Rom, 1. Juli 2010 (ZENIT.org).- Am 10. November 1943 wurden im Hamburger Gefängnis am Holstenglacis vier Geistliche durch das Fallbeil hingerichtet. Gut 60 Jahre nach dem Tod der vier Geistlichen hatte der Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen den Prozess der Seligsprechung für dei drei katholischen Kapläne in Gang gesetzt.
Heute hat Papst Benedikt XVI.während einer Privataudienz mit Erzbischof Angelo Amato SDB, dem Pärfekten der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren die Kongregation authorisiert, das Dekret für die Anerkennung der Drei Lübecker Martyrer, Johannes Prassek und seine Gefährten zur erlassen. Mit der Unterzeichnung des Dekretes durch den Papst ist der Weg zur Seligsprechung der "Drei Lübecker Martyrer" frei gemacht.
Die Erzdiözese Hamburg dokumentiert das Lebenszeugnis dieser drei Priester auf ihrer Internetseite.
Johannes Prassek wurde am 13.8.1911 in Hambeck-Barmbek geboren. Der Vater war Maurer und stammte aus Schlesien. Die Mutter, Konvertitin, kam aus Mecklenburg. Erste Kaplanstelle nach der Priesterweihe 1937 war Wittenburg, die zweite ab 1939 Lübeck.
Der große und asketische Mann überzeugte durch seine Natürlichkeit, Offenheit und seine vertrauensvolle Hinwendung zu einzelnen Menschen. Zwei Wochen vor seiner Festnahme bekam er wegen seiner mutigen Einsatzes während eines Bombenangriffs das "Luftschutz-Ehrenzeichen".
Auch als Prediger vertrat er offen seine Meinung und scheute keine Kritik an der NS-Ideologie. Das sprach sich herum. Gemeindemitglieder und Freunde warnten den Kaplan vor der Gefahr, die die öffentliche Kritik mit sich brachte. Er selbst war nicht mit der Zurückhaltung einverstanden, die die katholischen Bischöfe gegenüber dem NS-Regime an den Tag legten. Umso mehr verehrte er mutige Einzelgänger wie den Münsteraner Kardinal von Galen, dessen Portrait auf seinem Schreibtisch stand.
Im evangelischen Pastor Stellbrink fand der Kaplan einen Mitstreiter: Beide tauschten Flugblätter und Informationen, auch über "Feindsender" aus.
Eine weitere Provokation: Prassek widmete sich als Seelsorger den polnischen Zwangsarbeitern in Lübeck, er lernte dazu sogar polnisch.
Ein Spitzel, der sich als sozial bedürftiger Glaubenssuchender ausgab, denunzierte den Geistlichen. Prassek hatte dem Mann vertraut und ihm seine kritischen Meinungen mitgeteilt. Der Verrat traf ihn schmerzlich. Am 18.5.1942 wurde er von der Gestapo verhaftet. Während der einjährigen Untersuchungshaft streute die Gestapo Gerüchte über Prasseks Lebenswandel und Beziehungen zu Frauen. Der Gefangene erhielt gefälschte Nachrichten, wonach Bischof Berning ihn fallengelassen habe. Gegen den Rat seines Anwalts stritt der Geistliche in der Verhandlung keine seiner regimekritischen Äußerungen ab. Am 24.6.1943 wurde er zum Tode verurteilt.
Sein Abschiedsbrief galt lange als verschollen. 2004 wurde er im Berliner Bundesarchiv, zusammen mit den Briefen von Pastor Stellbrink und Kaplan Lange, wiedergefunden.
Erhalten ist aber noch das Neue Testament des Kaplans mit Notizen und Anstrichen. Der Bischof von Osnabrück liest an jedem Todestag in der Eucharistiefeier das Evangelium aus diesem Buch. Auf der ersten Seite hat Johannes Prassek den Satz aufgeschrieben: "Wer sterben kann, wer will den zwingen?"
















