ZG10012501 - 25.01.2010
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Papst: Menschen erwarten zu Recht viel von Christen


Papstansprache zum Angelusgebet am 3. Sonntag im Jahreskreis


ROM, 25. Januar 2010 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. vor dem Angelusgebet am 3. Sonntag im Jahreskreis während der Internationalen Gebetsoktav für die Einheit der Christen gehalten hat.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Unter den biblischen Lesungen der heutigen Liturgie findet sich der berühmte Text aus dem Ersten Brief an die Korinther, in dem der hl. Paulus die Kirche mit dem menschlichen Leib vergleicht. So schreibt der Apostel: „Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt“ (1 Kor 12,12-13). Die Kirche wird als Leib gedacht, dessen Haupt Christus ist, und sie bildet eine Einheit mit ihm. Den Apostel drängt es zur Mitteilung der Vorstellung von der Einheit in der Vielheit der Charismen, die Gaben des Heiligen Geistes sind. Dank ihrer zeigt sich die Kirche als ein reicher und lebendiger Organismus, die nicht gleichförmig ist, Frucht des einen Geistes, der alle zu einer tiefen Einheit führt, indem er die Unterschiede annimmt, ohne sie aufzulösen, und ein harmonisches Miteinander verwirklicht. Sie verlängert in der Geschichte die Gegenwart des auferstandenen Herrn, besonders durch die Sakramente, das Wort Gottes, die Charismen und die in der Gemeinde verteilten Ämter. Deshalb ist die Kirche gerade in Christus und im Geist die eine und heilige, das heißt eine innige Gemeinschaft, die über die menschlichen Fähigkeiten hinausgeht und sie stärkt.

Gern stelle ich diesen Aspekt heraus, während wir die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ begehen, die morgen, am Fest der Bekehrung des hl. Paulus, zu Ende gehen wird. Der Tradition entsprechend werde ich am Nachmittag in der Basilika St. Paul vor den Mauern unter der Teilnahme der Vertreter der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in Rom die Vesper feiern. Wir werden zu Gott um das Geschenk der vollen Einheit aller Jünger Christi beten, und dem Thema dieses Jahres entsprechend werden wir das Bemühen erneuern, gemeinsam Zeugen des gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu sein (vgl. Lk 24,48). Die Gemeinschaft der Christen macht nämlich die Verkündigung des Evangeliums glaubwürdiger und wirksamer, wie Jesus selbst erklärte, als er am Vorabend seines Todes zum Vater betete: „Alle sollen eins sein..., damit die Welt glaubt“ (Joh 17,21).

Schließlich, liebe Freunde, möchte ich an die Gestalt des hl. Franz von Sales erinnern, dessen liturgisches Gedächtnis am 24. Januar begangen wird. 1567 in Savoyen geboren, studierte er Rechtswissenschaften in Padua und Paris und wurde vom Herrn zum Priester berufen. Äußerst erfolgreich widmete er sich der Verkündigung und der geistlichen Bildung der Gläubigen und lehrte sie, dass die Berufung zur Heiligkeit für alle gilt und dass jeder – wie der heilige Paulus mit seinem Gleichnis des Leibes sagt – seinen Platz in der Kirche hat. Der hl. Franz von Sales ist der Schutzherr der Journalisten und der katholischen Presse. Seinem geistlichen Beistand vertraue ich die Botschaft zum Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel an, die ich jedes Jahr zu diesem Anlass unterzeichne und die gestern im Vatikan vorgestellt worden ist.

Die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, erwirke es für uns, das wie stets in der Gemeinschaft vorangehen, um die Schönheit der Tatsache zu vermitteln, eins in der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu sein.

[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Papst mit folgenden Worten:]

An diesem Sonntag in der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen grüße ich die deutschsprachigen Pilger hier auf dem Petersplatz. Durch die Taufe sind wir alle zu Gliedern an dem einen Leib Christi geworden und dazu berufen, als Gemeinschaft in der Welt gleichsam das Wirken seines Geistes zu verkörpern. Die Menschen schauen auf uns Christen, und sie erwarten zu Recht viel von uns. Christus hat uns nämlich gesandt, seine frohe Botschaft zu verkünden und durch unser Leben Zeugnis von seiner Liebe zu geben. Gott stärke uns und alle, die an Christus glauben, auf diesem Weg!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2010 – Libreria Editrice Vaticana]

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