ZG10052503 - 25.05.2010
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Von Freibeutern zu hart arbeitenden Fischern



Ganz nach dem Wunsch Papst Benedikts XVI.: Katholische Blogger erzählen mit Freude von ihrem Glauben



Von Barbara Wenz

WÜRZBURG, 25. Mai 2010  (Die Tagespost.de/ZENIT.org).-Kardinäle und Bischöfe veröffentlichen aktuelle Fotos und neueste Predigten, Weltpriester und Klosterbrüder legen das Evangelium aus und diskutieren mit den Lesern darüber, Schwestern nehmen Audiobeiträge zum Leben im Kloster auf und stellen sie zum Abhören bereit. Sie alle „bloggen", das heißt, sie pflegen regelmäßig tagesaktuelle Inhalte auf einer persönlichen, meist interaktiven, Webseite ein. Menschen konvertieren, weil sie auf katholischen Blogs mitlesen, Berufungen werden geweckt, befördert und gestärkt - all das und noch mehr geschah bisher mit dem Ruch des leicht Anarchischen. Doch jetzt ist das endgültig vorbei. Der Heilige Vater wünscht es sich nämlich ganz offiziell: Bloggen. Im weiten Ozean des World Wide Web sind die katholischen Blogs so etwas wie die Fischerboote des Herrn - kommt doch der Ausdruck Weblog für ein laufend aktualisiertes Internet-Tagebuch, auf dem Texte, Bilder, Audiobeiträge und Videos veröffentlicht werden können, aus der Seefahrt: Ein Web-Log, zusammengezogen Blog, ist das Logbuch (engl.: log) eines Kapitäns, der im Internet navigiert.

Im englischsprachigen Raum gehört es fast schon zum guten Ton, ein eigenes Weblog zu führen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz begann eine Handvoll katholischer Laien vor acht oder zehn Jahren mit viel Spaß an der Freude mit der Bloggerei - zunächst unbeachtet von den klassischen Medien und einer breiteren Öffentlichkeit.

Auch manche Protestanten und Atheisten mögen die Blogs 

Mittlerweile verlieren selbst die einstmaligen Pionier-Blogs der deutschsprachigen Szene - wie Credo ut intelligam und Catholicism Wow! - langsam den Überblick über die stetig wachsende Zahl katholischer Blogger, zu denen sich bereits vor den ermutigenden Worten des Papstes immer mehr Ordensleute und Priester gesellten. Auch Ministranten und Seminaristen bloggen mit Feuereifer: Die Szene ist jung, sie hat Freude am Glauben und sie beflaggt ihre Boote vorzugsweise mit den vatikanischen Farben und dem Emblem BXVI, welches die Hingabe des Käptns an den Heiligen Vater ausdrückt. So entstand eine katholische Gemeinschaft im Netz, die, in Anlehnung an das Wort „Diözese", von ihren Mitgliedern neckisch-liebevoll „Blogoszese" genannt wird - mit dem Bischof von Rom als inoffiziellem Oberhaupt mit Leuchtturmfunktion.

Mit leichtem Erstaunen und etwas mehr Misstrauen reagierte der etablierte katholische Journalismus in Deutschland noch auf das neue Phänomen, während die englischen und amerikanischen Kollegen schon längst dabei waren, mit ihren eigenen virtuellen Schnellbooten die hohen Wasser zu befahren. Und weil das Internet international ist, sind die Blogger es auch. Durch Links ist es möglich, auf ein katholisches Blog aus den USA oder Italien, auf den Philippinen oder aus Vietnam zu verweisen. Jeder steht mit jedem in Verbindung und so bildet sich das Kontinente umspannende reale Netzwerk der katholischen Weltkirche auch im virtuellen Raum ab.

Ein schönes Beispiel ist das Blog von Bischof Clemens Pickel. Er betreut in Südrussland die russisch-katholische Diözese St. Clemens in Saratow unter Bedingungen, die nicht einfach zu bewältigen sind. Bischof Pickel stellt Fotos aus dem Gemeindeleben ein, er berichtet vom russischen Winter und desaströsen Straßenlagen und lässt uns so Anteil haben an der Freude, die ihn trotz Widrigkeiten bei seiner Mission erfüllt. Plötzlich ist Südrussland zum Greifen nah, die Schwestern und Brüder dort Teil unserer Kirche, ein Stück von uns. Das macht dankbar, es schafft Nähe, Anteilnahme und vor allem macht es Freude.

