ZG10020807 - 08.02.2010
Permalink: http://www.zenit.org/article-19769?l=german

Osttimor hat jetzt drei Diözesen


Mutiger Einsatz seiner Hirten ließ Kirche stark wachsen


Michaela Koller

ROM, 8. Februar 2010 (ZENIT.org).- Im südostasiatischen Land Osttimor wächst die Zahl der Katholiken seit den achtziger Jahren stetig. Timor Leste, so der offizielle Name, ist das zweite Land mit katholischer Mehrheit in Asien, neben den Philippinen. Ganz im Westen, an der Grenze zu Indonesien, errichtete Papst Benedikt XVI. Ende Januar ein drittes Bistum. Die neue Diözese Maliana kam durch die Teilung der Diözese Dili zustande. Das Bistum leitet nun Bischof Norberto do Amaral, der am 17. Februar 54 Jahre alt wird. Er ist seit 1988 Priester und wurde in Indonesien und Rom ausgebildet, darunter in auch in Philosophie. Do Amaral ist nun Hirte von mehr als 200.000 katholischen Gläubigen, die über zehn Pfarreien verteilt, von sechs Diözesan- und 25 Ordenspriestern seelsorgerlich betreut werden.

Die Ursachen für den Anstieg der Zahl der katholischen Bevölkerung, immerhin 98 Prozent im neuen Bistum, sind nicht nur in dem starken Bevölkerungswachstums von 2,6 Prozent pro Jahr zu suchen. Zu Beginn der 24-jährigen indonesischen Besatzung, die mehr als 200.000 Menschen das Leben kostete und erst 1999 abgeschüttelt werden konnte, waren nur 30 Prozent in Osttimor katholisch. Die Rolle der Kirche als ein Identitätsfaktor war herausragend und half, die Evangelisierungsbemühungen zu verstärken.

Von den zahlreichen Animisten ließen sich schon in den ersten Jahren der indonesischen Besatzungszeit ab 1974 sehr viele bekehren. Die Identifikationsfigur in der ersten Zeit war Dom Martinho da Costa Lopes, zunächst Generalvikar, später Bischof in Dili. In Briefen an Journalisten in Übersee brachte er die schrecklichen Menschenrechtsverletzungen an die Öffentlichkeit, unter denen die Timoresen zu leiden hatten. Das war etwa der Fall, als 50.000 Männer dazu gezwungen wurden, die Waffe auf Landsleute zu richten und die Freiheitskämpfer von der FRETILIN zu jagen. Ein Massaker an 500 Frauen und Kinder am Sankt-Antonius-Schrein in Lacluta, einem beliebten Wallfahrtsziel in Zentrum des Landes, im September 1981, über das der Bischof aufklärte, verknüpfte endgültig den Widerstand mit der katholischen Kirche.

Nachdem da Costa Lopes im Alter von 65 Jahren vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war, folgte ihm Carlos Felipe Ximenes Belo nach, der zunächst zu den unterschätzten Persönlichkeiten des Weltgeschehens gehörte. Mit dem Fortgang seines Vorgängers befürchteten die Menschen in Osttimor, eine starke Stütze verloren zu haben. Der Klerus der Ortskirche boykottierte zunächst Belos Einsetzung als Apostolischer Administrator.

Aber er machte da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hatte: Zu seinem Verständnis von pastoraler Arbeit gehörte es, sein Haus für die Opfer von grausamen Übergriffen durch die indonesischen Sicherheitskräfte zu öffnen. Wie Dom Martinho begann er, die Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und den indonesischen Behörden vorzubringen. Diese reagierten mit geheimdienstlicher Überwachung, was letztlich seinen Rückhalt unter den Gläubigen stärkte.

Er gründete eine eigene Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, die Akten über die Menschenrechtsverletzungen anlegte und in Berichten veröffentlichte. Die Arbeit war wesentliche Bedingung dafür, dass die internationalen Menschenrechtsorganisationen handeln konnten, denn bis 1989 verhinderte Jakarta den Zugang zu Osttimor. Schon 1986 hatte die katholische Kirche in des Landes dazu beigetragen, den ersten ausführlichen Bericht von Amnesty International mit Fakten zu füttern. Auch Asia Watch und Pax Christi arbeiteten mit diesen Informationen.

Gerade das brachte die Wende: Die USA hegten und schürten anfangs den Verdacht, Osttimor befinde sich vor einem Umsturz kommunistischer Separatisten und die Ortskirche sei einer dogmatisch-marxistischen Auslegung der Befreiungstheologie erlegen. Eine Erklärung aus dem Jahr 1994 belegt aber, dass Bischof Belo die Kirche nicht als politische Institution begriff. Die Forderung nach Einhaltung der Menschenrechte dominierte vielmehr dank seines Engagements und rückte, vor dem Anspruch auf Souveränität, an die erste Stelle.

