Von Angela Reddemann
ROM, 2. April 2010 (ZENIT.org).- Heute vor genau fünf Jahren starb Johannes Paul II. innerhalb der Osteroktav in Rom. Noch am Karfreitag 2005, also einige Tage vor seinem Sterben, konnten Millionen von Menschen weltweit via Fernsehen am Karfreitagabend Johannes Paul II. als einen Menschen erleben, der seine Leiden mit dem Kreuzweg Christi, der von Tausenden von Pilgern im römischen Kolosseum nachempfunden und gebetet wurde, vereinigte.
Diejenigen, die dabei waren, konnten dank riesiger Leinwände den sitzenden Heiligen Vater in seiner Privatkapelle sehen. Als die letzte der 14 Kreuzwegstationen an die Reihe kam, nahm der Papst ein Kreuz in die Hände, um so das Kreuz auf symbolische Weise zu tragen.
"Auch ich opfere meine Leiden auf, damit sich der Ratschluss Gottes erfüllt und sein Wort zu allen Menschen gelangt", sagt der Papst in seiner kurzen Botschaft, die sich an die Teilnehmer der Kreuzwegandacht gerichtet hat. Sie wurde damals zu Beginn der Feier von Kardinal Camillo Ruini, dem damaligen Bischofsvikar der Diözese Rom, verlesen. Der Kardinal, der zugleich Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz war, leitete den Kreuzweg und trug das Kreuz am Anfang und am Schluss.
"Ganz besonders all jenen bin ich nahe, die in diesem Augenblick im Leid erprobt werden. Ich bete für jeden einzelnen von ihnen", versichert der Heilige Vater in seiner Botschaft, mit der er seine erste Abwesenheit im über 26 Jahre andauernden Pontifikat wiedergutmachen wollte.
In den Aufnahmen des vatikanischen Fernsehzentrums CTV sah man den Rücken des Papst, der auf zum Altar blickte, vor dem ein Fernseher aufgebaut war. In ihm wurde der Kreuzweg aus dem Kolosseum übertragen.
Wir kennen Johannes Paul II. als einen Mann, der auch im Leiden froh und zuversichtlich war. Sogar in der Karwoche 2005, während er dem Tod ins Auge blickte, sei er gelassen und heiter gewesen, heißt es. Woher diese große Zuversicht des Papstes kam, sagt er selbst in seinem Apostolischen Schreiben "Salvifici doloris". In dem am 11. Februar 1984 veröffentlichten Schreiben erklärt er, dass die Auferstehung Christi ein vollkommen neues Licht auf die Todesangst werfe.
Oftmals werde der Tod "als Befreiung von den Leiden dieses Lebens erwartet", schreibt Johannes Paul II. in Abschnitt 15 seines Apostolischen Schreibens über den christlichen Sinn des Leidens. "Zugleich kann man nicht übersehen, dass er gleichsam eine endgültige Synthese des zerstörerischen Wirkens der Leiden im leiblichen Organismus wie in der Psyche darstellt.
Doch vor allem bringt der Tod die Auflösung der ganzen leibseelischen Persönlichkeit des Menschen mit sich. Die Seele überlebt und existiert getrennt vom Leib weiter, während der Leib einer allmählichen Zersetzung verfällt, wie Gott, der Herr, es nach der vom Menschen am Beginn seiner irdischen Geschichte begangenen Sünde gesagt hatte: 'Staub bist du, zum Staub musst du zurück' (Gen 3,19)."
Der Tod sei nicht ein Leiden im "im zeitlichen Sinne des Wortes", sagt der Heilige Vater, sondern liege "gewissermaßen außerhalb der Grenzen aller Leiden". Andererseits aber habe "das Übel, das dem Menschen im Tod widerfährt, zugleich einen endgültigen und umfassenden Charakter. Durch sein Heilswerk befreit der eingeborene Sohn den Menschen von der Sünde und vom Tod."
Vor allem verbanne Jesus Christus "aus der Geschichte des Menschen die Herrschaft der Sünde, die sich unter dem Einfluss des bösen Geistes eingewurzelt hat, angefangen von der Ursünde, und schenkt dem Menschen dann die Möglichkeit, in der heilig machenden Gnade zu leben." Durch diesen Sieg über die Sünde "beendet er auch die Herrschaft des Todes, indem er durch seine Auferstehung den Anfang der künftigen Auferstehung der Leiber setzt", so der Papst.
"Das eine wie das andere sind wesentliche Voraussetzungen des ewigen Lebens, das heißt, der endgültigen Glückseligkeit des Menschen in der Vereinigung mit Gott; das will sagen, für die Geretteten ist das Leiden in eschatologischer Sicht vollkommen aufgehoben."
Dank des Heilswerkes Christi "lebt der Mensch auf Erden in der Hoffnung auf das ewige Leben und die ewige Heiligkeit", erklärt Johannes Paul II. weiter. "Und wenn auch der von Christus durch Kreuz und Auferstehung vollbrachte Sieg über Sünde und Tod die irdischen Leiden aus dem Leben des Menschen nicht hinweg nimmt und auch nicht die ganze geschichtliche Dimension des menschlichen Daseins vom Leiden befreit, so wirft er doch auf diese Dimension insgesamt und auf jedes einzelne Leiden ein neues Licht, das Licht der Erlösung. Es ist das Licht des Evangeliums, der Frohen Botschaft.
Im Mittelpunkt dieses Lichtes steht die im Gespräch mit Nikodemus ausgesprochene Wahrheit: 'Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab' (Joh 3,16)", schreibt der Bischof von Rom.
"Diese Wahrheit verwandelt von Grund auf das Bild der Geschichte des Menschen und seiner irdischen Situation", fügt er hinzu. Abschließend fasst Johannes Paul II. seine Ausführungen mit einem Zitat aus "Gaudium et Spes" (22) zusammen: "Durch Christus und in Christus also wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell" (31).
















