlaubt, zu den Quellen unseres Glaubens zurückzukehren, die auf außerordentliche Wiese von ihm bezeugt werden. Seine Person führt uns zum Wesentlichen: zur Erfahrung des auferstandenen Christus in der Kirche. Als Christen des dritten Jahrtausends müssen wir unsere Gemeinschaft mit dem lebendigen Christus als Grundlage für alle unsere Lebens- und Arbeitsbereiche ständig erneuern. Der Herr, der - wie wir in der Lesung des zweiten Briefes an Timotheus hörten - Paulus inmitten all seiner Versuchungen Kraft gab und den Mut, das Evangelium allen Menschen, im Besonderen den Heiden zu verkünden, bietet sich heute auch uns als Begleiter bei unserem alltäglichem Zeugnisgeben an. Das Empfinden unserer kirchlichen Zugehörigkeit als etwas äußerst Lebenswichtiges bedarf dringend auch einer Erneuerung. Es ist nicht möglich, Christus außerhalb der Kirche zu kennen und zu lieben, weil er in der Kirche lebt. Bitten wir um die Fürsprache des heiligen Paulus, dass wir als Jünger des Herrn uns auch als Jünger seines Apostel bekennen, auf dass wir auf die Herausforderungen unserer Zeit mit seiner Erfahrung antworten: „Denn für mich ist Christus das Leben“ (Phil 1,21).

Von Kardinal Antonio Rouco Valera, Erzbischof von Madrid, Predigt zum Abschluss des Paulus-Jahr in Damaskus

Übersetzt aus dem Spanischen von Iria Staat

1 „Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte,“ (Apg 9.3)

2 Gal 1,13, 1 Kor 15,9; Phil 3,6,. vgl. Apg 9,1-2; 22,4-5; 26,9-11.

3 Vgl. 1 Tim 1,13: “Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat.“

4 1 Kor 9,1: „Bin ich nicht ein Apostel? Habe ich nicht Jesus, unseren Herrn, gesehen?“

5 “Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,4), „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.“ (1 Kor 12,13), „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.“ (Gal 3,27), „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,” (Eph 4,5), „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.“ (Kol 2,12).

6 Saulus-Paulus: Apg 13,9, „Apostel der Heiden“: Röm 11,13.

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