Von Jesús Colina
ROM, 1. Juni 2010 (ZENIT.org).- Am vergangenen Samstag Vormittag fand im Petersdom eine ganz außergewöhnliche Veranstaltung statt: Eine eucharistische Anbetung zur Sühne für die Sünden der Priester.
Darin wurde die Tragödie, die in den letzten Monaten mit Schmerzen die ganze Kirche erfüllte, vor Gott gebracht: Das Schicksal vieler Kinder, deren Vergangenheit von pädophilen Priestern „zertreten" worden war, und die die Worte Jesu „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!" verraten haben.
Die Initiative ging von Studenten der päpstlichen Universitäten in Rom (ZENIT berichtete) als eine Geste der Solidarität mit Papst Benedikt XVI. aus. Das Gebet für die Sünden der Priester wurde von Kardinal Angelo Comastri, Erzpriester des Petersdoms und der Generalvikar des Papstes für den Vatikanstaat gefördert.
Der eucharistischen Anbetung auf dem Altar der Basilika folgte eine Betrachtung des bekannten „Staatsanwaltes" im Vatikan für Fälle sexuellen Missbrauchs von Geistlichen, Monsignore Charles Scicluna, der offiziell Verantwortlich für den Gerichtshof der Kongregation für die Glaubenslehre ist.
Monsignore Scicluna fand klare Worte: „Wie viele Sünden werden in der Kirche durch Arroganz, unersättliche Gier, Missbrauch und Ungerechtigkeit derer begangen, die ihren Dienst dazu ausnutzen, Karriere zu machen, etwas darzustellen, aufgrund einer sinnlosen und erbärmlichen Ruhmsucht."
Der maltesische Priester, der schon seit Jahren Fälle von Pädophilie und Kindesmissbrauch durch Priester untersucht und überprüft, stellte fest, dass Christus seine härtesten Worte gegen die Urheber dieser Verbrechen gebraucht.
„Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde", zitierte er in Anlehnung an die Worte des Markus Evangeliums (Mk 9, 42).
Das Kind sei „kostbar in den Augen Gottes und in den Augen eines wahren Jüngers Jesu", betonte der Bischof während dieses Gottesdienstes am Ende des Priester-Jahres.
Msgr. Scicluna prangerte an: „Wie dürr wird jedoch die Erde und wie traurig die Welt, wenn dieses so wunderbare Bild und diese heilige Ikone zertreten, zerbrochen, beschmutz, missbraucht, zerstört wird!"
„Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab"
Die anwesenden Gläubigen, unter denen sich auch Seminaristen befanden, erinnerte Bischof Scicluna an die Worte Jesu: „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab".
Er deutete diese „Hand", die man abtrennen muss, als „den lieben Freund, mit dem wir unser Leben verbringen und mit dem uns die Bande der Zuneigung, Harmonie und Solidarität verbindet. Es gibt eine Grenze in dieser Verbindung", so Sciluna.
„Die christliche Freundschaft ist dem Gesetz Gottes unterworfen. Wenn mein Freund, mein Begleiter oder der geliebte Mensch für mich ein Anlass zur Sünde wird oder zu einem Hindernis auf meiner Pilgerreise, habe ich keine andere Wahl, entsprechend dem Maßstab des Herrn, als diese Verbindung zu trennen. Wer würde die Qual einer solchen Entscheidung leugnen?
Handelt es sich nicht um eine grausame Amputation?", stellt der Staatsanwalt des Vatikans zur Frage. „Der Herr spricht jedoch eindeutig: Es ist besser für mich allein ins Reich Gottes zu kommen (ohne eine Hand, ohne ein Auge, ohne einen Fuß), als mit meinem Freund ‚in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer'."
Angesichts der schwierigen Situation der Kirche in dieser Zeit schloss der Bischof mit der Bitte aus der Messbuch: „Herr Jesus Christus, du hast den Apostel gesagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch". Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und schenke ihr nach deinem Wort Einheit und Frieden."
[Die Predigt von Monsignore Charl Scicluna ist auf der ZENIT Web-Seite http://www.zenit.org/article-20671?l=german in voller Länge zu lesen].
















