ZG10020912 - 09.02.2010
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Jürgen Moltmann: In und mit den Opfern Haitis leidet Gott


In den Leidenden erleben wir den Karsamstag, den mystischen Augenblick des Todes in Gott


ROM, 9. Februar 2010 (ZENIT.org).- Als am 12. Januar in Haiti die Erde bebte und die Welt erfuhr, das diese Katastrophe über 200.000 Tote, mehrere Tausende Verletzte und unsäglichen Schaden gefordert hatte, fragten viele Menschen: "Wo war Gott auf Haiti? Dieser Frage stellte sich heute vier Wochen später, der renommierte evangelische Theologe Jürgen Moltmann(83) bei einem Gastvortrag in München.

Die Naturkatastrophe auf Haiti, wie der Tsunami im Jahr 2005 oder auch das Erdbeben von Lissabon verwiesen auf die Realität einer zerrütteten Natur, die vom Chaos bedroht sei, so der Tübinger Theologe, der auf Einladung des "Zentrums für ökumenische Forschung" nach München gekommen war. "Das Gott mit den Leidenden mitleidet, können wir mit Blick auf den Gekreuzigten sagen".

"Das Gott für und angesichts des Menschen leidet, hat kein geringerer als Johannes Paul II. 1986 in seiner Enzyklika festgehalten:'In Christus leidet Gott'", als er vom Sohn Gottes schrieb, der den Schmerz am eigenen Leib erfährt und “in dessen Menschsein sich das ‘Leiden’ Gottes bewahrheitet” (DeV 39).

"In den Bombardierungen in Hamburg erfuhr ich während des 2. Weltkrieges angesichts des unermesslichen Leids der Menschen, dass Gott 'Opfer im Opfer' ist", so Moltmann, der sein Theologiestudium in England als Kriegsgefangener begann.

"In unserer westlichen Tradition haben wir als Motiv für die Dreieinigkeit in der Kunst das Bild vom Gnadenstuhl. Der Vaters sitzt auf dem Thron und der Geist schwebt als Symbol über ihm. Am Holzbalken hängt vor dem Thron des Vaters, der gekreuzigte Sohn. Das Bild stellt den Karsamstag dar. Den mystischen Augenblick des Todes in Gott", erklärte der Träger von vierzehn Ehrendoktortiteln in der Aussprache nach seinem Vortrag "Gott, der Vater im Leben der Heiligen Dreieinigkeit".

"Der Vater trägt den Sohn, den er vom Kreuz abgenommen hat im Arm. Wir sprechen von der 'Compassio Patris'. Das könnte eine Antwort enthalten auf all das Leid und solche Katastrophen wie auf Haiti, die uns zutiefst erschüttern und uns schreien lassen:'Mein Gott, warum hast du mich verlassen?'".

Die Einwohnung Gottes in der Welt und in den Menschen und die Tatsache, dass alle Menschen in die Beziehung zu Gott hineingenommen sind, ermögliche nicht nur ein Füreinander und Miteinander, sondern ein in der gemeinsamen Fürbitte geeintes Ineienander aller Menschen, so Moltmann, der mit seinem 1964 publizierten Buch: "Das 'Prinzip Hoffnung' und die christliche Zuversicht'", gerade mit Blick auf die Armen und Entrechteten den Kreuzestod Christi für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zu deuten verstand.

Angela Reddemann

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