ROM, 9. März 2010 (ZENIT.org).-Jeder Priester sei schlechthin ein "Mann der Kommunikation", erklärte Erzbischof Mauro Piacenza, Sekretär der Kongregation für den Klerus im ersten Teil seiner Ausführungen (ZENIT berichtete). Priester seien Experten für die "Kommunikation mit Gott und der Kommunikation seitens Gott an die seiner Fürsorge und seinem Dienst anvertrauten Brüder", so der italienische Erzbischof.
Wir veröffentlichen jeweils an den kommenden Dienstagen in unserer Rubrik "Priesterjahr" seine Beiträge zu einem Studientages mit dem Thema „Die Kommunikation in der Sendung des Priesters".
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Erzbischof Mauro Piacenza, Sekretär der Kongregation für den Klerus
2. Der Priester: ein von der Kirche und in der Kirche autorisierter „Kommunikationsträger"
Ein Punkt, über den - wie es mir scheint - dringend nachgedacht werden muss, betrifft den unerlaubten und nicht selten sogar regelrecht peinlichen Zuwachs von Fällen, in denen Priester in vielen Presseorganen und vor allem im Fernsehen gegenwärtig sind und zum „Star" werden, wobei dies ohne jegliche Erlaubnis des Ordinarius und ohne die Möglichkeit einer realen Kontrolle seitens der legitimen kirchlichen Autorität geschieht.
In diesem Bereich wäre es einerseits wahrhaft wünschenswert, auf angemessene Weise über den Dienst der „Aufsicht" - "epi-scopé" durch die Ordinarien nachzudenken (es würde sich dabei nicht um ein erstickendes „Polizeiregime" handeln, sondern darum, mit Sinn für Verantwortung und pastoraler Liebe gegenüber allen vorzugehen, den Gläubigen wie den Nichtgläubigen). Andererseits ist es sehr schmerzhaft, feststellen zu müssen, dass oft - wenn nicht sogar in der Mehrheit der Fälle - gewisse Priester und bisweilen selbst Ordensleute auch offen von der allgemeinen Lehre abweichen, und dies nicht nur im Bereich der Moral, sondern auch im Bereich "de fide". Das ist ein Zeichen dafür, dass das Bewusstsein für die eigene Identität verlorengegangen ist, was nicht selten bei den Gläubigen und Zuhörern im allgemeinen zu Verwirrung führt, da sie sich einer Situation gegenübergestellt sehen, in der ein bisweilen aufsehen erregender Unterschied zwischen der „offiziellen Lehre der Kirche" und dem entsteht, was (ich würde hinzufügen: auf unangemessene Weise) von den selbsternannten Priester-Stars „vermittelt" wird.
Wir wissen wohl, wie die im johanneischen Sinn verstandene Welt - und in diesem Sinn erfüllen nicht wenige Medien voll ihre Aufgabe - immer versucht hat, die Wahrheit zu „entstellen", für Verwirrung zu sorgen und vor allem zu verhindern, dass die starke innere Einheit der katholischen Lehre wahrgenommen wird. Dies geschieht sowohl in Bezug auf die Lehre, wenn sie für sich genommen als ein zu Ende geführtes System des Verstehens der Wirklichkeit, das in Gott seinen übernatürlichen Ursprung hat, begriffen wird, als auch hinsichtlich der tatsächlichen Einheit des Leibes der Kirche, die, wie wir wissen, fruchtbarer Same wirksamen Zeugnisses im Zeichen des priesterlichen Gebetes ist: "Ut unum sint".
Mehr denn je ist nun die Verbreitung dessen zu vermeiden, was ich ohne Zögern als einen echten „Wilden Westen" der Kommunikation bezeichne, in dessen Zusammenhang einige Priester auftreten und den Anspruch erheben, im Namen der Kirche zu sprechen, und diese wenigstens kraft der sakramentalen Weihe tatsächlich teilweise vertreten, dabei aber für Spaltung und Verwirrung sorgen sowie der Einheit und Wirksamkeit der kirchlichen und dem Evangelium entsprechenden Kommunikation wahren Schaden zufügen.
Wenn man dann die Breitenwirkung in Betracht zieht, derer sich eine derartige „Medienpräsenz" durch die angewandten Mittel erfreut (manchmal werden Millionen von Menschen erreicht), so wird die Verantwortung, die hierbei im Spiel ist, in der Tat unberechenbar. Es kommen einem die eindeutigen Worte des Herrn in den Sinn: „Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein" (Mt 5,19).
(...) Wahrscheinlich muss von einem Teil der Kirche und innerhalb ihrer von einem Teil des zur „Wachsamkeit" berufenen Episkopats, noch voll erfasst werden, welch tragende Bedeutung der sogenannten „Medienrevolution" auch auf anthropologischer Ebene zukam und immer noch in den kommenden Jahrzehnten zukommen wird, eine Revolution, die nach der „Französischen" und „Industriellen" Revolution die wichtigste der Moderne ist.
















