ZG10020906 - 09.02.2010
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Ehetherapie für Kontroll- und Vertrauensprobleme (1)


Interview mit dem katholischem Psychiater Richard Fitzgibbons


WEST CONSHOHOCKEN, Pennsylvania, 28. Januar, 2010 (Zenit.org) .- Mehr Ehen und Familien sind heutzutage von Kontroll- und Vertrauensproblemen betroffen, sagt Richard Fitzgibbons, aber durch Sakramente und Praxis der Tugend können diese Probleme überwunden werden.

Das Abenteuer einer gelingenden Ehe wird in den Mittelpunkt der bundesweiten Aktionswoche Marriage Week gerückt, die am Sonntag eröffnet wurde. Die Woche der Ehepaare findet bis zum 14. Februar 2010 statt und erreicht mit dem Valentinstag ihren Höhepunkt. Veranstaltet wird die Woche der Ehepaare von Personen und Institutionen aus den Bereichen von Kirche, Politik, Kultur und Wirtschaft.

Um den Wert der Ehe in unserer Gesellschaft zu stärken und Ehepaare zu unterstützen, sprach ZENIT mit dem Leiter eines kürzlich gehaltenen Web-Seminars, das vom Institut für Ehetherapie gesponsert wurde. Darin wurde Ehepaaren, Beratern und Seelsorgern Handreichungen zu den Themen Erziehung, Erwachsenenalter, Familie und Ehe zur Verfügung geboten.Dr. Richard Fitzgibbons, Direktor des Instituts, hat Tausende von Paaren begleitet und zahlreiche Vorträge gehalten sowie Artikel zu diesen Themen geschrieben. Im Jahr 2008 wurde er auch zum Berater für die Kongregation des Heiligen Stuhls für den Klerus ernannt.

In diesem ersten Teil des Interviews für ZENIT spricht Genevieve Pollock mit Fitzgibbons über die modernen Ursachen der Vertrauensprobleme, über die Unterscheidung zwischen Stärke und Kontrolle, und über besondere Tugenden, die Gegenmittel zu diesen Problemen bieten.

ZENIT: Sie erwähnen, dass der beliebteste Abschnitt auf Ihrer Website die Seite über die Kontrolle des Ehegatten oder Verwandten ist. Warum gibt es ein solches Interesse an diesem Thema?

--Fitzgibbons: Wir hatten erwartet, dass das am häufigsten besuchte Kapitel der wütende Ehepartner oder Verwandte sein würde, und waren zunächst über die Reaktion auf das Kapitel zur Kontrolle der Ehegatten überrascht. Als ich über dieses Interesse nachdachte und betete, kam ich zu einem tieferen Verständnis der schwerwiegenden persönlichen und kulturellen Faktoren, die zu einer Tendenz des Herrschens und Misstrauens führen, und die sich in der Notwendigkeit der Kontrolle ausdrücken.

ZENIT: Könnten Sie kurz einige der Merkmale einer kontrollierenden Person beschreiben?

--Fitzgibbons: Die schlimmste Charakterschwäche in der Person, die sich zur Kontrolle hinreißen lässt, und jeder von uns kann das von Zeit zu Zeit tun, ist der mangelnde Respekt gegenüber einem Ehegatten, der/die ein großes Geschenk von Gott ist. Eine kontrollierende Person dreht sich um sich selbst und erkennt nicht die Güte seines/ihres Ehegatten.

Die andere große Schwäche ist eine schnell aufwallende, übermäßige Wut. Kontrollierende Ehegatten und Verwandte sind reizbar und oft traurig, weil es ihnen nicht möglich ist, Kontrolle über jemanden auszuüben, da wir alle als Kinder Gottes Würde und Stärke in uns haben. Schließlich schaden Kontrolltendenzen einer gesunden, fröhlichen Hingabe in der Ehe und verstärken den Egoismus, eines der Hauptursachen für das Kontrollverhalten.

ZENIT: Welchen Schaden kann die Kontrolle der Ehegatten oder Verwandten verursachen?