Ein Meilenstein auf dem Weg der katholischen Kirche in Osttimor war im Oktober 1989 der Besuch Papst Johannes Paul II.. Im Anschluss an den Gottesdienst, bei dem er seine Predigt zunächst in Tetum, in der heutigen Hauptverkehrssprache Timor Lestes, begann, demonstrierten junge Leute gegen die Mißachtung grundlegender Rechte und die Besatzung. Schüler katholischer Bildungseinrichtungen spielten eine Schlüsselrolle bei weiteren Protestkundgebungen, darunter etwa Sebastião Gomes, der von der indonesischen Armee in einer Kirche angeschossen worden und daraufhin verblutet war. Seine Beisetzung am 12. November 1991, bei der die Soldaten 271 Menschen ermordeten, ging als das „Santa Cruz Massaker" in die Geschichte des Landes ein.

Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Bischof Belo, zusammen mit dem heutigen Staatspräsidenten des Landes, José Ramos-Horta, im Jahr 1996, erfuhr die Kirche in Osttimor verstärkt internationale Unterstützung. Diese half letztlich auch, ein Referendum über die Unabhängigkeit im August 1999 herbeizuführen, eine Idee, für die sich besonders Bischof Belo stark machte. Nachdem im September 1999 internationale Truppen den Gewaltexzessen pro-indonesischer Milizen ein Ende bereiteten, und die Inselhälfte unter UN-Verwaltung kam, war der Weg zur anerkannten Souveränität im Jahr 2002 geebnet.

Zur Feier der Unabhängigkeit am 20. Mai 2002 war eigens die Marienstatue aus dem portugiesischen Wallfahrtsort Fatima eingeschifft worden, um das Land der Muttergottes zu weihen. Während der Westen des Insel Timor früher zu Niederländisch-Indien gehörte, herrschten im Osten die Portugiesen rund 450 Jahre lang als Kolonialherren. Sie waren es auch, die den katholischen Glauben auf die Insel brachten und die besondere Beziehung zur Muttergottes von Fatima begründeten. Die Seherin Schwester Lucia hatte am 21. Juli 2003 eine Stunde lang Osttimors damaligen Außenminister, jetzt Präsident, Ramos-Horta empfangen und ihm gegenüber ihr Gebet für das Wohl des Landes zugesichert.

Der Bischof von Baucau im Osten der Insel, Basilio do Nascimento, formulierte es kurz nach der Unabhängigkeit im Jahr 2002 so: „Für Osttimor gilt in ganz besonderer Weise ‚das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christen', man sieht dies an der Blüte der Kirche, am Wachstum der religiösen Berufe und am hohen Anteil der praktizierenden Gläubigen, die rund 97 Prozent ausmachen."

Wenn die Kirche jung und vital ist, dann vor allem in Osttimor: Bei zentralen Gottesdiensten bilden sich Menschentrauben vor den Gotteshäusern. Die Ortskirche, unterstützt von internationalen Hilfswerken, übernimmt zudem wichtige gesellschaftliche Aufgaben als Träger zahlreicher Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und von Entwicklungsprogrammen in der Landwirtschaft, sowie in der Medienarbeit. Der katholische Sender Radio Kmanik hat die größte Reichweite aller Radiostationen im Land.

Im Frühjahr 2006 kam es zu Unruhen im Land, die sich zu einer bürgerkriegsähnlichen Krise entwickelten. Ein Großteil der Armeeangehörigen war entlassen worden, und Jugendbanden nutzten die Situation als anarchistische Trittbrettfahrer. Viele flohen in kirchliche Einrichtungen, wie etwa auf das Gelände der Berufsschule der Salesianer Don Boscos in Dili, wo sich mit zeitweise 13.000 Menschen das größte Flüchtlingslager in der Hauptstadt bildete. Das zeigt, dass die Menschen weiterhin in schwierigen Zeiten auf die Arbeit der Kirche vertrauen und sich nicht so sehr auf die Politik verlassen.

| More

© Innovative Media, Inc.

Die Weiterverwendung der ZENIT-Dienste ist nur mit ausdrücklicher Erlaubnis gestattet.
Wenden Sie sich bitte an info-autorenrechte@zenit.org .



Weiterleiten Beitrag kommentieren
Druckformat PDF-Ansicht
Anfang


ZENIT per E-Mail | RSS | Geschenkabo | Weiterempfehlen | Spende

| Nutzungsbedingungen | Beiträge und Bemerkungen senden | Kontakt aufnehmen | Startseite

© Innovative Media, Inc.