ZG10030102 - 01.03.2010
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Papst Benedikt XVI.: der göttlichen Liebe in der Welt Gestalt geben


Angelusansprache am 2. Fastensonntag


ROM, 1. März 2010 (ZENIT.org).-"Die Augen vermögen nicht mehr zu sehen, die Ohren aber können die Stimme hören, die aus der Wolke ruft: „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören". Wir veröffentlichen die Angelus-Ansprache von Papst Benbedikt XVI., die er vor Tausenden von Pilgern am 2. Fastensonntag auf dem Petersplatz gehalten hat.

* * *

Liebe Brüder und Schwestern!

Gestern sind hier im Apostolischen Palast die Geistlichen Exerzitien zu Ende gegangen, die wie üblich zu Beginn der Fastenzeit im Vatikan stattfinden. Mit meinen Mitarbeitern der Römischen Kurie haben wir Tage der Sammlung und des innigen Gebets verbracht und dabei entsprechend dem Priesterjahr, das die Kirche begeht, über die priesterliche Berufung nachgedacht. Ich danke allen, die uns im Geist nahe waren.

An diesem zweiten Fastensonntag wird die Liturgie von der Episode der Verklärung beherrscht, die im Evangelium des heiligen Lukas unmittelbar der Aufforderung des Meisters folgt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich, und folge mir nach!" (Lk 9,23). Dieses außerordentliche Ereignis bildet eine Ermunterung zur Nachfolge Jesu.

Lukas spricht nicht von Verklärung, sondern er beschreibt das Geschehene anhand zweier Angaben: das Gesicht Jesu, das sich verändert, und sein Gewand, das leuchtend weiß und blendend wird, dies in Gegenwart von Mose und Elija, Symbol des Gesetzes und der Propheten. Die drei Jünger, die der Szene beiwohnen, werden vom Schlaf übermannt: Sie zeigen die Haltung derjenigen, die nicht verstehen, obgleich sie Zeugen der göttlichen Wunder sind. Nur der Kampf gegen die Trägheit, die sie befällt, gestattet es Petrus, Jakobus und Johannes, die Herrlichkeit Jesu zu „sehen". Und dann überstürzen sich die Ereignisse: Während Mose und Elija sich vom Meister trennen, redet Petrus, und während er noch redet, wirft eine Wolke ihren Schatten auf ihn und die anderen Jünger; während diese Wolke sie bedeckt, enthüllt sie gleichzeitig die Herrlichkeit Gottes, wie es dem pilgernden Volk in der Wüste geschah. Die Augen vermögen nicht mehr zu sehen, die Ohren aber können die Stimme hören, die aus der Wolke ruft: „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören" (V. 35).

Die Jünger finden sich keinem verklärten Antlitz mehr gegenüber, noch einem weißen Gewand, noch einer Wolke, die die göttliche Gegenwart enthüllt. Vor ihren Augen ist „Jesus allein" (V. 36). Jesus ist allein vor seinem Vater, während er betet, gleichzeitig aber ist Jesus, der „allein" ist, alles, was den Jüngern und der Kirche aller Zeiten gegeben ist: Er ist das, was auf dem Weg ausreichen muss. Er ist die einzige Stimme, der wir Gehör schenken müssen, der Einzige, dem man nachfolgen muss, er, der nach Jerusalem hinaufsteigen und dann sein Leben hingeben und eines Tages unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes" (Phil 3,21).

„Meister, es ist gut, dass wir hier sind" (Lk 9,33): Das ist der verzückte Ausdruck des Petrus, der oft unserer Sehnsucht angesichts der Tröstungen des Herrn ähnelt. Doch die Verklärung erinnert uns daran, dass die Freuden, die Gott im Leben ausgesät hat, nicht das Ziel sind, sondern Lichter, die er uns auf unserer irdischen Pilgerfahrt schenkt, damit „Jesus allein" unser Gesetz sei und sein Wort das Kriterium, nach dem sich unser Dasein ausrichtet.

In dieser Fastenzeit lade ich alle ein, unermüdlich das Evangelium zu betrachten. Darüber hinaus hoffe ich, dass die Hirten in diesem Priesterjahr „wirklich vom Wort Gottes durchtränkt sind, es wirklich kennen, es so lieben, dass es wirklich ihr Leben prägt und ihre Denken formt" (vgl. Predigt „Missa Chrismatis", 9. April 2009). Die Jungfrau Maria helfe uns, unsere Momente der Begegnung mit dem Herrn intensiv zu leben, damit wir ihm jeden Tag voll Freude folgen können. Auf sie richten wir unseren Blick und sie rufen wir mit dem Gebet des Angelus an.

[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Ganz herzlich grüße ich alle Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache hier auf dem Petersplatz wie auch alle, die über Rundfunk und Fernsehen mit uns verbunden sind. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium" (Mk 1, 15) - diese Worte Jesu begleiten uns durch die Fastenzeit. Es geht um eine Umkehr, einen Blickwechsel: Wir wollen auf Christus schauen und in ihm das Antlitz des Himmlischen Vaters erkennen, der jedem Menschen seine Liebe und sein Erbarmen schenken will. Diesem guten und treuen Gott wollen wir entsprechen, wenn wir der göttlichen Liebe in der Welt Gestalt geben. Der Herr schenke euch dazu eine gesegnete Fastenzeit!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2010 - Libreria Editrice Vaticana]

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