--Fitzgibbons: das Kontrollverhalten beeinträchtigt die eheliche Freundschaft, die romantische und bräutliche Liebe, drei wesentlichen Bereichen der ehelichen Hingabe, die Johannes Paul II. in ’Liebe und Verantwortung’ beschreibt. Der Mangel an Respekt führt im anderen Ehegatten zu Traurigkeit, Ärger, Misstrauen und Unsicherheit. Wenn dieser Konflikt nicht sachgemäß angesprochen und korrigiert wird, können sich daraus gravierende Konflikte entwickeln, die depressive Erkrankungen, Angststörungen, Drogenmissbrauch, Untreue, Trennung und Scheidung nach sich ziehen können.

ZENIT: In einer schnelllebigen Gesellschaft, wo die Menschen gewöhnt sind, so viele Aspekte ihres Lebens im Griff zu halten - Finanzen, Gesundheit, Arbeit, Familie, usw. - ist da eine Kontrollnatur nicht eher von Vorteil, oder sogar notwendig für das Überleben? Sehen Sie eine positive Seite in dieser Art von Persönlichkeit?

--Fitzgibbons: Vertrauen und Stärke sind gesunde Persönlichkeitsmerkmale, die es uns ermöglichen, auf die vielen Herausforderungen in dem großen Sakrament der Ehe und des Familienlebens zu reagieren. Allerdings ist das tägliche Wachsen in den Tugenden erforderlich, damit ein Ehegatte mit diesen Gaben nicht das Maß überschreitet und anfängt zu kontrollieren.

Die Tugenden, die zum Ausgleich der Stärke notwendig sind, sind Güte, Demut, Milde, Selbstverleugnung und Glauben. Ein wichtiges Ziel in der Ehe ist stark und selbstbewusst zu sein, aber nicht zu kontrollieren. Ich ermutige viele starke Männer dazu, zum hl. Petrus zu beten, damit er sie davor bewahrt, kontrollierende Familienoberhäupter zu werden.

ZENIT: Sie sagten, dass bei herrschenden Persönlichkeiten oft Vertrauensprobleme im Mittelpunkt stehen. Könnten Sie mehr darüber sagen?

--Fitzgibbons: Eine wichtige Ursache für eine Neigung zur Kontrolle oder Herrschaft kommt oft durch Traumata aus der Kindheit, in der die Fähigkeit, zu vertrauen und sich sicher zu fühlen, verletzt wurde. Folglich können kontrollierende Ehegatten unbewusst von Angst getrieben sein, weil sie sich nur dann sicher fühlen, wenn sie alles unter Kontrolle haben, was sie natürlich nie haben werden. Häufige Konflikte in der Kindheit waren Alkoholismus, streitende Eltern und die Erfahrung eines kontrollierenden Elternteils.

Neuere Ursachen für schwere Vertrauensschäden in der Kindheit sind die Kultur von Scheidung und Kinderbetreuung sowie die Egoismusepidemie der Eltern, die zu einem großen Teil von einer Verhütungsmentalität kommt. Darüber hinaus zeigen oft unsichere Männer Verhaltensweisen der Kontrolle, wenn sie versuchen ihr männliches Selbstvertrauen zu stärken. Bei jungen Erwachsenen zieht die Kultur der Kurzzeit-Affären unmerklich, jedoch schwerwiegende Vertrauensschäden nach sich.

Schließlich beschreibt der Katechismus der katholischen Kirche einen wichtigen Faktor, der nicht übersehen werden sollte: „Jeder Mensch erfährt in seiner Umgebung und in sich selbst das Böse. Diese Erfahrung zeigt sich auch in den Beziehungen zwischen Mann und Frau. Ihre Vereinigung war zu allen Zeiten durch Zwietracht, Herrschsucht, Untreue, Eifersucht und durch Konflikte bedroht, die bis zum Hass und zum Bruch gehen können.“ (KKK, Nr. 1606).

[Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Czupy]

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