Von Maria Anna Leenen
ROM, 1. April 2010 (ZENIT.org).- "Mitten in die lähmende Starre von Trauer und Enttäuschung über den Tod Jesu, mitten in die Trümmerlandschaft ihrer zerstörten Vorstellungen vom Messiaskönig, vom glorreichen Retter aus der Besatzerdiktatur platzt Maria Magdalena mit dieser bestürzenden Nachricht: "Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat," (V.2), erklärt Maria Anna Leenen in ihrem heutigen "Kommentar zu den Sonntagslesungen im Jahreskreis", denn "die Auferstehung Jesu zeigt jedem Christen sein letztes Ziel: Die ewige Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Sie macht Mut zum Glauben, schenkt letzten Sinn und Orientierung und lässt das irdische Leben mit all seinen kleinen und großen Todeserfahrungen bestehen. Nach ihr, nach dem Himmlischen, sollen wir uns ausstrecken".
ZENIT wird jeden Donnerstag an dieser Stelle eine Betrachtung zu den ausgewählten Schriftlesungen des "Lesejahres C" veröffentlichen.
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Sehen - glauben - weitergeben
Kommentar zu den Lesungen des Ostersonntags
Apg 10,34a.37-43; Kol 3,1-4 oder 1 Kor 5,6b-8; Joh 20,1-9 oder Lk 24,1-12
Das Ostereignis ist keine nur statische Tatsache. In den Lesungen zum Ostersonntag wird dies auf vielfältige Weise sichtbar.
Zu Beginn des Johannesevangeliums vermitteln schon allein die verwendeten Verben ein ganz bestimmtes Bild. Maria von Magdala kommt zum Grab, der Stein ist weggenommen, sofort läuft sie zu den Jüngern. (Joh 20,2) Diese wiederum verlassen sofort den Ort, an dem sie sich aufhalten und laufen ihrerseits zum Grab.
In diesen wenigen Sätzen schon wird Tempo und eine große Dynamik spürbar. Mitten in die lähmende Starre von Trauer und Enttäuschung über den Tod Jesu, mitten in die Trümmerlandschaft ihrer zerstörten Vorstellungen vom Messiaskönig, vom glorreichen Retter aus der Besatzerdiktatur platzt Maria Magdalena mit dieser bestürzenden Nachricht: "Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat." (V.2) Der Evangelist Johannes und die wahrscheinlichen Mitautoren der sogenannten johanneischen Schule nehmen bewusst Bezug auf die damaligen Gerüchte, die Jünger hätten den Leichnam Jesu gestohlen und so die Auferstehung ihres Meisters vorgetäuscht. (vgl. Mt 27,63-66; 28,11-15)
Der Wettlauf des Petrus und des Jüngers, den Jesus liebte dann, spiegelt wieder, dass zwei Elemente in der Kirche immer vorhanden sein werden und vorhanden sein müssen, um diese Dynamik in der Christenheit fruchtbar werden zu lassen: Amt und Charisma. Für das Amt steht seit seiner Berufung zum Menschenfischer Petrus, der erste Papst. Für das Charisma der Evangelist Johannes und der Völkerapostel Paulus. Die Szene am leeren Grab zeigt dies mit wenigen Bildern: Obwohl Johannes, der Jünger, dem Jesus besonders zugeneigt war, zuerst am Grab ist, lässt er Petrus den Vortritt. "Da kam auch Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle." (VV.6-7) Petrus nimmt sozusagen als Führer der Apostel amtlich war, wie es im Grab aussieht. Die Anordnung der Dinge, die Jesu toten Leib umfangen und berührt haben, bezeugen: Sein Leichnam ist nicht hastig weggezerrt worden von Räubern oder heimlich und verstohlen versteckt worden. Die Leinenbinden und das sorgfältig zusammengebundene Schweißtuch sind Zeichen der Auferstehung, sind ein klares Zeichen der Erfüllung dessen, was der Herr zu seinen irdischen Zeiten immer wieder angekündigt hat. Für Johannes, der von allen Aposteln Jesus wohl am tiefsten geliebt hat, braucht es nichts weiter. "Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte." (V. 8)
Was ich im Glauben erfahre vom Herrn ist nur in sehr seltenen Fällen für mich allein bestimmt. Christlicher Glaube will bezeugt sein; Christi Liebe gilt allen, also muss auch allen davon erzähl werden, damit sie erkennen können und zum Glauben kommen. Das gilt besonders, wenn Menschen danach fragen - auch oder vielleicht gerade, wenn sie nicht der eigenen Glaubensgemeinschaft angehören. Für Petrus war es ein wichtiger Moment der Erkenntnis, als der Hauptmann Kornelius nach seinem Gebet und der darauf folgenden Erscheinung bereit ist, alles zu hören, was Petrus zu sagen hat.
Für Petrus wird klar: "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist." (Apg 10,34-35) Kurz vor seinem Märtyrertod wird er es in einem Brief, den er dem Bruder Silvanus diktiert, noch einmal deutlich formulieren:" Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt." (1 Petr 3,15)
Die Predigt des Petrus fasst die Jesusgeschichte sehr knapp zusammen. Aber sie ist ein kräftiges Zeugnis für seinen Glauben und für seine ergreifende Erfahrung mit dem Auferstandenen im Kreis der Jünger:" Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben." (VV. 40-41) Und der Heilige Geist kommt als Bestätigung seiner Worte auf alle herab, die dieses Zeugnis hören. (V. 44)
Die Auferstehung Jesu zeigt jedem Christen sein letztes Ziel: Die ewige Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Sie macht Mut zum Glauben, schenkt letzten Sinn und Orientierung und lässt das irdische Leben mit all seinen kleinen und großen Todeserfahrungen bestehen. Nach ihr, nach dem Himmlischen, sollen wir uns ausstrecken.
"Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott." (Kol 3,1-3)
