Mit welchen Inhalten aber füllen die Laien oder auch geweihten Männer ihre Blogs, die in einer weniger aufregenden und exotischen Umgebung leben? Sie berichten vom ganz normalen Abenteuer eines katholischen Alltags. Sie schreiben über die Bedeutung tagesaktueller liturgischer Festtage, sie meditieren über Bibelstellen, sie veröffentlichen fromme Bilder und ironische Comics, sie zitieren die „Klassiker" wie Chesterton oder Bernanos, den Papst und die Kirchenväter. Sie stellen Überlegungen zu traditioneller und neuer Kirchenmusik an, sie greifen kirchenfeindliche Meldungen auf und kommentieren spöttisch bis scharf. Sie diskutieren über die FSSPX und die Umsetzung des Zweiten Vaticanums, sie veröffentlichen Gebetstexte und starten virtuelle Gebetsketten zu bestimmten Anlässen. Sie finden Argumente für den Zölibat, anstatt dagegen, und sie schreiben über Reizthemen mit gleich viel Humor wie katholischem Selbstbewusstsein. Und vor allem haben sie Freude am Glauben.

Die Beliebtheit von manchen katholischen Blogs - auch unter evangelischen Christen und Atheisten - liegt zum Teil daran, dass sie ein messerscharfes katholisches Profil haben, von ihrem Glauben überzeugt sind, jederzeit für ihn einstehen - und dies meisthin unterhaltsam, eloquent und mit einer gehörigen Portion Selbstironie vorzutragen wissen.

Ein spiritueller Impuls, der von einem Blogeintrag ausgeht, ob es sich um Laie oder Priester handelt, kann spannender und segensreicher sein als manche Sonntagspredigt.

Blogs sind schnell wie die Engelsboten - sie verbreiten Nachrichten in Echtzeit. Nicht alle Blogger sind theologisch kompetent, aber die meisten interessieren sich für theologische Fragestellungen. Wenn in Deutschland die Kirche in die Schlagzeilen gerät, befragt man Hans Küng, Uta Ranke-Heinemann oder „Wir sind Kirche". Wenn das in den USA passiert, lädt man den jungen graduierten Theologiestudenten und äußerst populären Blogger Thomas Peters ein, dessen Blogtitel „American Papist" durchaus programmatisch zu verstehen ist. Thomas Peters Vater ist übrigens ein renommierter Kirchenrechtler und betreibt ein viel beachtetes Blog über spezielle Fragestellungen dazu.

Vorurteile abbauen und Menschen kennenlernen

Was sich nach einer reinen Männersache anhört, ist in Wirklichkeit keine. Auch Frauen bloggen, Journalistinnen, Theologiestudentinnen, Ordensfrauen, in ihren jeweiligen Gemeinden engagierte junge Frauen und die in der breiten Öffentlichkeit sonst kaum wahrgenommene Gruppe der „geweihten Jungfrauen" - einem kirchlichen Stand, der eine Zeit lang so ausgestorben schien wie die Einhörner. Die virgo consecrata lebt als eine Braut Christi, als sponsa agni, nicht in einer klösterlichen Gemeinschaft, sondern in der Welt. Es ist eine besondere Berufung mit eigenen Charismen. Dass das Führen eines höchst amüsanten, quicklebendigen und dabei sehr frommen und erbaulichen Blogs dazugehörte, konnte bisher niemand ahnen. Diese Frauen sind jung, sie sind witzig und selbstironisch und kein bisschen verknöchert oder verstaubt. Früher, so könnte man denken, standen solche Frauen doch recht einsam und alleine da. Heute vernetzen sich die deutschen geweihten Jungfrauen mit ihren amerikanischen und englischen Schwestern, lesen deren Blogs, kommentieren und verweisen in ihren eigenen Einträgen darauf. Wer hätte das gedacht? Blogs helfen, Vorurteile abzubauen und Menschen kennenzulernen, mit denen uns unser Glaube verbindet. Blogs helfen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen. Blogs geben last not least Zeugnis davon, dass der katholische Glaube springlebendig ist und gerade dort aufblüht, wo niemand mit ihm rechnet.

- Credo ut intelligam (deutsch) http://intelligam.blogspot.com/

- Catholicsm Wow (deutsch) http://www.catholicism-wow.de/

- Katholisch in Südrussland (deutsch) http://kath-ru.blogspot.com

- American Papist (engl.) http://www.cath-olicvoteaction.org/americanpapist

- Kirchenrechtler Edward Peters (engl.) http://www.canonlaw.info/blog.html

- Sponsa Agni (deutsch) http://sponsaagni.blogspot.com

- Braut des Lammes (deutsch) http://brautdeslammes.blogspot.com

Die Autorin des Beitrags betreibt das Blog Elsas Nacht(b)revier:

http://elsalaska.twoday.net/

[© Die Tagespost vom 22.05.2010]

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