WIEN, 9. Februar 2010 (ZENIT.org).- Der „Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten“ wird am 12. Februar begangen. Er erinnert an das Schicksal von Kindern, die zum Kampfeinsatz in Kriegen und bewaffneten Konflikten gezwungen werden. Ziel des Tages ist der Aufruf zu einem verstärkten Einsatz im Kampf gegen diese besonders schwerwiegende Form des Kindesmissbrauchs.
Monsignore Dr. Leo-M. Maasburg, Nationaldirektor von Missio und langjähriger Begleiter von Mutter Teresa: „Der Missbrauch von Kindern als Soldaten ist eines der unmenschlichsten Dramen unserer Zeit. Diese Kinder brauchen unsere ganze Liebe und Zuwendung. Sie sehnen sich nach der Heilung ihrer seelischen Wunden. Hier kommt die Kraft des Glaubens in besonderer Weise zum Tragen. Für Gott ist nichts unmöglich!“
Missio unterstützt seit Jahren zahlreiche Projekte, in denen ehemaligen Kindersoldaten eine neue Zukunft geschenkt wird. Bei der nachhaltigen Arbeit von Missio stehen die soziale Integration, physische, psychologische und spirituelle Therapien sowie eine gute Schul- und Berufsausbildung im Vordergrund.Ob im Kongo, im Tschad, in Uganda, in Burma, in Kolumbien: Weltweit müssen in mehr als 40 Ländern 300.000 Kinder und Jugendliche in den Kriegen der Erwachsenen die Köpfe hinhalten. Kinder sind keine Soldaten. Trotzdem werden sie mit vorgehaltener Waffe zwangsrekrutiert, aus ihren Gemeinschaften gerissen, zum Töten gedrillt und zu unvorstellbaren Grausamkeiten gezwungen. Die verschleppten Kinder werden als Soldaten und Sexsklavinnen missbraucht und durch Drogen und Alkohol gefügig gemacht. Die seelischen Leiden dieser Kinder lassen sich kaum erahnen.
Die Mütter, selbst noch Kinder, wurden ihren Familien gewaltsam entrissen, entführt, als Kindersoldaten und „Soldatenbräute“ missbraucht. Viele haben nun selbst Kinder. Hineingeboren in ein Umfeld von Krieg und Gewalt, kamen sie zur Welt in Militärlagern, auf Kriegszügen, mitten im Busch: die Kinder der Kindersoldaten.
In Norduganda haben die „kindlichen Mütter“ mit ihren Babys den blutigen Konflikt, in dem sie selbst zu Opfern und Tätern wurden, überlebt. Nun versuchen die Mädchen, ein halbwegs normales Leben für sich und ihre Kinder aufzubauen. Sie bemühen sich, in ihre Dorfgemeinschaften wieder aufgenommen zu werden, sie suchen nach einer regelmäßigen Einkommensquelle.
In einer Kriegsregion wie Norduganda ist das besonders schwierig. Viele Mädchen finden ihre vertriebenen Familien nicht wieder, viele haben große Schwierigkeiten, aufgrund der ihnen widerfahrenen Vergangenheit in der Gemeinschaft Akzeptanz zu finden, denn oft werden sie eher als Täter denn als Opfer angesehen.
Die jungen Mütter hätten keine Chance, sich auf die Suche nach einer neuen Zukunft für sich und ihre Kinder zu machen, wenn es da nicht Schwester Hellen und ihre Mitschwestern gäbe, die ihnen ein erstes Zuhause böten und sich aufopfernd um ihre Kinder kümmerten.
Schwester Hellen ist mitten in der seit 22 Jahren von Krieg und Terror geschüttelten Region von Norduganda aufgewachsen und musste selbst einmal mehrere Wochen in Militärcamps im Busch verbringen, wo sie die Leiden der Kinder hautnah miterlebte. Das veranlasste sie, all ihre Kraft für die Kindersoldaten und ihre Babys einzusetzen und ihnen einen Hort der Sicherheit und Wärme zu schaffen. Schwester Hellen ist ausgebildete Lehrerin, die vergangenes Jahr für ihren Master in Österreich an der Friedensuniversität Schlaining studierte, um den betroffenen Kindern bestausgebildet bei der Traumabewältigung, einer der wesentlichen Schritte in eine gewaltfreie, hoffnungsfrohe Zukunft, beistehen zu können.
Die Hilfe und die Anwaltschaft für ehemalige Kindersoldaten ist Missio seit vielen Jahren ein ganz besonderes Anliegen. Missio berichtet laufend über die Kindersoldatenproblematik und über die aktuelle Situation in Norduganda, wo seit Beginn der bewaffneten Konflikte über 20.000 Kinder entführt und als Kindersoldaten missbraucht wurden. Die Kinder waren unvorstellbaren Quälereien ausgesetzt, um sie zu desensibilisieren und zu gefühllosen Kampfmaschinen auszubilden. Immer wieder zeichnen sich Friedensabkommen zwischen Regierung und der Lords Resistance Army ab, Verträge werden unterzeichnet, Verhandlungen geführt. Doch die Situation ist für die Zivilbevölkerung nach wie vor schwierig. Schwester Hellen hat große Sorge um ihre kleinen Schützlinge. Dringend bittet sie um Mittel für eine zukunftsorientierte Ausbildung der Kinder.
Die katholische Kirche setzt sich weltweit aktiv gegen die Rekrutierung von Kindern als Soldaten ein. Ziel ist vor allem die Entwaffnung der Kinder, die Entlassung aus dem Militärdienst sowie die Reintegration, die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Als Beispiel kann Uganda genannt werden: Die katholische Kirche war im Land, bevor es zum Konflikt kam. Während des Terrors durch die Rebellenarmee blieb sie im Krisengebiet und tat, was sie tun konnte. Der Erzbischof von Gulu, John Baptist Odama, verhandelte mit Regierungsarmee und Rebellen über ein Friedensabkommen, denn nur die katholische Kirche wurde von beiden Seiten als Vermittlerin akzeptiert. Und jetzt, in Zeiten eines gefährdeten Friedens, ist sie immer noch da, hilft ehemaligen Kindersoldaten und deren Kindern und baut mit an der Zukunft des Landes. Missio – die Päpstlichen Missionswerke helfen der Kirche in Uganda bei dieser Arbeit seit Jahren.
Als Zeichen der Hoffnung bietet Missio (für 2,50 Euro) von ehemaligen Kindersoldaten aus Patronenhülsen gefertigte Kreuze an, das so genannte Patronen-Kreuz. Der Reinerlös kommt Kindersoldatenprojekten zugute.
















